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Bruininks-Oseretsky Test der motorischen Fähigkeiten - Zweite Ausgabe

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006788
 

BOT-2 - Bruininks-Oseretsky Test der motorischen Fähigkeiten - Zweite Ausgabe (PSYNDEX Tests Review)

 

Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency - Second Edition (BOT-2; Bruininks, R.H. & Oseretsky, B.D., 2005) - German version/author
Synonym(e): BOT2

 Blank, R., Jenetzky, E. & Vinçon, S. (Hrsg.).
 (2014). BOT-2. Bruininks-Oseretsky Test der motorischen Fähigkeiten - Zweite Ausgabe. Deutschsprachige Version. Übersetzung und Anpassung des Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency, Second Edition von Robert H. Bruininks, Brett D. Bruininks [Tasche mit Handbuch "Grundlagen, Testauswertung und Interpretation", Testbuch, 25 Protokollbögen, 25 Aufgabenheften, Auswertungsschablone, Stoppuhr, Maßband, 2 roten Buntstiften, Rechts- und Linkshänderschere, 20 Münzen, Unterlage, Kästchen, Steckbrett mit 30 Stiften, 50 Karten, 15 Würfel, Schnur, Zielscheibe, Balken, Klotz, Tennisball und einer Knieunterlage]. Frankfurt: Pearson.

Preis: Euro 1050,00 (Test komplett zzgl. 7% UST und Versandkosten; Stand: 16.09.2014)

 Bezugsquelle: Pearson Deutschland GmbH, Kaiserstraße 44, D-60329 Frankfurt/M. ; E-Mail: info.de@pearson.com ; URL: https://www.pearsonclinical.de ; Stand: 1.5.2019.

 Adresse(n): o Prof. Dr. Rainer Blank, Gesellschaft für motorische Entwicklungsstörungen (UEMF) e.V., Knittlinger Steige 25, D-75433 Maulbronn ; E-Mail: uemf.gesellschaft@yahoo.de ; URL: http://www.uemf-gesellschaft.de/ ; Stand: 13.10.2014
o Sabine Vinçon, Klinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie, Kinderzentrum Maulbronn gGmbh, Knittlinger Steige 21, D-75433 Maulbronn ; E-Mail: s.vincon@kize.de ; URL: http://www.uemf-gesellschaft.de/ ; Stand: 16.09.2014
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Mithilfe der vorliegenden Adaption des BOT-2 ins Deutsche sollte die von der Leitlinie "Umschriebene Entwicklungsstörungen Motorischer Funktionen" geforderte standardisierte Diagnostik nun auch im deutschen Sprachraum umgesetzt werden können. Der BOT-2 erfasst eine große Bandbreite motorischer Fertigkeiten und erlaubt eine differenzierte Beurteilung von sowohl fein- als auch grobmotorischen Fähigkeiten.


Aufbau:
Das Verfahren besteht aus acht Untertests mit jeweils mehreren Aufgaben zur Erfassung fein- und grobmotorischer Fertigkeiten. Die Untertests sind folgenden vier Skalen zugeordnet: (1) Feinmotorische Steuerung (FS), (2) Handkoordination (HK), (3) Körperkoordination (KK) sowie (4) Kraft und Geschicklichkeit (KG). Alle Skalen zusammen geben einen Eindruck der Gesamtmotorik.


