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Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren - Revision

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006629
 

ET 6-6-R - Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren - Revision (PSYNDEX Tests Review)

 

Developmental Test for Ages 6 Months to 6 Years - Revised/zpid
Synonym(e): Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren; ET6-6-R; ET 6-6 R; ET6-6R; Revision des Entwicklungstests ET 6-6

 Petermann, F. & Macha, T.
 (2013). ET 6-6-R. Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren - Revision [Testkoffer mit Manual, Durchführungshilfe, je 10 Protokollbögen 6-7,5 Monate, 7,5-9 Monate, 9-12 Monate, 12-15 Monate, 15-18 Monate, 18-21 Monate, 21-24 Monate, 24-30 Monate, 30-36 Monate, 36-42 Monate, 42-48 Monate, 48-60 Monate, 60-72 Monate, Nachlege- und Gedächtnistafeln, Auswertungsschablone, Bildkartenheft: Teil 1 Pluralbildung, Teil 2 Vergangenheitsbildung, Bogen "Untertest Nachzeichnen", Bogen zur Stiftführung sowie weiteren Testmaterialien; separat: Auswertungsprogramm]. Frankfurt am Main: Pearson.

Preis: Euro 1324,50 (ET 6-6-R - Gesamtsatz exkl. Versandkosten; Stand: 12.9.2018)

 Bezugsquelle: Pearson Deutschland GmbH, Kaiserstraße 44, D-60329 Frankfurt/M. ; E-Mail: info.de@pearson.com ; URL: https://www.pearsonclinical.de ; Stand: 1.5.2019.
Anmerkung: Als neue Zusatzmaterialien zum Entwicklungstest ET 6-6-R erschienen inzwischen Grenzsteinposter, Grenzsteinprotokollbögen und türkische Elternfragebögen. Seit 2015 liegt eine 2., korrigierte Auflage vor.

 Adresse(n): o Prof. Dr. Franz Petermann (1953-2019), Universität Bremen, Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation ; URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Petermann ; Stand: 5.11.2019
o Dr. Thorsten Macha, Universität Bremen, Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Grazer Straße 2 & 6, D-28359 Bremen ; E-Mail: macha@uni-bremen.de ; URL: http://www.ergotherapie-winter.de/?q=node/46 ; Stand: 15.08.2013
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der ET 6-6-R ist ein Breitband-Entwicklungstest, der den individuellen Entwicklungsstand und -verlauf misst und zur Aufdeckung von vorhandenen Entwicklungsdefiziten bzw. eines Förderbedarfs dient. Er kann auch als Screeninginstrument ("Grenzsteine der Entwicklung") eingesetzt werden.


Aufbau:
Der ET 6-6-R besteht aus 166 Testitems und einem Elternfragebogen mit 79 Items. Erfasst werden fünf bzw. sechs Entwicklungsbereiche: (1) Körpermotorik, (2) Handmotorik, (3) kognitive Entwicklung, (4) Sprachentwicklung und (5) sozial-emotionale Entwicklung. Zusätzlich enthält der Test den Untertest "Nachzeichnen", der für Kinder ab vier Jahren entwickelt wurde.


Grundlagen und Konstruktion:
Der Test ist eine Weiterentwicklung der Vorgängerversion ET 6-6. Für die aktuelle Version wurde eine Itemdatenbank angelegt bestehend aus über 1000 Items, die inhaltlich und psychometrisch überprüft wurden.
Aus diesem Itempool wurde eine Vorversion entwickelt und an einer Konstruktionsstichprobe hinsichtlich der Aufgabenpraktikabilität untersucht. Nach einer Item- und Skalenanalyse und einigen wenigen Überarbeitungen entstand die Endversion. Folgende Neuerungen ergaben sich für die aktuelle Testversion: (1) mehrere neue Testaufgaben und Elternfragen, (2) eine neue Aufgaben- und Skalengliederung, (3) aktuellere und repräsentativere Normen, (4) mehr Altersgruppen, (5) Neustandardisierung mit einem höheren Standardisierungsgrad. Der Test ist robuster gegenüber Messfehlern und ermöglicht eine bessere Vergleichbarkeit der Entwicklungsprofile. Für die Auswertung steht ein Auswertungsprogramm zur Verfügung. Die Grafik für die Profilerstellung ist ausgebessert wurden. Der Test kann jetzt auch als Screeninginstrument angewendet werden, indem lediglich bestimmte Items getestet werden (auf den Protokollbögen als Grenzsteine der Entwicklung markiert).


