0001info@leibniz-psychology.org | © 1996-2019 ZPID

 

 



 Vollansicht des PSYNDEX Tests-Dokuments:
Fragebogen zur Erfassung kognitiver Prozesse bei 4- bis 6-jährigen Kindern

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006448
 

KOPKI 4-6 - Fragebogen zur Erfassung kognitiver Prozesse bei 4- bis 6-jährigen Kindern (PSYNDEX Tests Review)

 

Questionnaire on Cognitive Processing in Children aged 4 to 6 years/author
Synonym(e): Eltern-Fragebogen zur Erfassung kognitiver Prozesse von 4- bis 6-jährigen Kindern; Fragebogen zu kognitiven Prozessen bei 4- bis 6-jährigen Kindern

 Gleißner, U., Krause, M.P. & Reuner, G.
 (2011). KOPKI 4-6. Fragebogen zur Erfassung kognitiver Prozesse bei 4- bis 6-jährigen Kindern [Manual, 25 Fragebögen, 2 Auswertungsschablonen]. Frankfurt am Main: Pearson.

Preis: Euro 92,50 (Test komplett zzgl. 7 % UST exkl. Versandkosten; Stand: 14.5.2019)

 Bezugsquelle: Pearson Deutschland GmbH, Kaiserstraße 44, D-60329 Frankfurt/M. ; E-Mail: info.de@pearson.com ; URL: https://www.pearsonclinical.de ; Stand: 1.5.2019.

 Adresse(n): o PD Dr. Ulrike Gleißner, LVR-Klinik Bonn, Kaiser-Karl-Ring 20, D-53111 Bonn ; E-Mail: ulrike.gleissner@lvr.de ; URL: https://klinik-bonn.lvr.de/de/nav_main/fachgebiete/kinderneurologie/berufsgruppen/psychologie/psychologie_und_psychotherapie.html# ; Stand: 14.5.2019
o Dr. Matthias Paul Krause, LVR-Klinik Bonn, Kaiser-Karl-Ring 20, D-53111 Bonn ; E-Mail: matthias.krause@lvr.de ; URL: https://klinik-bonn.lvr.de/de/nav_main/fachgebiete/kinderneurologie/berufsgruppen/psychologie/psychologie_und_psychotherapie.html# ; Stand: 14.5.2019
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Fragebogen zur Erfassung kognitiver Prozesse bei 4- bis 6-jährigen Kindern ist ein Fremdbeurteilungsfragebogen, der als Screening für Kinder mit kognitiven Entwicklungsproblemen entwickelt wurde.


Aufbau:
Der Fragebogen besteht aus 98 Items, welche den sechs Skalen Sprache, Gedächtnis, Visuell-räumliche Leistungen, Allgemeine kognitive Leistungen, Aufmerksamkeit und Selbstständigkeit zugeordnet sind. Des Weiteren sind eine Symptomliste mit 11 Symptomen und eine globale Entwicklungseinschätzung auf dem Fragebogen abgedruckt. Zuletzt werden den Eltern noch neun Fragen zu deren Person und zu etwaigen Vorerkrankungen des Kindes gestellt.