Grundlagen und Konstruktion:
Der auf dem Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency (BOTMP) basierende englischsprachige BOT-2 sollte ins Deutsche übersetzt und angepasst werden, wobei insbesondere auf eine im Vergleich zur Originalversion höhere Sensitivität und Reliabilität geachtet wurde. Die Übersetzung erfolgte in mehreren Schritten und in Zusammenarbeit mit Experten und den Autoren der englischsprachigen Testversion. Einige Inhalte wurden verändert oder neu erstellt (z.B. Fotos), es wurde eine komplette Neunormierung für den deutschen Sprachraum vorgenommen und ein elektronischer Fallbogen entwickelt.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die interne Konsistenz (Testhalbierungsmethode) betrug für die einzelnen Skalen und den Gesamtmotorikwert zwischen Alpha = .51 und Alpha = .93 sowie für die Untertests zwischen Alpha = .33 und Alpha = .90. Die Kennwerte der Retestreliabilität lagen bei einem Retestintervall zwischen 3 und 28 Tagen zwischen ICC = .81 und ICC = .99.
Validität: Die Untersuchungen zur Inhalts-, Konstrukt- und Kriteriumsvalidität sprechen insgesamt für die Validität des Verfahrens. So schnitten etwa verschiedene klinische Gruppen deutlich (z.T. bis zu 20 T-Werte) schlechter als nicht klinische Subgruppen ab.
Normen: Die deutschsprachige Normstichprobe umfasste N = 1 177 Kinder und Jugendliche (n = 606 Mädchen, n = 571 Jungen) im Alter zwischen 4 und 14 Jahren aus Deutschland (n = 969), Österreich (n = 115) und der Schweiz (n = 93). Es liegen sowohl geschlechtsspezifische als auch allgemeine Normen in Form von T-Werten und Prozenträngen für Kinder zwischen 4 und 14 Jahren vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Umschriebene Entwicklungsstörungen Motorischer Funktionen (UEMF) kennzeichnen gemäß dem DSM-IV-TR (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen - Textrevision; Saß, Wittchen, Zaudig & Houben, 2003) deutliche Einschränkungen bei der Entwicklung der motorischen Steuerung. Dies kann mitunter die schulische Leistung oder das soziale Zusammenleben negativ beeinflussen (Blank, Jenetzky & Vincon, 2014, S. 193).
Im Rahmen der deutsch-schweizerischen Leitlinienentwicklung für Kinder mit Umschriebenen Entwicklungsstörungen der Motorischen Funktionen (Blank, Smits-Engelsman, Polatajko & Wilson, 2012) wurde deutlich, dass zum gegebenen Zeitpunkt kein geeignetes Verfahren zur standardisierten Diagnostik im deutschen Sprachraum verfügbar war. Dementsprechend entschied man sich für die Adaption des im englischen Sprachraum gut etablierten und wissenschaftlich fundierten Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency - 2 (BOT-2; Bruininks & Bruininks, 2005). Der BOT-2 ist ein standardisiertes Verfahren zur Erfassung einer großen Bandbreite motorischer Fertigkeiten, mithilfe dessen sowohl fein- als auch grobmotorische Fertigkeiten differenziert beurteilt werden können. Die Erstellung motorischer Fähigkeitsprofile erlaubt es u.a., spezifische Einschränkungen bei Personen mit leichten und mittleren motorischen Störungen zu diagnostizieren (Deitz, Kartin & Kopp, 2007).
 

Testaufbau

Die insgesamt acht Untertests des Verfahrens dienen zur Erfassung fein- und grobmotorischer Fertigkeiten in folgenden vier übergeordneten Bereichen (Skalen): (1) Feinmotorische Steuerung (FS), (2) Handkoordination (HK), (3) Körperkoordination (KK) sowie (4) Kraft und Geschicklichkeit (KG). Dabei umfasst jeder dieser Untertests mehrere Aufgaben, wobei die Anordnung der Untertests so gewählt wurde, dass zu Beginn der Testdurchführung all jene Aufgaben zu bearbeiten sind, die Genauigkeit und Ausdauer erfordern. Aufgaben hingegen, die einen stärkeren Körpereinsatz erfordern, werden erst in der zweiten Testhälfte bearbeitet. Die Zuordnung der Untertests zu den jeweiligen Skalen sowie der Aufgaben zu den jeweiligen Untertests ist den Tabellen 1 und 2 zu entnehmen.

Tabelle 1
Zuordnung der Untertests zu den jeweils übergeordneten Skalen des BOT-2 (Blank, Jenetzky & Vincon, 2014, S. 40)
-------------------------------------------------- 
Skala Untertest Aufgaben
--------------------------------------------------
FS Feinmotorische Genauigkeit 7
Feinmotorische Integration 8
HK Handgeschicklichkeit 5
Ballfertigkeiten 7
KK Beidseitige Koordination 7
Gleichgewicht 9
KG Schnelligkeit + Geschicklichkeit 5
Kraft 5
--------------------------------------------------
Anmerkungen. FS = Feinmotorische Steuerung, HK = Handkoordination, KK = Körperkoordination, KG = Kraft und Geschicklichkeit.