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) liegt für die sechs Entwicklungsbereiche sowie den Untertest "Nachzeichnen" zwischen Alpha = .66 und .77. Zur Profilreliabilität liegen keine Angaben vor.
Validität: Die Inhaltsvalidität wird angenommen. Die Skalenstruktur entspricht der bewährten inhaltlichen Gliederung der allgemeinen Entwicklungsdiagnostik. Die fünf bzw. sechs Entwicklungsbereiche finden sich auch in der ICD-10-Klassifikation wieder. Die Konstruktvalidität wird anhand der gemittelten Skaleninterkorrelationen ermittelt. Diese liegen zwischen r = .05 (Untertest "Nachzeichnen" und Sozial-emotionale Entwicklung) und r = .46 (Hand- und Körpermotorik). Diese moderaten Zusammenhänge bilden die Skalenunabhängigkeit ab. Des Weiteren gilt das Lösen von immer mehr Aufgaben mit steigendem Alter als Nachweis für einen Entwicklungsprozess. Als Beleg für die Kriteriumsvalidität werden die Entwicklungsquotienten der normalen und klinischen Stichprobe verglichen. Die klinische Gruppe weist in allen Entwicklungsbereichen einen geringen Entwicklungsquotienten auf.
Normen: Zwischen 2011 und 2012 wurde die Eichung an insgesamt N = 1 053 Kindern aus mehreren Bundesländern durchgeführt. Es liegen Normen (Entwicklungsquotient, Prozentränge) für 13 Altersgruppen vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren - Revision (ET 6-6-R; Petermann & Macha, 2013) ist die revidierte Version des Entwicklungstests für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren (ET 6-6) von Petermann und Stein (2000). Der Test erfasst die sozial-emotionalen, fein- und grobmotorischen sowie kognitiv-sprachlichen Kompetenzen von Kindern im Altersbereich von 0,5 bis 6 Jahren.
Die entwicklungspsychologische Diagnostik ist geprägt durch den Simon-Binet-Test zur Prüfung der Intelligenz bei Kindern (Binet & Simon, 1905). Nach und nach wurden Tests zur Messung einzelner oder mehrerer Entwicklungsbereiche entwickelt, darunter auch solche, die bei Säuglingen eingesetzt werden konnten. Das gemeinsame Ziel von Entwicklungstests ist es, Entwicklungsverzögerungen oder -störungen aufzudecken. Eine Entwicklungsverzögerung liegt vor, wenn der Leistungsstand eines Kindes von der Durchschnittsleistung in seinem Altersbereich bedeutsam abweicht. Merkmale einer Entwicklungsstörung nach ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO; Dilling, Mombour & Schmidt, 2005) sind:
(1) Ein Beginn im Kleinkindalter oder in der Kindheit,
(2) ein enger Bezug zur Reifung des Zentralnervensystems sowie
(3) ein stetiger Verlauf ohne Remissionen oder Rezidive.
Ein weiteres Merkmal ist die Intelligenzminderung. Außerdem sind meist einzelne Leistungsbereiche betroffen, die unter dem Konzept der Teilleistungsstörung zusammengefasst werden.
Für die frühzeitige Erfassung von Entwicklungsauffälligkeiten haben Michaelis, Berger und Nennstiel-Ratzel (2013) das Grenzsteinprinzip eingeführt. Grenzsteine sind Fertigkeiten, die für eine ungestörte Entwicklung zu einem bestimmten Lebensalterszeitpunkt erworben sein sollten (Petermann & Macha, 2013, S. 11-19).
 

Testaufbau

Mit dem ET 6-6-R werden fünf Entwicklungsbereiche erfasst. Zusätzlich enthält der Test den Untertest "Nachzeichnen", der für Kinder ab vier Jahren entwickelt wurde (Petermann & Macha, 2013).
(1) Körpermotorik
(2) Handmotorik
(3) Kognitive Entwicklung
(4) Sprachentwicklung
(5) Sozial-emotionale Entwicklung.
Die Entwicklungsbereiche 1-4 bestehen aus insgesamt 166 Testaufgaben (siehe Kapitel 6 im Manual, S. 57 ff.), die die Kinder bewältigen müssen. Die Sozial-emotionale Entwicklung der Kinder - zwei Entwicklungsbereiche sind hier zusammengefasst - wird mit einem aus 79 Fragen bestehenden Elternfragebogen erhoben.
 