Grundlagen und Konstruktion:
Der Fragebogen wurde auf der Grundlage der Klassischen Testtheorie erstellt. Er wurde dabei in Anlehnung an den Fragebogen zur kognitiven Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen (KOPKIJ) entwickelt, aus dem die Skalen Gedächtnis, Visuell-räumliche Leistungen und Aufmerksamkeit entnommen wurden. Herangezogen wurden weitere Entwicklungstests, welche den Zeitraum bis zu einem Alter von sechs Jahren erfassen. An der Entwicklung der Skala Sprache wirkten zudem zwei Logopäden mit. So entstand schließlich eine Vorversion mit 109 Items, welche gesunden und klinisch auffälligen Kindern vorlegt wurde, woraufhin inhaltlich und statistisch unpassende Items eliminiert und besonders schwierige Items in die Symptomliste verschoben wurden.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Als Reliabilitätswerte liegen interne Konsistenz- (Cronbachs Alpha) und Split-half-Werte vor. Cronbachs Alpha beträgt je nach Alter und Geschlecht für die Einzelskalen zwischen .66 und .92, für den Gesamtwert .95. Die Split-half-Reliabilität beträgt je nach Alter und Geschlecht für die Einzelskalen zwischen .71 bis .93 und für den Gesamtwert ebenfalls .95.
Validität: Bei der Prüfung der Kriteriumsvalidität ergaben sich Unterschiede nach Alter, Geschlecht und sozialer Schicht der Eltern. Zudem lieferte ein Vergleich mit Kindern verschiedener klinischer Gruppen (Spezifische Sprachentwicklungsstörung, Aufmerksamkeitsdefizit mit oder ohne Hyperaktivität, globale Entwicklungsstörung und visuelle Wahrnehmungsstörung) hypothesenkonforme Ergebnisse. Des Weiteren konnten die Autoren zeigen, dass die generelle Einschätzung der Eltern im Hinblick auf den Entwicklungsstand ihres Kindes mit dem Cut-off-Wert des KOPKI übereinstimmt. Auch mit dem HAWIVA-III ergaben sich hypothesenkonform mittelhohe Korrelationen.
Normen: Als Normen liegen nach Alter und Geschlecht differenzierte Prozentränge für die Einzelskalen und den Gesamtwert vor, welche an einer Stichprobe von 522 Kindern im Jahre 2009 erhoben wurden.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der Fragebogen zur Erfassung kognitiver Prozesse bei 4- bis 6-jährigen Kindern (KOPKI 4-6; Gleißner, Krause & Reuner, 2011) ist ein Fragebogenverfahren zur retrospektiven Erfassung der kognitiven Prozesse von Kindern durch ihre Eltern. Das Verfahren basiert auf der Annahme, Intelligenz setze sich aus vielen Teilfähigkeiten zusammen; ab dem vierten Lebensjahr sind diese auch einzeln erfassbar (Carroll, 1993; Tusing & Ford, 2004). Bei der Beurteilung der kindlichen Entwicklung stellen Elternurteile einen unverzichtbaren Bestandteil des diagnostischen Prozesses dar und ergänzen u.a. Verhaltensbeobachtungen und qualitative Analysen. Dass das Elternurteil ein gutes Diagnoseinstrument ist, belegen u.a. der Elternfragebogen zur taktil-kinästhetischen Responsivität im frühen Kindesalter (DEF-TK; Kiese-Himmel & Kiefer, 1999), die Bayley-II-Entwicklungsskalen (Bayley, 1993) und der Elternfragebogen zur kindlichen Entwicklung (EFKE; Brandstetter, Bode & Ireton, 2003). Da bislang jedoch kein fundiertes deutschsprachiges Fremdbeurteilungsverfahren zur Erfassung kognitiver Leistungen im Vorschulalter vorliegt, wurde der KOPKI entwickelt.
 

Testaufbau

Der Fragebogen besteht aus 98 Items, welche folgenden sechs Skalen zugeordnet sind.
(1) Sprache: 24 Items erfassen das Verständnis und die Verwendung verschiedener Sprachkomponenten, wie Wortschatz, Grammatik, Artikulation und Sprachverständnis.
(2) Gedächtnis: 17 Items erfassen Fähigkeiten des Kurz- und Langzeitgedächtnisses im visuellen und verbalen Bereich vom Memory-Spielen bis zum Auswendiglernen von Gedichten und Liedern.
(3) Visuell-räumliche Leistungen: Bei diesen 12 Fragen geht es vor allem darum, ob das Kind in der Lage ist, in detaillierter Art und Weise reale Gegebenheiten der Umwelt zu malen und Bauten zu erstellen.
(4) Allgemeine kognitive Leistungen: 18 Items erfassen die Fähigkeit zu zählen und zu schreiben, Dinge zu sortieren, verschiedene Farben und Körperteile zu benennen sowie räumliche und zeitliche Daten zu nennen.
(5) Aufmerksamkeit: Mit 16 Items wird erfragt, ob sich das Kind längere Zeit auf eine Geschichte oder ein Spiel konzentrieren kann oder leicht ablenkbar ist, Sachen verlegt und nicht stillsitzen kann.
(6) Selbstständigkeit: Diese 11 Items reichen von basalen Tätigkeiten wie dem selbständigen Verrichten des Toilettengangs, über An- und Ausziehen, das selbständige Zubereiten von Essen, dem Überqueren der Straße bis hin zum Führen sozialer Interaktionen.
Die Fragen der Skalen (1) bis (6) werden dabei auf einer vierstufigen Skala von 0 (gar nicht) bis 3 (immer) erfasst, wobei 18 Items der Skala Sprache, neun Items der Skala Gedächtnis, vier Items der Skala visuell-räumliche Leistungen und 13 Items der Skala Aufmerksamkeit umgepolt werden müssen.
Des Weiteren sind eine Symptomliste und eine globale Entwicklungseinschätzung auf dem Fragebogen abgedruckt ("Allgemeines").
(7) Symptomliste: Hier werden zehn Symptome (Hör-, Seh-, Sprech-, Wiedererkennungs- und Vigilanzprobleme) aufgeführt, welche entweder bejaht oder verneint werden müssen. Bei einer Frage zur Rechts- oder Linkshändigkeit muss zudem aus fünf Alternativen die zutreffende Antwort gewählt werden.
(8) Globale Entwicklungseinschätzung: Die Eltern werden aufgefordert, den Entwicklungsstand Ihres Kindes selbst einzuschätzen.
Im Anschluss an den Fragebogen werden den Eltern noch neun Fragen zu ihrer Person oder zu etwaigen Vorerkrankungen des Kindes gestellt ("Angaben zu Kind und Eltern").
 