Tabelle 2
Zuordnung der Aufgaben zu den jeweiligen Untertests des BOT-2 (Blank, Jenetzky & Vincon, 2014, S. 41 ff.)
---------------------------------------------------------------------- 
UT Aufgaben
----------------------------------------------------------------------
FG - Ausmalen und Nachzeichnen verschiedener Formen
- Verbinden von Punkten
- Falten eines Blatt Papiers an vorgegebener Stelle
- Ausschneiden eines Kreises
FI - Abzeichnen verschiedener Formen
HG - Punktieren von Kreisen auf einem Blatt Papier
- Transportieren von Münzen
- Einstecken von Stiften in ein Steckbrett
- Sortieren von Karten mit unterschiedlichen Formen
- Auffädeln von Würfeln
BK - Berühren der Nase mit geschlossenen Augen
- Vorführen eines Hampelmanns
- Fingerspiele
- Auf der Stelle Hüpfen
- Mit Fuß und Finger tippen
GG - Stehen und Gehen auf einer Linie
- Stehen auf einem Balken mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad
S+G - Rennen
- Nachstellschritt zur Seite
- Hüpfen auf der Stelle und zur Seite
BF - Fangen
- Loslassen und Prellen eines Balls mit unterschiedlichem
Schwierigkeitsgrad
- Werfen eines Balls auf eine Zielscheibe an der Wand
K - Weitsprung aus dem Stand
- Vereinfachte Liegestütze
- Sit-ups
- Hocksitz an der Wand
- In Bauchlage strecken
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. UT = Untertest, FG = Feinmotorische Genauigkeit, FI = Feinmotorische Integration, HG = Handgeschicklichkeit, BK = Beidseitige Koordination, GG = Gleichgewicht, S+G = Schnelligkeit und Geschicklichkeit, BF = Ballfertigkeiten, K = Kraft.
 

Auswertungsmodus

Die Bewertung der einzelnen Aufgaben erfolgt nach einem gestuften Bewertungsschema, wobei dies je nach Aufgabe eine Zeichnung, Bewegungsabfolge, Zeitspanne etc. sein kann. Die jeweiligen Bewertungskriterien sind zusammen mit weiteren Durchführungshinweisen im Testbuch abgedruckt und werden durch Auswertungsbeispiele veranschaulicht.
Die ermittelten Rohwerte werden im Protokollbogen eingetragen, woraufhin die korrespondierenden Punktwerte bestimmt und pro Untertest summiert werden können. Daraufhin werden die (Gesamt-)Punktwerte der einzelnen Untertests mithilfe der entsprechenden Normtabellen in standardisierte Untertest- und T-Werte transformiert. Die Summe der für die übergeordneten Skalen ermittelten T-Werte wiederum ergibt nach einer erneuten T-Transformation den Gesamtmotorikwert. Darüber hinaus können zur Beurteilung der Untertests das 90%- oder 95%-Konfidenzintervall, der Prozentrang, das Entwicklungsalter und die Wertungskategorie bestimmt werden. Letztere dient lediglich der schnellen Zuordnung einer Leistung als (unter-/über-) durchschnittlich.
 

Auswertungshilfen

Die korrekte Auswertung der einzelnen Aufgaben wird durch umfangreiche Auswertungsbeispiele im Testbuch veranschaulicht und erleichtert. Darüber hinaus kann zur Bewertung der Aufgaben "Punkte verbinden" und "Kreis ausschneiden" (jeweils Feinmotorische Genauigkeit) eine Auswertungsschablone benutzt werden.
 

Auswertungszeit

Zur Testauswertung werden etwa 15 bis 20 Minuten benötigt.
 

Itembeispiele

Da bildliches Material nicht widergegeben werden kann, seien im Folgenden die im Anhang des Testbuchs abgedruckten Instruktionsvorschläge zu einigen beispielhaften Aufgaben aufgeführt.
Skala Handgeschicklichkeit, Aufgabe Münzen transportieren: "Schau Dir den Jungen auf den Bildern an. Du hast die gleichen Dinge vor Dir liegen wie er. Siehst Du, wie er mit einer Hand eine Münze nimmt, die Münze an die andere Hand übergibt und diese Hand die Münze in das Kästchen legt? Dabei nimmt er immer eine Münze nach der anderen. Das sollst Du auch so machen, dann aber so schnell wie möglich."
Skala Schnelligkeit und Geschicklichkeit, Aufgabe Hüpfen zur Seite - auf einem Bein: "Schau Dir das Mädchen auf den Bildern an. Hier steht sie auf einem Bein neben der Linie. Ihr anderes Bein ist angewinkelt und ihre Hände sind an der Hüfte. Dann springt sie über die Linie und landet auf der anderen Seite. Das andere Bein bleibt angewinkelt und die Hände bleiben an der Hüfte. Siehst Du, wie sie auf einem Bein über die Linie springt? Das sollst Du auch so machen; immer hin und zurück und dann so schnell wie möglich. Wenn Du einmal durcheinander kommst, zum Beispiel die Hände von der Hüfte wegnimmst oder das angewinkelte Bein auf den Boden kommt, mach einfach wieder richtig weiter."
 

