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Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version II

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006481
 

BUEVA-II - Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version II (PSYNDEX Tests Review)

 

Diagnostics for Defined Developmental Disabilities of Preschool Age Children - Version II/zpid

 Esser, G. & Wyschkon, A.
 (2012). BUEVA-II. Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version II [Testkoffer mit Manual, 10 Testheften, Bildmappe UT 1 Nonverbale Intelligenz, 10 Testbögen UT 3 Visuomotorik, Schablonensatz UT 3, Bildmappe UT 4 Artikulation, Bildmappe UT 5 Expressive Sprache, 10 Testbögen UT 6 Aufmerksamkeit]. Göttingen: Hogrefe.

 Bezugsquelle: Hogrefe, Göttingen (vergriffen).
Anmerkung: 2016 erschien eine Version BUEVA-III (Esser & Wyschkon, 2016; PSYNDEX Tests-Nr. 9007169).

 Adresse(n): o Prof. Dr. Günter Esser, Psychotherapiepraxis für Kinder, Jugendliche und Eltern, Friedrich-Ebert-Straße 112, D-14467 Potsdam ; E-Mail: info@api-potsdam.de ; URL: http://www.psychotherapiepraxis-prof-esser.de/team/esser/ ; Stand: 2.5.2018
o Dr. Anne Wyschkon, Universität Potsdam, Department Psychologie, Karl-Liebknecht-Straße 24-25, D-14476 Potsdam, OT Golm ; E-Mail: awysch@uni-potsdam.de ; URL: https://www.uni-potsdam.de/en/clinical-psychology/team/former-staff-scientists/anne-wyschkon.html ; Stand: 24.6.2019
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Primäres Ziel der BUEVA-II ist die ökonomische Erfassung Umschriebener Entwicklungsstörungen (UES) im Vorschulalter. Dabei werden gemäß den Kriterien der ICD-10 folgende Entwicklungsstörungen berücksichtigt: (a) Artikulationsstörungen, (b) expressive Sprachstörungen, (c) rezeptive Sprachstörungen und (d) Umschriebene Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen. Eine valide und reliable Diagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen noch vor Schulbeginn soll zu einer möglichst frühzeitigen Einleitung entsprechender Fördermaßnahmen beitragen.


Aufbau:
Die BUEVA-II wurde wie bereits ihre Vorgängerversion BUEVA als Testbatterie konzipiert, in der unterschiedliche Verfahren zur Erfassung verschiedener, relevanter Entwicklungsbereiche eingesetzt werden. Diese umfassen fünf obligatorische und zwei optionale Bereiche: Nonverbale und Verbale Intelligenz, Expressive Sprache, Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis sowie Visuomotorik und Artikulation (beide optional).