Auswertungsmodus

Zunächst werden die Schablonen auf die Fragebögen gelegt, diese erleichtern auch das Umpolen der Items. Schließlich erfolgt eine Summen- und Mittelwertsberechnung für jede Skala. Falls mehr als 30% der Items einer Skala ausgelassen wurden, wird von einer Skalenwertberechnung abgeraten. Dies wäre für die Skala Sprache ab sieben, für die Skalen Gedächtnis, Allgemeine kognitive Leistungen und Aufmerksamkeit ab fünf, für visuell-räumliche Leistungen ab vier sowie für die Skala Selbstständigkeit ab drei fehlenden Items zu empfehlen. Falls weniger Items fehlen, wird der Skalenwert als Mittelwert über die vorhandenen Items erstellt.
Der Gesamtmittelwert wird als Mittelwert über alle sechs Skalen berechnet und bildet das Entwicklungsniveau des Kindes ab. Neben dieser Handauswertung können die Items auch fakultativ in eine Auswerteroutine eingegeben werden.
 

Auswertungshilfen

Schablonen sowie eine Auswerteroutine erleichtern die Auswertung. Nach Geschlecht und Alter differenzierte Prozentränge sowie Cut-off-Werte für dreijährige Kinder und zwei Fallbeispiele stellen des Weiteren gute Auswertungshilfen dar.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung dauert zwischen 5 und 10 Minuten.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Für die sechs Skalen des Fragebogens werden die trennschärfsten Items angegeben, wobei die an der Normstichprobe ermittelte Trennschärfe sowie die zugeordnete Skala in Klammern vermerkt sind.
Mein Kind...
16. hat Probleme, beim Sprechen die richtigen Worte zu finden. (rtt = .60; umgepoltes Item, Skala Sprache)
18. spricht unvollständige Sätze. (rtt = .60; umgepoltes Item, Skala Sprache)
28. kann sich zweiteilige Anweisungen merken (z.B. "Bring mir die Schere und die Stifte"). (rtt = .51; Skala Gedächtnis)
41. weiß von Erlebnissen oder Ereignissen auffallend wenig Details. (rtt = .51; umgepoltes Item, Skala Gedächtnis)
47. malt Männer und Frauen erkennbar unterschiedlich. (rtt = .68; umgepoltes Item, Skala visuell-räumliche Leistungen)
64. kann mindestens 10 Buchstaben oder Zahlen schreiben. (rtt = .56; Skala Allgemeine kognitive Leistungen)
85. bricht Handlungen häufiger ab. (rtt = .73; umgepoltes Item, Skala Aufmerksamkeit)
92. kann alleine den Tisch decken. (rtt = .57; Skala Selbstständigkeit)
 

Durchführung

 

Testformen

Der Fragebogen ist selbsterklärend und sowohl als Gruppen- als auch als Individualbefragung durchführbar.
 

Altersbereiche

Der Fragebogen ist für Kinder von 4;00 Jahren bis 6;11 Jahren normiert und für diese einsetzbar.
 

Durchführungszeit

Die Bearbeitung dauert ca. 15 bis 25 Minuten.
 