Durchführung

 

Testformen

Der BOT-2 wird als Individualtest durchgeführt. Neben dem Gesamttest und der Kurzform können in Abhängigkeit von der Untersuchungsintention auch nur einzelne Skalen oder Untertests durchgeführt werden. Der BOT-2 existiert derzeit (Januar 2015) in der englischsprachigen Originalversion und einer deutschsprachigen Adaptation.
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann bei Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 14 Jahren eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Erfahrungsgemäß werden zur Durchführung aller Aufgaben einer Skala 10 bis 15 Minuten benötigt. Damit sollten zur Durchführung des gesamten Tests ca. 50 bis 60 Minuten, zur Durchführung der Kurzform ca. 20 bis 30 Minuten veranschlagt werden.
 

Material

Alle Testmaterialien befinden sich in einer praktischen Umhängetasche und umfassen jeweils ein Hand- und Testbuch sowie jeweils 25 Protokollbögen und Arbeitshefte, eine Auswertungsschablone, eine Stoppuhr, ein Maßband, zwei rote Buntstifte, jeweils eine Rechts- und Linkshänderschere, 20 Münzen, eine Unterlage, ein Kästchen, ein Steckbrett mit 30 Stiften, 50 Karten, 15 Würfel, eine Schnur, eine Zielscheibe, ein Balken, ein Klotz, ein Tennisball und eine Knieunterlage. Darüber hinaus werden ein Tisch und zwei Stühle sowie Stift und Klebeband benötigt. Letzteres wird u.a. zum Abkleben der Stifte auf dem Steckbrett gebraucht. Die Protokollbögen und Arbeitshefte stellen Verbrauchsmaterial dar und können beim Verlag nachbestellt werden.
 

Instruktion

Um eine möglichst natürliche Gesprächssituation zwischen Testleiter und Kind herzustellen, liegen keine standardisierten Instruktionen vor. Vielmehr ist der Testleiter frei, die Aufgaben so zu erklären, dass das Kind sie versteht. Dabei empfehlen die Autoren, die Aufgaben zusätzlich zu den verbalen Anweisungen praktisch vorzuführen. Sollte sich der Testleiter jedoch sehr unsicher sein, kann er die im Anhang des Testbuchs abgedruckten Instruktionsvorschläge verwenden.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Zur Gewährleistung eines raschen Ablaufs müssen vor der Testdurchführung verschiedene räumliche Vorkehrungen getroffen werden. So wird neben einem Tisch und zwei Stühlen eine Laufstrecke von 15 Metern sowie eine mit Klebeband gekennzeichnete Linie benötigt. Da es sich beim BOT-2 um einen Individualtest handelt, sollte das Kind bei der Bearbeitung der einzelnen Aufgaben möglichst ungestört sein. Der Testleiter wiederum muss sich vorher eingehend mit den verfügbaren Testmaterialien sowie den Durchführungs- und Auswertungsspezifika vertraut machen.
 