Grundlagen und Konstruktion:
Die aktuell vorliegende BUEVA-II basiert in ihrer Konzeption auf der BUEVA. Im Zuge der Überarbeitung wurden u.a. die durch das Verfahren erfassten Konstrukte um den Bereich der verbalen Intelligenz erweitert, die Untertests zur Erfassung der expressiven Sprache und des Arbeitsgedächtnisses erneuert und die Itemanzahl des Untertests zur Erfassung der nonverbalen Intelligenz reduziert. Die Itemschwierigkeiten des Verfahrens liegen durchweg im unteren bis mittleren Bereich. Dementsprechend differenziert es hauptsächlich im unteren, nicht aber im überdurchschnittlichen Leistungsbereich.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Zur Überprüfung der Reliabilität wurden für alle Untertests (Ausnahme: Aufmerksamkeit) interne Konsistenzen in Form von Cronbachs Alpha, 68%- und 95%-Vertrauensintervalle sowie kritische Differenzen berechnet. Dabei liegen die internen Konsistenzen im unteren Bereich zwischen Alpha = .60 (Visuomotorik) und Alpha = .65 (Artikulation) sowie im oberen Bereich zwischen Alpha = .86 (Verbale Intelligenz) und Alpha = .90 (Nonverbale Intelligenz).
Validität: Es liegen Untersuchungen zur Überprüfung der Konstrukt-, Kriteriums- und prognostischen Validität vor, deren Ergebnisse größtenteils für die Validität des Verfahrens sprechen. Lediglich die Validierung am Erzieherurteil konnte die a priori erwarteten Zusammenhänge nicht bestätigen.
Normen: Die Normierungsstichprobe umfasst N = 1157 Kindergartenkinder zwischen 4;0 und 6;5 Jahren. Die Stichprobe ist repräsentativ im Hinblick auf die Geschlechterverteilung, den Wohnort der Kinder und den sozioökonomischen Status der Eltern (gemessen an der aktuellen beruflichen Tätigkeit). Berechnet wurden altersspezifische Normwerte (T-Werte), wobei die Altersgruppen in Halbjahresschritte eingeteilt wurden.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Aufgrund der relativ hohen Stabilität, der zentralen Bedeutung für spätere Schulleistungen und der meist negativen psychosozialen Folgen bilden Umschriebene Entwicklungsstörungen (UES) - auch als Teilleistungsstörungen bezeichnet - ein ernst zu nehmendes Risiko für den Entwicklungsverlauf betroffener Kinder und Jugendlicher. Hierunter fallen gemäß den Kriterien der ICD-10 (Weltgesundheitsorganisation, Dilling, Mombour & Schmidt, 1991) u.a. (a) Artikulationsstörungen, (b) expressive Sprachstörungen, (c) rezeptive Sprachstörungen und (d) Umschriebene Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen, wobei insbesondere die Sprachstörungen mit einer eindeutig negativen Prognose verbunden sind (Suchodoletz, 2004, 2008; Suchodoletz & Keiner, 1998). So sind gerade Sprachstörungen, die bis zum Zeitpunkt der Einschulung bestehen, mit einer besonders hohen Persistenzrate und einem deutlich erhöhten Risiko für das Auftreten psychischer Auffälligkeiten verbunden (Beitchman et al., 2001; Esser & Wyschkon, 2012, S. 13 f.). Wenngleich auch Umschriebene Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen tendenziell langfristig bestehen bleiben (Bode, 2004) und mit vermehrten emotionalen Problemen im Jugendalter verbunden sind, scheinen sie dennoch nicht bedeutsam mit der Entwicklung von Schulleistungsstörungen zusammenzuhängen (Esser & Wyschkon, 2012, S. 14).
Dementsprechend wichtig erscheint eine frühzeitige, valide und reliable Diagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen. Mit ihrer Hilfe können entsprechende Fördermaßnahmen bereits vor dem kritischen Zeitpunkt der Einschulung (bspw. im Rahmen von Schuleingangsuntersuchungen) eingeleitet und potenzielle negative Folgen verhindert oder zumindest abgeschwächt werden.
 

Testaufbau

Die Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version II (BUEVA-II; Esser & Wyschkon, 2012) wurde ebenso wie ihre Vorgängerversion BUEVA (Esser, 2002) - als Testbatterie zur Erfassung Umschriebener Entwicklungsstörungen (UES) im Vorschulalter konzipiert. Dabei sollen die Testergebnisse Aufschluss darüber geben, ob ein Kind im Vergleich zu Gleichaltrigen altersangemessene oder unterdurchschnittliche Leistungen erbringt. Hierzu werden fünf obligatorische und zwei optionale Entwicklungsbereiche berücksichtigt. Tabelle 1 gibt einen Überblick zu den erfassten Konstrukten, zu den verwendeten Verfahren und eine kurze Beschreibung der entsprechenden Untertests.

Tabelle 1
Durch BUEVA-II erfasste Konstrukte, dazu eingesetzte Verfahren und Beschreibung der jeweiligen Untertests (Esser & Wyschkon, 2012, S. 8 ff.)
---------------------------------------------------------------------- 
Konstrukt Verfahren Beschreibung der Untertests
----------------------------------------------------------------------
NI CMM Aus einer Reihe von Objekten soll dasjenige
ausgewählt werden, das nicht zu den
anderen passt (34 Items)
----------------------------------------------------------------------
VI P-ITPA Analogien:
Beenden eines Satzes durch korrektes Bilden
von Analogien (19 Items)
----------------------------------------------------------------------
(VM) (FEW) Innerhalb eines immer enger werdenden bzw.
gar nicht vorhandenen Rahmens sollen gerade
bzw. gebogene Linien gezeichnet werden
(9 Items)
----------------------------------------------------------------------
(ATK) (MT) Benennen eines Objektes unter Verwendung
korrekt artikulierter Laute (je 10 Items
für Vier- und Fünf- bis Sechsjährige)
----------------------------------------------------------------------
ES P-ITPA Grammatik:
Grammatikalisch korrekte Vervollständigung
eines Satzes (18 Items)
----------------------------------------------------------------------
AK FTF-K Aus einer Ansammlung von Äpfeln und Birnen
sollen so viele Birnen wie möglich durch-
gestrichen werden (Zeitvorgabe)
----------------------------------------------------------------------
AG P-ITPA Sätze Nachsprechen:
Semantisch inkorrekte Sätze sollen wort-
wörtlich nachgesprochen werden (16 Items)
----------------------------------------------------------------------
Anmerkungen. NI = nonverbale Intelligenz, VI = verbale Intelligenz, VM = Visuomotorik, ATK = Artikulation, ES = expressive Sprache, AK = Aufmerksamkeit, AG = Arbeitsgedächtnis; CMM = modifizierte Form der Columbia Mental Maturity Scale (Eggert, 1972), P-ITPA = Potsdam-Illinois Test für Psycholinguistische Fähigkeiten (Esser & Wyschkon, 2010), FEW = Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung (Lockowandt, 1976), MT = Möhring-Test - Kurzform (Möhring, 1938), FTF-K = modifizierte Form des Frankfurter Tests für Fünfjährige - Konzentration (Raatz & Möhling, 1971); optionale Untertests in Klammern.
 