Material

Zum Testmaterial gehören ein 51-seitiges Manual, zwei Auswertungsschablonen, eine Auswerte-Routine sowie 25 Fragebögen. Die Fragebögen stellen Verbrauchsmaterial dar und können separat nachbestellt werden. Zudem ist für eine Durchführung ein Schreibgerät nötig.
 

Instruktion

Die Instruktion ist schriftlich auf dem Fragebogen abgedruckt. Eine mündliche Interaktion mit dem Versuchsleiter ist somit nicht nötig.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Die Eltern sollten über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, um den Fragebogen zu verstehen.
 

Testkonstruktion

Der Fragebogen wurde auf Grundlage der Klassischen Testtheorie erstellt. Er wurde dabei in Anlehnung an den Fragebogen zur kognitiven Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen (KOPKIJ; Gleißner, Lendt, Mayer, Elger & Helmstaedter, 2006) entwickelt, wobei aus diesem die Skalen Sprache, Gedächtnis, visuell-räumliche Leistungen und Aufmerksamkeit entnommen wurden. Zudem bezogen Gleißner et al. (2011) weitere entwicklungsdiagnostische Verfahren in die Testentwicklung mit ein, wie den Entwicklungstest für Kinder von 6 Monaten bis 6 Jahre (ET 6-6; Petermann, Stein & Macha, 2006), den Elternfragebogen zur kindlichen Entwicklung (EfkE; Brandstetter et al., 2003) und den Bayley-II (Reuner, Rosenkranz, Pietz & Horn, 2008); allerdings wird durch diese Verfahren nur die Entwicklung in einem Zeitraum von sechs Monaten bis sechs Jahren erfasst. Darüber hinaus wurden der Beobachtungsbogen für Erzieherinnen (Beyer et al., 2004) und der Vineland II (Sparrow, Cicchetti & Balla, 2005) berücksichtigt. So wurde beispielsweise zusätzlich zu den vier aus dem KOPKIJ entnommenen Skalen auch die Skala zur Erfassung der Allgemeinen kognitiven Leistung hinzugefügt, welche vorschulische Fähigkeiten wie Zählen und Kategorisieren erfasst. Die Skala Selbstständigkeit vereint zudem all jene Fähigkeiten, die im Kleinkindalter adaptiv vorhanden sind (Reuner, Krause, Sarimski & Gleißner, 2011). Die Skala Sprache wurde in Anlehnung an die Checkliste zur Sprachentwicklung und Risikoerkennung der U8 und U9 (Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V.) und dem Elternfragebogen zum 54. Monat (Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V.) konstruiert. Abschließend wurde diese Skala zusätzlich durch zwei Logopädinnen überprüft.
So entstand schließlich eine Vorversion mit 109 Items, welche den Eltern von Kindern zwischen vier und sechs Jahren zweier Kindergärten (n = 41) vorgelegt wurden. Als klinische Stichprobe dienten 36 Kinder des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Heidelberg. Inhaltlich und statistisch unpassende Items wurden daraufhin eliminiert und besonders schwierige Items in die Symptomliste verschoben.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Durch die schriftliche Instruktion auf dem Fragebogen, die Auswertehilfen, aufgrund der einfachen Berechnung der Scores sowie der zur Verfügung stehenden Bezugswerte können die Durchführungs-, Auswertungs-, und Interpretationsobjektivität als gegeben betrachtet werden. Ob verschiedene Beurteiler (z.B. Väter und Mütter) übereinstimmen, wurde allerdings nicht überprüft.
 

Reliabilität

Über alle Items hinweg ergibt sich ein Cronbachs Alpha von .95. Für die Unterskalen ergeben sich je nach Alter und Geschlecht Werte von .89 bis .92 (Sprache), .79 bis .83 (Gedächtnis), .76 bis .88 (Visuell-räumliche Leistungen), .66 bis .87 (Allgemeine kognitive Leistungen), .88 bis .92 (Aufmerksamkeit) und .67 bis .82 (Selbstständigkeit). Ähnlich verhält es sich bei der Split-half-Reliabilität, welche über alle Items hinweg berechnet einen Wert von .95 erzielte. Für die Einzelskalen liegen die Werte zwischen .90 und .93 (Sprache), .81 und .87 (Gedächtnis), .78 bis .89 (Visuell-räumliche Leistungen), .71 bis .88 (Allgemeine kognitive Leistungen), .89 bis .91 (Aufmerksamkeit) und .72 bis .83 (Selbstständigkeit).
 