Testkonstruktion

Die Grundlage der vorliegenden deutschsprachigen Adaptation des BOT-2 bildet zum einen dessen englischsprachiges Äquivalent (Bruininks & Bruininks, 2005) sowie zum anderen dessen Vorgänger, der Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency (BOTMP; Bruininks, 1978). Um vor allem klinische Auffälligkeiten in einzelnen oder mehreren motorischen Bereichen sicher diagnostizieren zu können, sollte der deutschsprachige BOT-2 im Vergleich zur Originalausgabe eine höhere Sensitivität und Reliabilität aufweisen. Dementsprechend wurden bei der deutschen Normierungsstichprobe möglichst wenige Kinder untersucht, die zum Testzeitpunkt ergo- oder physiotherapeutisch behandelt wurden.
Die Testadaption erfolgte in mehreren, teilweise ineinander übergreifenden, Schritten: So wurde das Verfahren zunächst von einer bilingualen Ergotherapeutin ins Deutsche übersetzt, wobei sich die Herausgeber der deutschsprachigen Adaption sowohl mit den Autoren des englischsprachigen Verfahrens als auch mit weiteren Expertinnen in regem Austausch befanden. Zur Aufdeckung von Unklarheiten wurde anschließend diese (erste) Übersetzung an einzelnen Probanden durchgeführt und die entsprechenden Änderungen wurden realisiert.
Im Vergleich zur englischsprachigen Testversion wurden einige Inhalte verändert (z.B. Auswahl anderer Testmaterialien, Erstellen neuer Fotos, Umrechnung in Zentimeter und Meter) und eine komplette Neunormierung für den deutschen Sprachraum vorgenommen. Zur Minimierung von Fehlern wurde darüber hinaus ein elektronischer Fallbogen entwickelt, mit dessen Hilfe die Testwerte direkt erfasst und z.T. auch die entsprechenden Normwerte berechnet werden können. In Übereinstimmung mit der Originalausgabe existiert auch für die deutschsprachige Adaption eine Kurzform. Anstelle von 14 Aufgaben in der englischen Originalversion umfasst sie jedoch 19 Aufgaben, wobei insbesondere die Anzahl der Aufgaben zur Erfassung der Feinmotorik erhöht wurde.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die zahlreichen und gut illustrierten Auswertungsbeispiele sichern zusammen mit dem ausführlichen Fallbeispiel sowohl die Auswertungs- als auch die Interpretationsobjektivität. Dieser Umstand wird auch durch die ermittelten Übereinstimmungen mehrerer Testleiter (n = 23 deutschsprachige Kinder) verdeutlicht: So betrug die Intraklassenkorrelation zwischen ICC = .94 und ICC = 1.00. Hingegen ist aufgrund der fehlenden Standardisierung bei den Instruktionen die Durchführungsobjektivität zu problematisieren.
 

Reliabilität

Zur Überprüfung der Reliabilität wurden die interne Konsistenz und der Standardmessfehler (jeweils n = 1 177) sowie die Retestreliabilität (n = 24) berechnet. Dabei erfolgte die Berechnung der internen Konsistenz mithilfe der Testhalbierungsmethode (vgl. Tabelle 3). Da je nach verwendeter Altersgruppe unterschiedliche Werte erzielt wurden, werden der jeweils niedrigste und höchste Wert berichtet. Die Retestreliabilität wurde anhand der Intraklassenkorrelation bestimmt. Dabei betrug das Retestintervall zwischen 3 und 28 Tagen (Median = 7 Tage), wobei jede Testperson zweimal vom gleichen Testleiter untersucht wurde. Die entsprechenden Kennwerte liegen zwischen ICC = .81 und ICC = .99.

Tabelle 3
Minimum und Maximum der internen Konsistenz (Alpha) der Skalen und Untertests des BOT-2 (Blank, Jenetzky & Vincon, 2014, S. 160 ff.)
------------------------------ 
Alpha
------------------------------
Skala FS .51-.85
UT FG .49-.80
UT FI .33-.76
------------------------------
Skala HK .74-.90
UT HG .68-.82
UT BF .62-.90
------------------------------
Skala KK .53-.86
UT BK .57-.76
UT GG .51-.84
------------------------------
Skala KG .80-.85
UT S+G .69-.76
UT K .68-.81
------------------------------
Gesamt .84-.93
KF .69-.84
------------------------------
Anmerkungen. Alpha = geschichtetes Alpha nach Feldt und Brennan (1989); UT = Untertest, FS = Feinmotorische Steuerung, FG = Feinmotorische Genauigkeit, FI = Feinmotorische Integration, HK = Handkoordination, HG = Handgeschicklichkeit, BF = Ballfertigkeiten, KK = Körperkoordination, BK = Beidseitige Koordination, GG = Gleichgewicht, KG = Kraft und Geschicklichkeit, S+G = Schnelligkeit und Geschicklichkeit, K = Kraft, Gesamt = Gesamtmotorikwert, KF = Kurzform.
 