Auswertungsmodus

Zunächst werden die in den einzelnen Untertests erzielten Rohwerte aufsummiert und zusammen mit den jeweils zugehörigen Normwerten im Testheft eingetragen. Für den Untertest Aufmerksamkeit ist zudem der kritische Wert für Verwechslungsfehler einzutragen. Erreicht oder überschreitet ein Kind diesen Wert, gehört es bezogen auf die Arbeitsgenauigkeit zu den schwächsten 10 Prozent seiner Altersstufe. Anschließend werden die T-Werte der Untertests zur Erfassung der verbalen und nonverbalen Intelligenz sowie zur Erfassung der verbalen und nonverbalen Intelligenz, der expressiven Sprache, Aufmerksamkeit sowie des Arbeitsgedächtnisses addiert und in Normwerte transformiert. Auf diese Weise erhält man die beiden Indizes "Gesamtintelligenz" und "Gesamtwert BUEVA-II". Dabei ist zu beachten, dass die beiden Untertests zur Erfassung der Visuomotorik und Artikulation aufgrund ihrer geringen Reliabilität nicht in den Gesamtwert BUEVA-II eingehen.
Die Normwerte und kritischen Werte sind den altersspezifischen Tabellen im Anhang des Manuals zu entnehmen.
 

Auswertungshilfen

Als Auswertungshilfen dienen in erster Linie die im Testkoffer enthaltenen Auswertungsschablonen; aber auch die im Manual abgedruckten Auswertungsrichtlinien zur Beurteilung der einzelnen Untertests erleichtern die korrekte Bewertung und Interpretation der Testergebnisse. Weiterhin soll ein Abfrageschema sowohl die Diagnosestellung als auch die Planung des weiteren Vorgehens unterstützen.
 

Auswertungszeit

Zur Auswertungszeit werden keine genauen Angaben gemacht. Da die Auswertung jedoch relativ einfach durchzuführen ist, sollte sie nur wenig Zeit in Anspruch nehmen.
 

Itembeispiele

Da in Tabelle 1 bereits auf die Beschreibung der einzelnen Untertests eingegangen wurde und zudem die Darstellung der visuellen Items nicht möglich ist, werden im Folgenden lediglich die Instruktionen zu einigen Beispielitems wiedergegeben.
- Verbale Intelligenz (Analogien): "Jetzt machen wir es so: Ich fange den Satz an und du sagst ihn zu Ende. Hör gut zu! Ein Riese ist groß, ein Zwerg ist ... "
- Expressive Sprache (P-ITPA: Grammatik): "... Ich fange den Satz an und du sagst ihn zu Ende. Die Bilder, die ich dir zeige, sollen dir dabei helfen. Wichtig ist, dass du besonders deutlich sprichst. Pass auf! Das ist eine Katze, das sind zwei ... [Katzen]."
- Arbeitsgedächtnis (P-ITPA: Sätze Nachsprechen): "Ich spreche dir nun Sätze vor. Du sollst sie ganz genau so wiederholen, wie ich sie gesagt habe, auch wenn in dem Satz Quatsch erzählt wird. Zum Beispiel: Wenn ich sage: 'Hunde spielen Fußball', dann sagst du ... "
 

Durchführung

 

Testformen

Die BUEVA-II wird als Individualtest zur Diagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen bei Kindern im Vorschulalter durchgeführt. Die vorliegende Version des Verfahrens stellt die aktuelle, modifizierte und neu normierte Version ihres Vorgängers BUEVA dar. Einige der Untertests unterscheiden sich in ihrer Länge und Komplexität für die verschiedenen Altersgruppen (Vierjährige vs. Fünf- bis Sechsjährige).
 