Validität

Als Beleg für die konvergente Validität wird angeführt, dass eine positive Korrelation des Gesamtwertes mit dem Alter von .38 vorliegt; lediglich die Skalen Aufmerksamkeit und Gedächtnis korrelieren mit dem Alter schwach von .09 bis .11. Ein U-Test ergab zudem, dass Mädchen bei allen Skalen höhere Werte erzielen als Jungen (p < .05) und damit die empirisch gut belegten langsameren Entwicklungsverläufe abgebildet werden. Zudem sind solche Kinder, deren Eltern einen hohen Bildungsabschluss vorweisen, denen mit niedrigerem Bildungsabschluss im Gesamtwert (p Schließlich wurden die sechs Skalen des KOPKI 4-6 verschiedenen klinischen Gruppen vorgelegt, darunter 32 Kinder mit Spezifischer Sprachentwicklungsstörung (SSES), 15 Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit mit oder ohne Hyperaktivität (ADS/ADHS), 40 Kinder mit globaler Entwicklungsstörung (EST) sowie vier Kinder mit visueller Wahrnehmungsstörung (VIS). Bei Kindern mit SSES lag die Leistung bei den Skalen "Sprache", "Allgemeine kognitive Leistungen", "Aufmerksamkeit" und "Selbstständigkeit" deutlich unter dem Cut-off-Wert (alle d > .8). Bei solchen mit ADHS fanden sich vor allem Differenzwerte zum Cut-off-Wert im Bereich "Visuell-räumliche Leistungen", "Aufmerksamkeit", "Gedächtnis" und "Allgemeine kognitive Leistungen". Kinder mit EST wiesen in allen Bereichen, aber besonders bei "Selbstständigkeit", "Allgemeine kognitive Leistungen", "Visuell-räumliche Leistungen" und "Sprache" Abweichungen vom Cut-off-Wert auf. Patienten mit VIS zeigten lediglich Defizite bei "Visuell-räumlichen Leistungen", wobei die Aussagekraft dieser Ergebnisse aufgrund der kleinen Stichprobe eingeschränkt wird.
Des Weiteren zeigt sich eine Übereinstimmung zwischen quantitativer und qualitativer (Eltern-)Einschätzung derart, dass 72.2% (bzw. 83.0% bei der klinischen Stichprobe) der als entwicklungsverzögert beschriebenen Kinder tatsächlich unter dem Cut-off-Wert lagen. Zudem lagen 90.0% (bzw. 66.6% bei der klinischen Stichprobe) der als altersgerecht entwickelt eingestuften Kinder über dem Cut-off-Wert.
Ferner wurde die Übereinstimmung mit dem Hannover Wechsler Intelligenztest für das Vorschulalter (HAWIVA-III; Ricken, Fritz, Schuck & Preuß, 2007) untersucht. Hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen den KOPKI-Skalen und den Untertests des HAWIVA-III sowie der Gesamtwerte beider Tests zeigt sich, dass der IQ-Wert mit dem KOPKI-Gesamtwert stets positiv zwischen .46 (Vierjährige), .52 (Fünfjährige) und .61 (Sechsjährige) korreliert. Die Skala Sprache hat zudem einen mittleren Zusammenhang zum Verbalteil des HAWIVA-III mit .50 (Fünfjährige) und .55 (Sechsjährige). Visuell-räumliche Leistungen hängen zudem mit einem Wert von .40 (Fünfjährige) bis .47 (Sechsjährige) im Handlungsteil des HAWIVA-III zusammen. Verarbeitungsgeschwindigkeit korreliert vor allem mit allgemeiner Kognition von .26 (Fünfjährige) über .48 (Vierjährige) bis hin zu .57 (Sechsjährige) und mit Aufmerksamkeit von .21 (Fünfjährige) bis .51 (Sechsjährige). Die Skala "Selbstständigkeit" hingegen korreliert bei Sechsjährigen nicht signifikant mit irgendwelchen Werten des HAWIVA-III.
 