Validität

Inhaltsvalidität:
Für die Inhaltsvalidität des Verfahrens sprechen die Konstruktionsprozesse der einzelnen Testversionen. Darüber hinaus werden die Leistungen der Normstichprobe durch aktuelle Forschungsergebnisse unterstützt: So steigen einerseits die motorischen Fertigkeiten mit zunehmendem Alter an, bis sie ein für die jeweilige Fertigkeit spezifisches Maximum erreichen. Andererseits erzielen Mädchen in den meisten Untertests bessere Werte als Jungen, wobei dieser Unterschied mit zunehmendem Alter nahezu verschwindet (Blank et al., 2014, S. 176 ff.).
Konstruktvalidität:
Die Konstruktvalidität des BOT-2 wird durch erwartungskonforme Interkorrelationen zwischen Untertests und Skalen sowie die Ergebnisse der konfirmatorischen Faktorenanalyse der englischsprachigen Normstichprobe unterstützt. Auch wenn letztere nicht für die deutschsprachige Adaption repliziert werden konnten, wurde die vierfaktorielle Lösung aus Gründen der Vergleichbarkeit beider Testversionen beibehalten. Darüber hinaus stimmt der Vergleich zwischen verschiedenen klinischen und nicht klinischen Subgruppen mit bisherigen Forschungsergebnissen überein. So lagen die Leistungen der Kinder mit Umschriebenen Entwicklungsstörungen Motorischer Funktionen (n = 50, Alter: 4-15) durchschnittlich 15 T-Werte (1.5 SD), die Leistungen der Kinder mit Intelligenzminderung durchschnittlich 20 T-Werte (2 SD) und die Leistungen der Kinder mit Autismusspektrumstörungen zwischen 12.5 und 17 T-Werten (1.5 SD) unterhalb derer nicht auffälliger Kinder. Dabei beziehen sich alle Angaben auf die innerhalb der einzelnen Skalen bzw. dem Gesamtmotorikwert erzielten Kennwerte.
Kriteriumsvalidität:
Zur Überprüfung der Kriteriumsvalidität wurden Zusammenhänge zwischen dem englischsprachigen BOT-2 und weiteren, konstruktnahen, Verfahren untersucht (Blank et al., 2014, S. 198 ff.). Dies waren im Einzelnen (a) der BOTMP, (b) die Peabody Developmental Motor Scales, Second Edition (PDMS-2; Folio & Fewell, 2000), (c) der Test of Visual Motor Skills - Revised (TVMS-R; Gardner, 1995) und (d) die Movement Assessment Battery for Children - Second Edition (M-ABC-2; dt. Version von Petermann, 2009). Dabei fielen die Zusammenhänge insgesamt erwartungskonform aus und sprechen für die Vergleichbarkeit der Verfahren bzw. der entsprechenden Untertests. So korrelierten etwa die Gesamtwerte von BOT-2 und BOTMP zu r = .80 (n = 49, Alter: 6-14), die Gesamtwerte von BOT-2 und PDMS-2 zu r = .73 (n = 38, Alter: 4-5), der Untertest Feinmotorische Integration des BOT-2 und der Visuomotorikwert des TVMS-R zu r = .74 (n = 56, Alter: 4-13) und die gleichnamigen Untertests von BOT-2 und M-ABC-2 zwischen r = .26 und r = .57 (n = 22, Alter: 4-6). Für den Einsatz bei Intelligenzgeminderten scheint hingegen die PDMS-2 sowohl dem BOT-2 als auch der M-ABC-2 überlegen zu sein (n = 163, Alter: 3-6; Wuang, Su & Huang, 2012).
 

Normierung

Die deutschsprachige Normstichprobe umfasste N = 1 177 Kinder und Jugendliche (n = 606 Mädchen, n = 571 Jungen) im Alter zwischen 4 und 14 Jahren aus Deutschland (n = 969), Österreich (n = 115) und der Schweiz (n = 93). Die Rekrutierung der Testpersonen erfolgte regional im Sinne einer Quotenstichprobe durch geschulte Testleiter. Dabei sollte eine im Hinblick auf die untersuchten Altersgruppen, das Geschlecht und die Wohnregion relativ gleichmäßig verteilte Stichprobe resultieren, wobei größerer Wert auf die jüngeren als auf die älteren Altersgruppen gelegt wurde. Dementsprechend sind die Vier-, Fünf- und Sechsjährigen mit durchschnittlich n = 157 Testpersonen deutlich stärker vertreten als die Sieben- bis Vierzehnjährigen mit durchschnittlich n = 88 Testpersonen. Ausgeschlossen wurden Kinder/Jugendliche, wenn sie zum Testzeitpunkt Psychopharmaka erhielten oder ergo-/physiotherapeutisch behandelt wurden.
Für die deutschsprachige Version des BOT-2 liegen für die genannten Altersgruppen sowohl geschlechtsspezifische als auch allgemeine Normen in Form von T-Werten und Prozenträngen vor.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Entsprechend seines Entwicklungshintergrundes kann der BOT-2 gemäß der Leitlinie zur Diagnose von Kindern mit Umschriebenen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen (UEMF; Blank et al., 2012) als standardisiertes Verfahren zur Erfassung von UEMF sowie weiterer motorischer Auffälligkeiten eingesetzt werden. Wenngleich der Anwendungsschwerpunkt des Verfahrens in der praktischen Arbeit etwa von Ergo- und Physiotherapeuten, Psychologen oder Sonderpädagogen liegt, kann es durchaus auch in forschungsbezogenen Kontexten Anwendung finden.
 