Altersbereiche

Das Verfahren kann bei Kindern im Alter von 4;0 bis 6;5 Jahren eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Die Durchführungszeit variiert in Abhängigkeit der Altersgruppe und Anzahl der Untertests zwischen ca. 20 und 35 Minuten. Dabei sind zur Durchführung der optionalen Untertests etwa 10 Minuten zu veranschlagen.
 

Material

Das Testmaterial ist vollständig im Testkoffer enthalten. Es umfasst ein Manual, zwei Schablonen zur Auswertung des Untertests "Visuomotorik", 10 Testhefte sowie jeweils 10 Testbögen zur Durchführung der Untertests "Visuomotorik" und "Aufmerksamkeit" und jeweils eine Bildmappe zur Durchführung der Untertests "Nonverbale Intelligenz", "Artikulation" und "Expressive Sprache". Dabei stellen die Testhefte und -bögen Verbrauchsmaterial dar und können bei entsprechendem Bedarf nachbestellt werden.
Neben dem Testmaterial werden ein Kugelschreiber für den Testleiter und nach Möglichkeit ein Fineliner und ein dünner Filzstift für das Kind sowie eine Uhr mit Stoppuhrfunktion benötigt.
 

Instruktion

Die Instruktionen sind standardisiert und werden wortwörtlich aus dem Manual vorgelesen. Vor der eigentlichen Durchführung der Testaufgaben können die Kinder das Aufgabenkonzept anhand von Beispielaufgaben üben und verinnerlichen. Während diese noch vom Testleiter erläutert werden dürfen, ist dies bei den Testaufgaben nicht mehr erlaubt.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Vor der eigentlichen Testdurchführung sollte sich der Testleiter hinreichend mit dem Testmaterial und den einzelnen Durchführungsspezifika vertraut machen. Dabei ist insbesondere auf die für die einzelnen Altersgruppen z.T. verschiedenen Start- und Abbruchkriterien und die korrekte Intonation der Sätze im Untertest zur Erfassung des Arbeitsgedächtnisses zu achten. Des Weiteren sollte die Testdurchführung in einem Raum mit möglichst geringem Störpotenzial und im Idealfall durch eine dem Kind bekannte Person stattfinden.
 

Testkonstruktion

Mit der BUEVA-II (Esser & Wyschkon, 2012) liegt eine aktuelle und neu normierte Überarbeitung der BUEVA (Esser, 2002) vor, deren primäres Ziel in der ökonomischen Erfassung Umschriebener Entwicklungsstörungen (UES) im Vorschulalter besteht. Im Zuge der Überarbeitung wurden u.a. die durch das Verfahren erfassten Konstrukte um den Bereich der verbalen Intelligenz erweitert, die Untertests zur Erfassung der expressiven Sprache und des Arbeitsgedächtnisses erneuert, die Itemanzahl des Untertests zur Erfassung der nonverbalen Intelligenz reduziert, der Untertest zur Erfassung der Visuomotorik gekürzt und die entsprechenden Auswertungsschablonen und -richtlinien verbessert.
Da insbesondere sehr junge Kinder über eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne verfügen und das Verfahren keine Aussagen zu besonderen Begabungen liefern soll, bestand ein zentraler Anspruch der Testkonstruktion darin, lediglich leichte bis mittelschwere Items auszuwählen. Dementsprechend wurden in einer Pilotstudie an 55 Potsdamer Kindergartenkindern im Alter zwischen 39 und 73 Monaten Aufgabenanalysen durchgeführt, ungeeignete Items entfernt und die Aufgaben gemäß ihrer Itemschwierigkeiten angeordnet. Aufgrund der für die Altersgruppen z.T. verschiedenen Itemsets sowie spezifischer Abbruchkriterien wurde dabei darauf geachtet, die Itemschwierigkeiten der Untertests zur Erfassung der nonverbalen und verbalen Intelligenz, expressiven Sprache sowie des Arbeitsgedächtnisses kontinuierlich ansteigen zu lassen.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Sowohl die standardisierten Instruktionen als auch die zahlreichen Hinweise zur korrekten Durchführung und Auswertung der einzelnen Untertests gewährleisten die Durchführungs- und Auswertungsobjektivität des Verfahrens. Lediglich beim Untertest zur Erfassung der Artikulation können aufgrund individueller Toleranzunterschiede des Testleiters für Unschärfen in der Artikulation Unterschiede bei der Auswertung auftreten. Die Interpretationsobjektivität des Verfahrens wiederum wird durch die altersspezifischen Normen gesichert.
 