Normierung

Als Normen liegen nach Alter und Geschlecht differenzierte Prozentränge für die Einzelskalen und den Gesamtwert vor. Die Normierung fand 2009 an einer Stichprobe von 522 Kindern (Gleißner et al., 2011, S. 31; 263 Jungen, 253 Mädchen; 212 Vierjährige, 210 Fünfjährige, 94 Sechsjährige) zwischen 4;00 Jahren und 6;11 Jahren statt.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der Fragebogen dient primär als Screeninginstrument für Kinder mit kognitiven Entwicklungsproblemen sowie zur Verlaufsevaluation. Er kann in der Klinik wie auch in der Forschung eingesetzt werden.
 

Bewertung

Die Konzeption des Fragebogens als ein Fremdbeurteilungsverfahren, welches aufgrund von Elterneinschätzungen kognitive Prozesse von Kindern beurteilt, ist eine neuartige Methode. Entwicklung und Notwendigkeit des Verfahrens werden nachvollziehbar dargestellt. Durch die selbsterklärende Instruktion auf dem Fragebogen ist die Durchführungsobjektivität so weit als möglich gegeben. Die zwei Auswertungsschablonen gewährleisten Auswertungsobjektivität. Das Vorhandensein geeigneter Normen sowie von Cut-off-Werten erleichtert die Interpretation. Bei der Reliabilität werden sowohl in Bezug auf interne Konsistenz wie auch Split-half-Reliabilität für die meisten Skalen akzeptable Werte berichtet. Lediglich die Skalen "Allgemeine kognitive Leistungen" und "Selbstständigkeit" erreichen ein sehr niedriges Cronbachs Alpha. Da auch eine Profilinterpretation vorgenommen wird, wäre eine Angabe hinsichtlich der Profilreliabilität sinnvoll.
Hinsichtlich der Validität werden erste überzeugende Ergebnisse bezüglich Konstrukt- und Kriteriumsvalidität geliefert. Allerdings fällt auf, dass bei der klinischen Stichprobe nur zwei Drittel der Kinder von den Eltern korrekt als altersgerecht entwickelt eingestuft wurden. Es wäre daher interessant, den Cut-off-Wert nicht nur an der Gesamteinschätzung der Eltern, sondern auch an anderen Kriterien zu überprüfen. Da das Verfahren auch zur Verlaufsevaluation eingesetzt werden soll, wären zudem Längsschnittuntersuchungen, welche den Bereich der Vier- bis Sechsjährigen Kinder abdecken, sinnvoll. Zusammenfassend ist zu sagen, dass der KOPKI als Elternfragebogen ein durchdachtes Instrument zur Erfassung kognitiver Prozesse und eine sinnvolle Ergänzung derzeitig vorliegender Fremdbeurteilungsverfahren zum Entwicklungsstand von 4- bis 6-jährigen Kindern darstellt. Weitere Untersuchungen könnten die Güte des Testverfahrens noch untermauern.
 