Auswertungsmodus

Auf dem Protokollbogen befinden sich für jede Aufgabe zwei Kästchen, die während der Testung angekreuzt werden müssen, je nachdem, ob die Aufgabe von dem Kind bewältigt werden konnte oder nicht (Petermann & Macha, 2013, S. 49). Die Summe der "Ja" angekreuzten Fragen für jeden Entwicklungsbereich separat ergibt den Skalen-Rohwert. Der Untertest "Nachzeichnen" wird in einer separaten Spalte ausgewertet (S. 164-165). Überdies wird aus der Anzahl der insgesamt gelösten Aufgaben ein Gesamtscore ermittelt. Die Skalen-Rohwerte werden anhand der Normtabellen in Entwicklungsquotienten transformiert und in das Entwicklungsprofil eingetragen (S. 161). Es liegen kritische Differenzen zur Bewertung von Profilschwankungen vor (S. 191, Tabelle 13). Ein Wert über 5 beispielsweise weist auf ein heterogenes Entwicklungsprofil hin.
Werden schwierige Aufgaben gelöst, leichte aber nicht oder thematisch zusammengehörige Aufgaben nicht, so empfiehlt sich eine qualitative Überprüfung der Aufgabe (Petermann & Macha, 2013, S. 193).
Weiterhin wird überprüft, ob die Grenzsteine erreicht wurden (siehe Normtabellen). Nach dem Grenzsteinprinzip stellt ein Grenzstein einen Indikator für eine unauffällige Entwicklung dar. Wird ein Grenzstein verpasst, deutet dies auf eine mögliche Entwicklungsverzögerung hin (Petermann & Macha, 2013, S. 192). Die Autoren bieten auch eine Hilfestellung für die Schätzung eines Entwicklungsalters an, wobei sie betonen, dass seine Bestimmung inhaltlich fragwürdig ist (S. 193).
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen stehen mehrere Auswertungs- und Fallbeispiele zur Verfügung (Petermann & Macha, 2013, S. 49, S. 51, S. 53, S. 162-164, S. 191, S. 197 ff.), eine Auswertungsschablone für den Untertest "Nachzeichnen", Normtabellen, Entwicklungsprofile, Grenzsteine und Interpretationshinweise (S. 183). Als Interpretationshilfe wird zudem auf der letzten Seite des Protokollbogens unter der Überschrift "Bemerkungen" ein Beurteilungsschema angeboten. Bestimmte Faktoren wie Motivation, Konzentration oder Sprachverständnis werden hier standardisiert miterhoben und helfen später bei der Interpretation der Ergebnisse (S. 49-50). Das Fallbuch ET 6-6-R (Macha & Petermann, 2016) möchte "zeigen, in welcher Form unser ET 6-6-R ökonomisch, das heißt auf der Basis der Grenzsteine, und inhaltlich differenziert, nämlich als Breitband-Diagnostikum auf der Basis der Entwicklungsprofile, eingesetzt werden kann" (S. 5 f.).
 

Auswertungszeit

Als Dauer der Auswertung sind ca. 5-10 Minuten zu veranschlagen.
 

Itembeispiele

Im Folgenden wird ein Item vorgestellt, welches von der Zielgruppe 48-72 Monate beantwortet wird:
T111: Unterscheidet rechts und links:
1. "Welches ist dein linker Arm?"
2. "Welches ist dein rechtes Bein?"
3. "Welches ist dein linkes Ohr"

Aus dem Elternfragebogen werden die erste und die letzte Frage (für je 6-7,5 und 48-72 Monate alte Kinder) wiedergegeben:
F01 Es registriert sofort aufmerksam, wenn Sie sich ihm nähern oder Sie sich beginnen, mit ihm zu beschäftigen.
F76 Es möchte gerne in die Schule gehen und traut sich den Schulbesuch zu.
 

Durchführung

 

Testformen

Das Verfahren ist nur für eine Einzeltestung geeignet. Für 13 verschiedene Altersgruppen gibt es inhaltlich getrennte Testversionen. Der Test kann auch als Kurzversion durchgeführt werden, indem nur die als Grenzsteine markierten Items erfasst werden. Außerdem liegt der Elternfragebogen auch in türkischer Übersetzung vor.
 