Bewertung

Mit der vorliegenden deutschsprachigen Adaption des BOT-2 liegt dieses Verfahren erstmals in einer anderen Sprache als Englisch vor. Damit kann eine große Bandbreite an motorischen Fähigkeiten nun auch im deutschen Sprachraum standardisiert erfasst werden. Aufgrund der über mehrere Altersbereiche hinweg gleichen Aufgabenstellungen eignet sich der BOT-2 neben der Anwendung in verschiedenen praktischen Bereichen insbesondere auch für den Einsatz in längsschnittlichen Studien. Im Vergleich zur englischsprachigen Testversion wurde bei der Normierung der deutschsprachigen Adaption darauf geachtet, das Verfahren sensitiver bzgl. der Diagnostik klinischer Auffälligkeiten zu gestalten. Um bestehende Unklarheiten der Aufgabeninstruktion und -interpretation zu minimieren, wurden einige Inhalte verändert und bspw. die Fotos zur Illustration der Aufgabendurchführung neu aufgenommen. Gerade diese Aufnahmen sichern zusammen mit ausführlichen Beschreibungen zur korrekten Aufgabenbewertung und übersichtlichen Registerkarten zur Auswahl des notwendigen Untertests die gleichzeitig einfache und korrekte Handhabung des Verfahrens.
Die frei vorzutragenden Aufgabeninstruktionen sichern dem Testleiter den Freiraum, Aufgaben so zu erklären, dass sie das individuelle Kind auch sicher versteht. Vor diesem Hintergrund ist der dadurch entstehende Mangel an Durchführungsobjektivität nicht als negativ zu werten. Wenngleich die Reliabilitäten insgesamt etwas niedriger als in der englischsprachigen Normstichprobe ausfallen, liegen sie dennoch in einem ausreichenden bis sehr guten Bereich. Insbesondere die Übereinstimmung zwischen verschiedenen Testleitern lässt auf eine hohe Interpretationsobjektivität schließen. Die Ergebnisse der bislang durchgeführten Validierungsstudien sprechen weiterhin für die Gültigkeit des Verfahrens. Jedoch sollte die bislang nicht eindeutig geklärte Faktorenstruktur Gegenstand weiterführender Studien sein.
 

Literatur

  • Blank, R., Jenetzky, E. & Vinçon, S. (Hrsg.). (2014). BOT-2. Bruininks-Oseretsky Test der motorischen Fähigkeiten - Zweite Ausgabe. Deutschsprachige Version. Übersetzung und Anpassung des Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency, Second Edition von Robert H. Bruininks, Brett D. Bruininks [Handbuch "Grundlagen, Testauswertung und Interpretation"]. Frankfurt: Pearson.
  • Blank, R., Smits-Engelsman, B., Polatajko, H. & Wilson, P. (2012). European Academy for Childhood Disability (EACD): Recommendations on the definition, diagnosis and intervention of developmental coordination disorder (long version). Developmental Medicine & Child Neurology, 54, 54-94.
  • Bruininks, R.H. (1978). Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency. Circle Pines, Minnesota: American Guidance Service.
  • Bruininks, R.H. & Bruininks, B.D. (2005). Bruininks-Oseretsky Test for Motor Proficiency, Second Edition. San Antonio, TX: Pearson.
  • Deitz, J.C., Kartin, D. & Kopp, K. (2007). Review of the Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency, Second Edition (BOT-2). Physical & Occupational Therapy in Pediatrics, 27, 87-102.
  • Feldt, L.S. & Brennan, R.L. (1989). Reliability. In. R.L. Linn (Ed.), Educational measurement (3rd ed., pp. 105-111). New York: Macmillan.
  • Folio, M.R. & Fewell, R.R. (2000). Peabody Developmental Motor Scales (2nd ed.). Austin, Texas: PRO-ED.
  • Gardner, M.F. (1995). Test of Visual-Motor-Skills - Revised. Hydesville, California: Psychological and Educational Publications.
  • Petermann, F. (Hrsg.). (2009). Movement Assessment Battery for Children - Second Edition (Movement ABC-2). Deutschsprachige Adaption nach S.E. Henderson, D.A. Sudgen und A.L. Barnett. Deutsche Bearbeitung herausgegeben unter Mitarbeit von K. Bös und J. Kastner (2. überarbeitete und erweiterte Auflage). Frankfurt/M.: Pearson Assessment.
  • Saß, H., Wittchen, H.-U., Zaudig, M. & Houben, I. (Hrsg.). (2003). Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen - Textrevision. DSM-IV-TR. Göttingen: Hogrefe.
  • Wuang, Y.P., Su, C.Y. & Huang, M.H. (2012). Psychometric comparisons of three measures for assessing motor functions in preschoolers with intellectual disabilities. Journal of Intellectual Disability Research, 56 (6), 567-578.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Rösner, M. & Gebhard, B. (2015). Aus der Praxis für die Praxis - Einsatz des BOT-2 in der motopädischen Praxis. Ein Interview mit Manuela Rösner. Motorik, 38 (4), 186-188.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Bruininks, R. (1978). Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency: Examiner's Manual. Circle Pines, MN: American Guidance Service.
  • Bruininks, R.H. & Bruininks, B.D. (2005). Bruininks-Oseretsky Test for Motor Proficiency, Second Edition. San Antonio, TX: Pearson.
 