Literatur

  • Bayley, N. (1993). Bayley Scales of Infant Development: Second edition. San Antonio, TX: The Psychological Corporation.
  • Beyer, A., Fastabend, S., Liebers, E., Per, G., Schilling, M., Sukowski, P., Webelsiep, A. & Weiß, H. (2004). Gelsenkirchener Entwicklungsbegleiter. Tübingen: dgvt.
  • Brandstetter, G., Bode, H. & Ireton, H.R. (2003). Elternfragebogen zur kindlichen Entwicklung. 1-6 Jahre. EFkE. Augsburg: Möckl.
  • Carroll, J.B. (1993). Human cognitive abilities: A survey of factor-analytic studies. Cambridge, UK: Cambridge University Press.
  • Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. Checkliste zur Sprachentwicklung und Risikoerkennung der U8 und U9. Zugriff am 01.02.2009. http://www.dbl-ev.de/index.php?id=498
  • Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. Elternfragebogen zum 54. Monat. Zugriff am 01.02.2009. http://www.dbl-ev.de/? id=210&prudctID=254&categoryID=51&catalogID=4.
  • Döpfner, M., Görtz-Dorten, A. & Lehmkuhl, G. (2008). DISYPS-II. Diagnostiksystem für psychische Störungen nach ICD-10 und DSM-IV für Kinder und Jugendliche. Bern: Huber.
  • Gleißner, U., Krause, M.P. & Reuner, G. (2011). KOPKI 4-6. Fragebogen zur Erfassung kognitiver Prozesse bei 4- bis 6-jährigen Kindern. Frankfurt/M.: Pearson.
  • Gleißner, U., Lendt, M., Mayer, S., Elger, C.E. & Helmstaedter, C. (2006). Kognitive Probleme bei Kindern und Jugendlichen: Vorstellung eines Fragebogens. Nervenarzt, 77, 449-465.
  • Kiese-Himmel, C. & Kiefer, S. (1999). Taktil-kinästhetische Responsivität und handmotorische Kontrolle bei sprachentwicklungsgestörten und sprachunauffälligen Kindern. In M. Gross (Hrsg.), Aktuelle phoniatrisch-pädaudiologische Aspekte 1998/1999 (Band 2) (S. 339-341). Heidelberg: Median.
  • Petermann, F., Stein, I.A. & Macha, T. (2006). Entwicklungsdiagnostik mit dem ET 6-6 (3., veränderte Auflage). Frankfurt/M.: Harcourt.
  • Reuner, G., Rosenkranz, J., Pietz, J. & Horn, R. (Hrsg.). (2008). Bayley Scales of Infant Development Second Edition - Deutsche Fassung (2., korrigierte Auflage). Frankfurt/M.: Harcourt.
  • Reuner, G., Krause, M.P., Sarimski, K. & Gleißner, U. (2011). KOPKI 4-6: Vorstellung und erste Validierung eines Eltern-Fragebogens zur Erfassung kognitiver Prozesse von 4- bis 6-jährigen Kindern. Diagnostica, 57 (4), 191-200.
  • Ricken, G., Fritz, A., Schuck, K.-D. & Preuß, U. (Hrsg.). (2007). HAWIVA-III. Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter - III. Bern: Huber.
  • Sarimski, K. (2009). Entwicklungsdiagnostik. In D. Irblich & G. Renner (Hrsg.), Diagnostik in der Klinischen Kinderpsychologie. Die ersten sieben Lebensjahre (S. 123-135). Göttingen: Hogrefe.
  • Sparrow, S.S., Cicchetti, D.V. & Balla, D.A. (2005). Vineland II: A revision of the Vineland Adaptive Behaviour Scales: I. Survey/caregiver form. Circle Pines: American Guidance Service.
  • Tusing, M.E. & Ford, L. (2004). Examining preschool cognitive abilities using a CHC framework. International Journal of Testing, 4, 91-114.
 

Rezensionen

  • Irblich, D. (2014). Gleißner, U., Krause, M.P., Reuner, G. (2011). KOPKI 4-6. Fragebogen zur Erfassung kognitiver Prozesse bei 4- bis 6-jährigen Kindern (Neuere Testverfahren). Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 63 (1), 65-69.
  • Maur, S. (2015). Testrezension: "KOPKI 4-6" zur Erfassung kognitiver Prozesse und "BRIEF-P" zur Beurteilung exekutiver Funktionen bei Vorschulkindern. Verhaltenstherapie mit Kindern & Jugendlichen, 11 (1+2), 105-108.
 
 Nicole Gruber (22.09.2012)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Test Norms; Screening Tests; Educational Measurement; Developmental Measures; Parents; Preschool Teachers; Preschool Students; Cognitive Development; Cognitive Processes

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Testnormen; Screening Tests; Pädagogisches Testen; Entwicklungstests; Eltern; Kindergartenerzieher; Kindergartenkinder; Kognitive Entwicklung; Kognitive Prozesse

 weitere Schlagworte:

2006 (KOPKIJ); 2011 (KOPKI 4-6); Kognitive Entwicklungsprobleme; Teilleistungsstörungen; Elterneinschätzung; 98 Items; ab 4;0 Jahre; bis 6;0 Jahre; Skalen: 1 Sprache, 2 Gedächtnis, 3 Visuell-räumliche Leistungen, 4 Allgemeine kognitive Leistungen, 5 Aufmerksamkeit, 6 Selbstständigkeit; Zusatzskalen: 7 Symptomliste, 8 Globale Entwicklungseinschätzung; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2009; Stichprobe(n): 522
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Kognitive Prozesse; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung; Sonderpädagogik und Förderunterricht
Spezielle Tests zur kognitiven Entwicklung; Neuropsychologische Verfahren
1.5; 11.22
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis, Remedial Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2011
 Änderungsdatum: 201410
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2019 ZPID