Altersbereiche

Der Test für Kinder im Alter von 0;5 bis 6 Jahren konzipiert.
 

Durchführungszeit

Säuglinge benötigen etwa 20 Minuten, Kleinkinder etwa 30 Minuten und Kinder im Vorschulalter 40 bis 50 Minuten für die Aufgabenbearbeitung (Petermann & Macha, 2013, S. 51).
 

Material

Zu den grundlegenden Testmaterialien gehören das Manual, das Heft mit Durchführungshinweisen, eine Auswerteschablone, Grenzsteinposter, Grenzsteinprotokollbögen und verschiedene Materialien, die alle in einem großen schwarzen Testkoffer enthalten sind. Eine Übersicht über die komplette Materialausstattung bietet die Tabelle 3 im Manual (siehe Petermann & Macha, 2013, S. 28-29). Verbrauchsmaterial (Protokollbögen, Elternfragebögen) kann separat bestellt werden. Bei Interesse sind weitere Materialien wie Auswertungssoftware einzeln erhältlich.
 

Instruktion

Die Anweisungen für alle Aufgaben befinden sich im Manual und in dem Beiheft "Durchführungshinweise". Je nach Aufgabe wird der Testleiter aufgefordert, die Aufgabensituation zu realisieren und ggf. dem Probanden die Instruktion zu erklären (Petermann & Macha, 2013, S. 57 ff.).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Testleiter sollte für eine freundliche Atmosphäre sorgen. Der Raum sollte hell, warm und reizarm sein und mit kindergerechten Möbeln ausgestattet sein. Die Kinder sollten in Begleitung einer Bezugsperson erscheinen, wobei das für Kinder im Vorschulalter weniger erforderlich ist. Die Sitzordnung ist festgelegt: über Eck am Tisch. Zwischen dem Testleiter und dem Kind sollten ca. 50 bis 70 cm Abstand sein. Es sollte darauf geachtet werden, dass zwischen 8 und 12 Uhr getestet wird. 30 bis 60 Minuten sollten nach einer Schlafphase vergangen sein. Die Testung sollte zügig und objektiv erfolgen. Sie sollte für die Kinder als Spielsituation empfunden werden. Dabei sollte die Motivation der Kinder gesteigert bzw. aufrechtgehalten werden (Petermann & Macha, 2013, S. 43-45). Bei einer Aufgabenverweigerung sollte der Testleiter entsprechend eingreifen (S. 56).
Der Testleiter sollte mit den Durchführungshinweisen und den Bewertungskriterien vertraut sein, v. a. auch Erfahrene, die die Vorgängerversion kennen, weil sich in der Revision vieles geändert hat (Petermann & Macha, 2013, S. 48-49). Bei Frühgeborenen sollte eine Alterskorrektur gemacht werden (S. 46-47).
Der Elternfragebogen sollte zeitnah zur Untersuchung ausgefüllt werden. Zur Absicherung der Elternauskunft können z. B. Personen, die das Kind gut kennen (wie z. B. Erzieher, Verwandte), ergänzend befragt werden (Petermann & Macha, 2013, S. 53).
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion beruht auf der Klassischen Testtheorie. Der Test ist eine Weiterentwicklung der Vorgängerversion ET 6-6. Für die aktuelle Version wurde eine Itemdatenbank angelegt bestehend aus über 1000 Items. Die wesentlichen Merkmale dieser Items sind (Petermann & Macha, 2013, S. 31):
(1) ihre inhaltliche Zuordnung zu den Entwicklungsbereichen,
(2) ihre Standardisierungsmerkmale,
(3) die Angaben zu Schwierigkeit und Trennschärfe,
(4) ihre Validität im Hinblick auf mögliche Entwicklungsaussagen.
Eine Vorversion wurde aus diesem Itempool entwickelt und an einer Konstruktionsstichprobe (N = 200 Kinder aus Bremen und Niedersachsen) erhoben. Überprüft wurde die Aufgabenpraktikabilität. Zudem wurde eine Item- und Skalenanalyse durchgeführt. Anschließend wurde mit einigen wenigen Überarbeitungen die Endversion konstruiert. Folgende Neuerungen ergaben sich für die aktuelle Version (Petermann & Macha, 2013, S. 20, S. 31-32):
(1) Es wurden mehrere neue Testaufgaben und Elternfragen aufgenommen.
(2) Es findet sich eine neue Aufgaben- und Skalengliederung.
(3) Es liegen aktuellere und repräsentativere Normen vor.
(4) Es wird zwischen mehr Altersgruppen differenziert.
(5) Der Test ist neu standardisiert und liegt auf einem höheren Standardisierungsgrad. Der Test ist robuster gegenüber Messfehlern und ermöglicht eine bessere Vergleichbarkeit der Entwicklungsprofile. Für die Auswertung steht ein Auswertungsprogramm zur Verfügung. Die Grafik für die Profilerstellung ist ausgebessert wurden.
(6) Es liegen (mehr) Angaben zur Reliabilität und Validität vor.
(7) Der Test kann als Screeninginstrument angewendet werden, indem lediglich bestimmte Items (auf den Protokollbögen als Grenzsteine der Entwicklung markiert) getestet werden.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Der Test kann aufgrund seiner Standardisierung in Durchführung, Auswertung und Interpretation als objektiv gelten (Instruktion, Auswertungsprogramm, Bewertungskriterien, Normen, Entwicklungsprofile, Grenzsteine).
 