Rezensionen

  • Deitz, J.C., Kartin, D. & Kopp, K. (2007). Review of the Bruininks-Oseretsky Test of Motor Proficiency, Second Edition (BOT-2). Physical & Occupational Therapy in Pediatrics, 27 (4), 87-102. https://doi.org/10.1300/J006v27n04_06
  • Irblich, D. (2016). Bruininks, R. H., Bruininks, B. D. (2014). BOT-2. Bruininks-Oseretzky Test der motorischen Fähigkeiten (2. Aufl.). Deutsche Version. Deutsche Bearbeiter und Herausgeber: R. Blank, E. Jenetzky, S. Vinçon. Frankfurt: Pearson Assessment (Neuere Testverfahren). Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 65 (2), 144-154.
  • Krüger, A. (2015). Bruininks, Robert H., Bruininks, Brett D.: Bruininks-Oserektsky Test of Motor Proficiency (BOT-2). Pearson Assessment & Information, Frankfurt, 2014, ? 1.050 (D); Deutsche Bearbeiter und Herausgeber: Blank, R., Jenetzky, E., Vinçon, S. (Rezension). Motorik, 38 (4), 189-191.
 

Bibliographien im Internet

 
 Jennifer Schroth (02.01.2015)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Screening Tests; Photographs; Test Norms; Subtests; Developmental Measures; Developmental Psychology; Motor Development; Childhood Development; Equilibrium; Physical Dexterity; Perceptual Motor Coordination; Physical Agility; Physical Strength

Screening Tests; Photographien; Testnormen; Untertests; Entwicklungstests; Entwicklungspsychologie; Motorische Entwicklung; Entwicklung in der Kindheit; Gleichgewicht; Körperliche Geschicklichkeit; Sensumotorische Koordination; Körperliche Beweglichkeit; Physische Stärke

 weitere Schlagworte:

1978 (BOTMP; englischsprachige Originalversion); 2005 (BOT-2; englischsprachige Originalversion, 2. Auflage); 2014 (BOT-2; deutschsprachige Version); Feinmotorik; Schnelligkeit; Handgeschicklichkeit; ab 4 Jahre; bis 14 Jahre; 53 Items (Langform); 19 Items (Kurzform); Bereiche der Motorik: 1 Feinmotorische Steuerung, 2 Handkoordination, 3 Körperkoordination, 4 Kraft und Geschicklichkeit, Gesamtwert; Untertests: 1 Feinmotorische Genauigkeit, 2 Feinmotorische Integration, 3 Handgeschicklichkeit, 4 Beidseitige Koordination, 5 Gleichgewicht, 6 Schnelligkeit und Geschicklichkeit, 7 Ballfertigkeiten, 8 Kraft; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2013; Stichprobe(n): 1177
 Klassifikation:

Sensorisches und motorisches Testen; Entwicklungstests; Motorik; Entwicklungsstörungen und Autismus
Spezielle Tests zur motorischen Entwicklung; Motorische Leistungstests
1.3; 4.1
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2014
 Änderungsdatum: 201409
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