Reliabilität

Zur Überprüfung der Reliabilität wurden für alle Untertests interne Konsistenzen in Form von Cronbachs Alpha berechnet. Lediglich für den Untertest zur Erfassung der Aufmerksamkeit wurde aufgrund seines Charakters als Speed-Test keine interne Konsistenz bestimmt. Die Kennwerte der übrigen Untertests lagen für die drei Altersgruppen im unteren Bereich zwischen Alpha = .60 (Visuomotorik) und Alpha = .65 (Artikulation), im oberen Bereich zwischen Alpha = .86 (verbale Intelligenz) und Alpha = .90 (nonverbale Intelligenz).
Darüber hinaus wurden für die einzelnen Untertests 68%- und 95%-Vertrauensintervalle und kritische Differenzen zur Beurteilung von Unterschieden berechnet.
 

Validität

Konstruktvalidität:
Für die Konstruktvalidität des Verfahrens sprechen (a) erwartungskonforme Interkorrelationen der einzelnen Untertests (n = 1152), (b) Untersuchungen zum Einfluss des sozioökonomischen Status der Eltern (operationalisiert über den elterlichen Bildungsabschluss und das Qualifikationsniveau des elterlichen Berufs) und des Wohngebiets der Kinder und (c) die Prävalenz relevanter Diagnosen in der Normstichprobe (Minderbegabung, Umschriebene Entwicklungsstörung der Visuomotorik, Artikulationsstörung, Expressive Sprachstörung, Aufmerksamkeitsstörung).
So waren Kinder von Eltern mit hohem solchen mit niedrigem sozioökonomischen Status in fast allen Untertests überlegen. Dies galt vor allem für diejenigen Untertests, die in irgendeiner Art und Weise sprachliche Leistungen erforderten (verbale Intelligenz, Gesamtintelligenz, expressive Sprache, Arbeitsgedächtnis und BUEVA-II-Gesamtwert). Weiterhin erzielten auch Kinder aus städtischen und randstädtischen Wohngebieten in genau diesen Untertests bessere Leistungen als Kinder aus ländlichen Wohngebieten.
Während die Raten der in der Normstichprobe diagnostizierten Umschriebene Entwicklungsstörungen der Visuomotorik und der expressiven Sprache den Erwartungen entsprachen, konnten vergleichsweise wenig Artikulationsstörungen festgestellt werden. Erwartungskonform wurden die relevanten Diagnosen häufiger bei Jungen als bei Mädchen festgestellt.
Kriteriumsvalidität:
Zur Überprüfung der Kriteriumsvalidität wurden Korrelationen zwischen den Untertests der BUEVA-II und dem P-ITPA, der BUEVA (n = 1152) und mithilfe des Potsdamer Erzieherfragebogens (PEF; Esser & Wyschkon, 2000) erfasste Beurteilungen des kindlichen Entwicklungsstandes (n = 679) berechnet. Während die bzgl. der P-ITPA- und BUEVA-Untertests a priori erwarteten Zusammenhänge größtenteils bestätigt werden konnten, traf dies bzgl. der Erzieherurteile nur teilweise zu. Letztere fielen zudem überraschenderweise relativ gering aus.
Prognostische Validität:
Im Hinblick auf die primäre Zielsetzung der BUEVA-II nimmt die prognostische Validität im Vergleich zur Konstrukt- und Kriteriumsvalidität eine herausragende Stellung ein. So "muss das wichtigste Kriterium zur Feststellung ihrer Validität die Güte der Vorhersage späterer Schulleistungsprobleme sein" (Esser & Wyschkon, 2012, S. 60). Hierzu wurden zwischen 2007 und 2009 n = 932 Kinder der Normstichprobe nach durchschnittlich 32.52 Monaten (SD = 6.67) mithilfe der Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Grundschulalter (BUEGA; Esser, Wyschkon & Ballaschk, 2008) erneut untersucht. Die Kinder waren zu diesem Zeitpunkt im Mittel 95 Monate alt (SD = 8.54) und besuchten die Klassenstufe 2 (n = 754), 3 (n = 152), 4 (n = 24) und 5 (n = 2).
Untersucht wurde (a) inwieweit die Leistungen des Vorschul- mit jenen des Grundschulalters zusammenhingen, (b) wie gut schwache Schulleistungen, Lese-, Rechtschreib- und Rechenprobleme sowie Aufmerksamkeitsstörungen im Grundschulalter durch die BUEVA-II-Testergebnisse vorhergesagt werden konnten und (c) ob und in welchem Ausmaß sich Kinder mit regulärem von solchen mit irregulärem Schulverlauf im Hinblick auf die BUEVA-II-Ergebnisse unterschieden.
Dabei zeigte sich, dass zumindest die allgemeine Entwicklung im Grundschulalter (Schulleistungspotenzial und Schulverlauf) gut aufgrund der Testergebnisse vorhergesagt werden kann. Eine differenzierte Prognose schwacher Leistungen im Lesen, Rechtschreiben, Rechnen und der Konzentration ist damit jedoch nicht möglich (Esser & Wyschkon, 2012, S. 69).
 