Reliabilität

Es wurde die Interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) berechnet. Die mittleren Konsistenzen für die sechs Entwicklungsbereiche sowie den Untertest "Nachzeichnen" liegen zwischen Alpha = .66 (Handmotorik) und .77 (Untertest Nachzeichnen). Der mittlere Standardmessfehler der einzelnen Skalen beträgt zwischen 1.50 und 1.66 (Petermann & Macha, 2013, S. 37-38, Tabelle 7 & 8).
Zur Profilreliabilität liegen keine Angaben vor.
 

Validität

Die Inhaltsvalidität wird angenommen. Die Skalenstruktur entspricht der bewährten inhaltlichen Gliederung der allgemeinen Entwicklungsdiagnostik. Die fünf bzw. sechs Entwicklungsbereiche finden sich auch in den ICD-10-Klassifikationen wieder (Dilling et al., 2005, Petermann & Macha, 2013, S. 38-39).
Die Konstruktvalidität wird anhand der gemittelten Skaleninterkorrelationen ermittelt. Diese liegen zwischen r = .05 (Untertest "Nachzeichnen" und Sozial-emotionale Entwicklung) und r = .46 (Hand- und Körpermotorik; Petermann & Macha, 2013, S. 39). Diese moderaten Zusammenhänge bilden die Skalenunabhängigkeit ab. Des Weiteren gilt das Lösen von immer mehr Aufgaben mit steigendem Alter als Nachweis für einen Entwicklungsprozess (Petermann & Macha, 2013, S. 39-40).
Als Beleg für die Kriteriumsvalidität werden die Entwicklungsquotienten der normalen und klinischen Stichprobe verglichen. Unter die klinische Gruppe fallen Kinder, die vom Arzt als entwicklungsauffällig eingestuft, frühgeboren oder chronisch erkrankt sind, eine Förderung oder Therapie erhalten haben oder solche mit einem geringen Geburtsgewicht. Die klinische Gruppe weist in allen Entwicklungsbereichen einen geringeren Entwicklungsquotienten auf (Petermann & Macha, 2013, S. 42).
 

Normierung

Die Eichung fand im Zeitraum 2011 bis 2012 in mehreren Bundesländern statt. Insgesamt haben N = 1 053 Kinder teilgenommen. Es stehen Normen (Entwicklungsquotient, Prozentränge) für 13 Altersgruppen zur Verfügung (Petermann & Macha, 2013, S. 31-33).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Mit dem ET 6-6-R wird der Entwicklungsstand gemessen, sowohl als Breitband-Verfahren zur umfassenden Entwicklungsdiagnostik als auch in Form eines Screenings (Grenzsteine). Er kann bei normalentwickelten und entwicklungsauffälligen Kindern eingesetzt werden zur Identifikation von Entwicklungsdefiziten und Ressourcen oder zur Aufdeckung von Förderbedarf. Einsatzgebiete sind sozialpädiatrische Förderstellen, Frühförderstellen, Beratungsstellen und kinderärztliche Praxen.
 