Normierung

Die Normierungsstichprobe umfasst N = 1157 Kindergartenkinder (n = 592 Jungen und n = 565 Mädchen) zwischen 4;0 und 6;5 Jahren, deren Durchschnittsalter bei 61.17 (SD = 7.76) Monaten lag. Die Datenerhebung fand im Zusammenhang mit der Normierung des Potsdam Illinois Test für Psycholinguistische Fähigkeiten (P-ITPA; Esser & Wyschkon, 2010) zwischen 2005 und 2006 in Potsdam und dessen Umgebung statt.
Die Stichprobe ist repräsentativ im Hinblick auf die Geschlechterverteilung, den Wohnort der Kinder und den sozioökonomischen Status der Eltern (gemessen an der aktuellen beruflichen Tätigkeit). Da sich hierbei jedoch Abweichungen der Stichprobenverteilung von gewählten Vergleichsmaßen ergaben, wurde eine sog. Redressmentgewichtung (Rösch, 1994) durchgeführt. Auf diese Weise konnte die Normstichprobe auch noch im Nachhinein an externe Strukturen angepasst werden, ohne deren Umfang reduzieren zu müssen (Esser & Wyschkon, 2012).
Es liegen altersspezifische Normwerte in Form von T-Werten für die einzelnen Untertests, die Gesamtintelligenz und den Gesamtwert BUEVA-II vor. Dabei wurden die Altersgruppen in Halbjahresschritte eingeteilt. Da die Aufgaben nicht zur Diagnostik überdurchschnittlicher Leistungen dienen sollten, wurde der maximale T-Wert auf 60 festgesetzt; lediglich für den Gesamtwert BUEVA-II wurde ein maximaler T-Wert in Höhe von 70 zugelassen.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Als Instrument zur frühzeitigen Identifikation Umschriebener Entwicklungsstörungen eignet sich die BUEVA-II insbesondere für den Einsatz im Rahmen von Schuleingangsuntersuchungen. Da die Testbatterie jedoch vor allem im unteren Leistungsbereich differenziert, ist sie zur Diagnostik besonderer Begabung ausdrücklich nicht geeignet (Esser & Wyschkon, 2012, S. 25).
 

Bewertung

Mit der BUEVA-II liegt eine aktuelle und neu normierte Überarbeitung der BUEVA zur ökonomischen Erfassung Umschriebener Entwicklungsstörungen (UES) vor. Dabei erlaubt es die Konzeption als Testbatterie so unterschiedliche Bereiche wie die nonverbale und verbale Intelligenz, expressive Sprache, Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis sowie optional auch die Visuomotorik und Artikulation standardisiert zu erfassen. Die Aufgabentypen der einzelnen Untertests wurden abwechslungsreich gestaltet und in ihrer Durchführungsreihenfolge (vom Leichten zum Schweren) sinnvoll aufgebaut. Zusammen mit der für Vorschulkinder angemessenen Durchführungsdauer ist ein positiver Einfluss dieser Aspekte auf die kindliche Motivation und Aufmerksamkeit zu vermuten (Fröhlich, 2012).
Die Gütekriterien des Verfahrens können insgesamt als knapp zufriedenstellend beurteilt werden. Das gut strukturierte Manual enthält zahlreiche Erläuterungen und Fallbeispiele zur korrekten Auswertung und Interpretation der einzelnen Untertests. Neben den symbolhaften Darstellungen der im Einzelnen zu beachtenden Start- und Abbruchkriterien im Testheft, den Auswertungsschablonen und dem Abfrageschema gewährleistet dies eine hohe Objektivität des Verfahrens. Allerdings hätte die Abgrenzung der altersgruppenspezifischen Testitems in den Bildmappen besser (bspw. durch seitlich hervorstehende Registermarken) umgesetzt werden können. Während die internen Konsistenzen für die obligatorischen Untertests als gut bis sehr gut zu beurteilen sind, liegen sie für die optionalen Untertests eher im unteren Bereich. Da diese Untertests jedoch nicht in die Berechnung des Gesamtwertes BUEVA-II eingehen, sollten sich dadurch keine negativen Konsequenzen für die Beurteilung der Testergebnisse ergeben. Aufgrund der über Testprofile stattfindenden Ergebnisinterpretation ist zwar die Berechnung kritischer Differenzen prinzipiell positiv zu bewerten; allerdings wären an dieser Stelle zudem Profilreliabilitäten angemessen gewesen.
Die umfangreichen Validierungsstudien sprechen insgesamt für die Validität des Verfahrens. Die im Hinblick auf die prognostische Validität eher undifferenzierte Vorhersage schwacher Leistungen im Lesen, Rechtschreiben, Rechnen und der Konzentration ist angesichts der Kürze des Verfahrens durchaus akzeptabel (Esser & Wyschkon, 2012, S. 69). Immerhin werden die genannten Konstrukte (mit Ausnahme der Konzentration bzw. Aufmerksamkeit) nicht spezifisch oder nur im Hinblick auf entsprechende Vorläuferfähigkeiten erfasst (Fröhlich, 2012). Hingegen sind die Ergebnisse der am Erzieherurteil vorgenommenen Validierung schwierig zu interpretieren. Da es an weiteren geeigneten Außenkriterien fehlt, bleibt unklar, ob die beobachteten niedrigen Zusammenhänge eher auf die mangelnde Validität des Verfahrens oder vielmehr auf die Unzulänglichkeit des Kriteriums zur Beurteilung kindlicher Teilleistungen zurückzuführen ist (Esser & Wyschkon, 2012, S. 49).
 