Bewertung

Der ET 6-6-R ist eine Weiterentwicklung der ET 6-6. Er erfasst wie die Vorgängerversion verschiedene Entwicklungsbereiche im Kindesalter, ist überarbeitet und neu normiert. Hasselhorn und Margraf-Stiksrud (2015a, 2015b) kritisieren, dass trotz aktueller Normen die Teilstichproben weiterhin klein sind und dass der Test auf keiner expliziten theoretischen Grundlage basiert. Hegner (2015) bezweifelt die korrekte Zuordnung einiger Items zu den Skalen. Als Beispiel nennt sie die Sprachskala, die das Vorliegen von Dyslalien nicht erfasse, jedoch die Benennung von Farben und Kategorien, sowie die Skala Handmotorik, die die Händigkeit nicht erfasse.
Der Test kann als weitgehend objektiv gelten. Reliabilität und Validität sind eher mäßig einzuschätzen. Ihm wird eine relativ hohe Inhalts- und Augenscheinvalidität zugesprochen, "eine empirisch-kritische, formative Evaluation der Validität des Verfahrens fehlt" aber (Hasselhorn & Margraf-Stiksrud, 2015a, S. 209; 2015b, S. 164). Die Konstruktvalidität wurde lediglich aus den moderaten Skaleninterkorrelationen geschlossen. Für jeden Entwicklungsbereich fehlt ein eigenständiger Validitätsnachweis. Die Profilreliabilität sollte überprüft werden. Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass generell die Testung mit Kindern und damit die Ergebnisse störanfällig sind.
Trotz seiner umfangreichen Aufgabengestaltung kann mittels der als "Grenzsteine der Entwicklung" gekennzeichneten Items eine ökonomischere Durchführung erfolgen. Die Nutzung des ET 6-6-R als Screeninginstrument, die Möglichkeit, mehrere Entwicklungsbereiche differenziert zu erfassen, sowie die ausführlichen Durchführungs- und Auswertungshinweise sind als sehr positiv zu bewerten (Petermann, 2012, S. 89; Hegner, 2015, S. 179). Die Zumutbarkeit auf Seiten des Testleiters sollte durch den Umfang an Hilfsmaterial (z. B. Schulungsvideo, Begleit-DVD, Auswertungsprogramm, Beiheft "Durchführungshilfe") und die Motivation des Probanden durch das vielschichtige Aufgabenmaterial gewährleistet sein (Porster-Klein, 2015). Der Elternfragebogen liegt auch in türkischer Sprache vor. Er wurde in Zusammenarbeit mit einer Entwicklungspsychologin entwickelt, die Muttersprachlerin und eine ausgewiesene Expertin ist (Macha, o. J.). Somit profitieren auch türkische Kinder von der Testung, v. a. Kleinkinder mit mangelnden Deutschkenntnissen, was dem ET 6-6-R einen weiteren Pluspunkt verschafft.
 

Literatur

  • Binet, A. & Simon, T. (1905). Méthodes nouvelles pour le diagnostic du niveau intellectuel des anormaux. L'Année Psychologique, 11, 191-244.
  • Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M. H. (2005). Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien (5., durchgesehene und ergänzte Auflage). Bern: Huber.
  • Hasselhorn, M. & Margraf-Stiksrud, J. (2015a). TBS-TK-Rezension: ET 6-6-R Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren - Revision. Report Psychologie, 40 (4), 163-164.
  • Hasselhorn, M. & Margraf-Stiksrud, J. (2015). TBS-TK-Rezension: ET 6-6-R Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren - Revision. Psychologische Rundschau, 66 (3), 208-210.
  • Hegner, K. (2015). ET 6-6-R (Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren - Revision). Von Franz Petermann und Thorsten Macha (Tests und Screenings). Frühförderung interdisziplinär, 34 (3), 177-179.
  • Macha, T. (o. J.). Neue Zusatzmaterialien zum Entwicklungstest ET 6-6-R. Im Gespräch mit K. Barfknecht. Online im Internet, URL: http://www.pearsonassessment.de/blog/klinische-psychologie/grenzsteiposter (Stand 13.7.2016).
  • Macha, T. & Petermann, F. (2016). Fallbuch ET 6-6-R. Der Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren in der Praxis. Göttingen: Hogrefe.
  • Michaelis, R., Berger, R. & Nennstiel-Ratzel, U. (2013). Validierte und teilvalidierte Grenzsteine der Entwicklung. Ein Entwicklungsscreening für die ersten 6 Lebensjahre. Monatsschrift Kinderheilkunde, 161, 898-910.
  • Petermann, F. (2012). Revision des Entwicklungstests ET 6-6: Der ET 6-6-R. In F. Petermann (Hrsg.), Diagnostik, Klinische Psychologie, Rehabilitation. Forschungsbericht 2005-2012 (S. 85-90). Regensburg: Roderer.
  • Petermann, F. & Macha, T. (2013). ET 6-6-R. Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren - Revision. Frankfurt am Main: Pearson.
  • Petermann, F. & Stein, I. A. (2000). Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahre (ET 6-6). Frankfurt/M.: Swets.
  • Porster-Klein, H. (2015). ET 6-6-R. Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahre - Revision. F. Petermann, T. Macha (Medien und Materialien). Forum Logopädie, 28 (3), S. 63.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Macha, T. & Petermann, F. (2018). Entwicklungsdiagnostik. In D. B. Maehler, A. Shajek & H.-U. Brinkmann (Hrsg.), Diagnostik bei Migrantinnen und Migranten. Ein Handbuch (S. 57-94). Göttingen: Hogrefe. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0341576
  • Petermann, F. & Macha, T. (2015). ET 6-6-R. Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren - Revision (2., korrigierte Auflage). Frankfurt am Main: Pearson.
 