Literatur

  • Beitchman, J.H., Wilson, B., Johnson, C.J., Atkinson, L., Young, A., Adlaf, E., Escobar, M. & Douglas, L. (2001). Fourteen-year follow-up of speech/language-impaired and control children: Psychiatric outcome. Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry, 40, 75-82.
  • Bode, H. (2004). Wie entwickeln sich Kinder mit motorischen Störungen? In W.v. Suchodoletz (Hrsg.), Welche Chance haben Kinder mit Entwicklungsstörungen? (S. 63-81). Göttingen: Hogrefe.
  • Eggert, D. (1972). Die Columbia Mental Maturity Scale als Individualtest für normalentwickelte Kinder im Alter von 3-10 Jahren. In D. Eggert (Hrsg.), Zur Diagnose der Minderbegabung: Ein Handbuch und Textbuch zur Testbatterie für geistig behinderte Kinder (TBGB) (S. 185-201). Weinheim: Beltz.
  • Esser, G. (2002). Basisdiagnostik für umschriebene Entwicklungsstörungen im Vorschulalter (BUEVA). Göttingen: Beltz.
  • Esser, G. & Wyschkon, A. (2000). Potsdamer Erzieherfragebogen (PEF). Potsdam: unveröffentlicht.
  • Esser, G. & Wyschkon, A. (2010). Potsdam-Illinois Test für Psycholinguistische Fähigkeiten (P-ITPA): Deutsche Fassung des Illinois Test of Psycholinguistic Abilities, Third Edition (ITPA-3). Göttingen: Hogrefe.
  • Esser, G. & Wyschkon, A. (2012). BUEVA-II. Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version II. Göttingen: Hogrefe.
  • Esser, G., Wyschkon, A. & Ballaschk, K. (2008). Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Grundschulalter (BUEGA). Göttingen: Hogrefe.
  • Fröhlich, L.P. (2012). Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version II (BUEVA-II) [Testbesprechung]. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 61 (10), 794-799.
  • Lockowandt, O. (1976). Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung (FEW) (2., überarbeitete Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Möhring, H. (1938). Lautbildungsschwierigkeit im Deutschen. Eine phonetisch-pädagogische Untersuchung als Beitrag zur Fibelfrage vom Standpunkt des Heilpädagogen auf Grund statistischer Erhebungen an 2102 stammelnden Schulkindern im deutschen Sprachgebiet. Zeitschrift für Kinderforschung, 47, 185-235.
  • Raatz, U. & Möhling, R. (1971). Frankfurter Test für Fünfjährige - Konzentration (FTF-K). Weinheim: Beltz.
  • Rösch, G. (1994). Kriterien der Gewichtung einer nationalen Bevölkerungsstichprobe. In S. Gabler, J.H.P. Hoffmeyer-Zlotnik & D. Krebs (Hrsg.), Gewichtung in der Umfragepraxis (S. 8-26). Opladen: Westdeutscher Verlag.
  • Suchodoletz, W.v. (2004). Zur Prognose von Kindern mit umschriebenen Sprachentwicklungsstörungen. In W.v. Suchodoletz (Hrsg.), Welche Chance haben Kinder mit Entwicklungsstörungen? (S. 155-199). Göttingen: Hogrefe.
  • Suchodoletz, W.v. (2008). Sprech- und Sprachstörungen. In F. Petermann (Hrsg.), Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie (6., vollständig überarbeitete Auflage, S. 223-237). Göttingen: Hogrefe.
  • Suchodoletz, W.v. & Keiner, T. (1998). Psychiatrische Aspekte bei sprachgestörten Kindern. Pädiatrische Praxis: Zeitschrift für Kinder- und Jugendmedizin in Klinik und Praxis, 54, 395-402.
  • Weltgesundheitsorganisation, Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt, M.H. (Hrsg.). (1991). Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F) Klinisch-diagnostische Leitlinien. Bern: Huber.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Esser, G. & Wyschkon, A. (2016). BUEVA-III. Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version III. Göttingen: Hogrefe.
 

Rezensionen

  • Fröhlich, L.P. (2012). Esser, G., Wyschkon, A. (2012). Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version II (BUEVA-II) [Neuere Testverfahren]. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 61 (10), 794-799.
  • Petermann, F. (2012). Esser, G. & Wyschkon, A. (2012). Basisdiagnostik umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version II (BUEVA-II). Göttingen: Hogrefe. Test komplett Euro 358,- (Klinische Untersuchungsverfahren). Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 41 (3), 220-221.
 
 Jennifer Schroth (23.07.2013)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Screening Tests; Test Norms; Pictorial Stimuli; Developmental Measures; Performance Tests; Developmental Psychology; Educational Psychology; Cognitive Development; Intelligence; Memory; Concentration; Articulation (Speech); Learning Disorders; Early Intervention; Remedial Education

Klassische Testtheorie; Screening Tests; Testnormen; Bild-Stimuli; Entwicklungstests; Leistungstests; Entwicklungspsychologie; Pädagogische Psychologie; Kognitive Entwicklung; Intelligenz; Gedächtnis; Konzentration; Artikulation; Lernstörungen; Frühförderung; Förderunterricht

 weitere Schlagworte:

1980 (vorläufige Testbatterie); 2002 (BUEVA); 2012 (BUEVA-II); 2016 (BUEVA-III); Umschriebene Entwicklungsstörungen (UES); Index "Gesamtintelligenz"; Index "Gesamtwert BUEVA-II"; Vorläuferfertigkeiten; Visuomotorik; 72 Items (Vierjährige); 106 Items (Fünf- und Sechsjährige); ab 4;0 Jahre; bis 6;5 Jahre; Subtests: 1 Nonverbale Intelligenz, 2 Verbale Intelligenz, 3 Visuomotorik, 4 Artikulation, 5 Expressive Sprache, 6 Aufmerksamkeit, 7 Arbeitsgedächtnis; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2006; Stichprobe(n): 1157
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Kognitive Prozesse; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung; Lernstörungen
Spezielle Tests zur kognitiven Entwicklung; Sonstige Leistungs-, Fähigkeits- oder Eignungstests
1.5; 4.99
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis, Remedial Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test out of Print (90; 912)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2012
 Änderungsdatum: 201703
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