Rezensionen

  • Hasselhorn, M. & Margraf-Stiksrud, J. (2015). TBS-TK-Rezension: ET 6-6-R Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren - Revision. Psychologische Rundschau, 66 (3), 208-210.
  • Hasselhorn, M. & Margraf-Stiksrud, J. (2015). TBS-TK-Rezension: ET 6-6-R Entwicklungstest für Kinder von sechs Monaten bis sechs Jahren - Revision. Report Psychologie, 40 (4), 163-164.
  • Hegner, K. (2015). ET 6-6-R (Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren - Revision). Von Franz Petermann und Thorsten Macha (Tests und Screenings). Frühförderung interdisziplinär, 34 (3), 177-179.
  • Lasogga, R. (2019). Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahren - Revision (ET 6-6-R). Franz Petermann & Thorsten Macha. Frankfurt am Main: Pearson Assessment & Information GmbH, 2013. In D. Schellig, D. Heinemann, B. Schächtele & W. Sturm (Hrsg.), Handbuch neuropsychologischer Testverfahren. Band 3 (S. 369-376). Göttingen: Hogrefe.
  • Porster-Klein, H. (2015). ET 6-6-R. Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahre - Revision. F. Petermann, T. Macha (Medien und Materialien). Forum Logopädie, 28 (3), S. 63.
 
 Gülay Karadere (17.06.2016)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Computerized Assessment; Forced Choice (Testing Method); Observation Methods; Questionnaires; Rating Scales; Auditory Stimulation; Pictorial Stimuli; Subtests; Test Norms; Developmental Measures; Developmental Psychology; Birth Injuries; Early Childhood Development; Early Intervention; Infant Development

Klassische Testtheorie; Computergestützte Messung; Zwangswahl (Test); Beobachtungsmethoden; Fragebögen; Rating-Skalen; Auditive Stimulation; Bild-Stimuli; Untertests; Testnormen; Entwicklungstests; Entwicklungspsychologie; Geburtsschäden; Entwicklung in der frühen Kindheit; Frühförderung; Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter

 weitere Schlagworte:

2000 (ET 6-6); 2013 (ET 6-6-R); 2015 (2., korrigierte Auflage); Frühchen; Kleinkinder; Säuglinge; Vorschulkinder; Entwicklungsdefizite; Individuelle Stärken; Normale Entwicklung; ab 6 Monate; bis 6 Jahre; 245 Items (166 Testaufgaben, 79 Elternfragen); Entwicklungsbereiche: 1 Körpermotorik, 2 Handmotorik, 3 Kognitive Entwicklung, 4 Sprachentwicklung, 5 Sozial-emotionale Entwicklung; Untertest: Nachzeichnen; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2012; Stichprobe(n): 1053
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung; Psychosoziale Entwicklung und Persönlichkeitsentwicklung; Entwicklungsstörungen und Autismus
Allgemeine Entwicklungstests; Sonstige Entwicklungstests
1.2; 1.99
 Anwendungstyp: Remedial Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: Turkish
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2013
 Änderungsdatum: 201607
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