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Kaseler-Konzentrations-Aufgabe für 3- bis 8-Jährige

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9005775
 

KKA - Kaseler-Konzentrations-Aufgabe für 3- bis 8-Jährige (PSYNDEX Tests Review)

 

Kasel Concentration Test for 3- to 8-Year-Old Children/zpid

 Krampen, G.
 (2007). KKA. Kaseler-Konzentrations-Aufgabe für 3- bis 8-Jährige [Testmappe mit Manual, 10 Testblättern, 10 Übungsblättern und 10 Auswertungsbögen]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: Euro 49,00 (Stand: 1.4.2008).

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: info@testzentrale.de ; Stand: 1.11.2019.

 Adresse(n): o Prof. Dr. Günter Krampen, Emeritus, bei PsychAuthors: https://www.psychauthors.de/psychauthors/index.php?wahl=forschung&uwahl=psychauthors&uuwahl=p00001GK
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Mit der Kaseler-Konzentrations-Aufgabe für 3- bis 8-Jährige liegt ein Leistungs- und Entwicklungstest zur Erfassung der kurzzeitigen selektiven Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung bei Kindern der Vorschule und der Primarschule (erste beide Klassen) vor. Der Test erfasst ausschließlich die Leistungsmenge kurzzeitiger selektiver Aufmerksamkeitsleistung und eignet sich insofern für einen Einsatz im Rahmen einer multimethodalen Psychodiagnostik, in der neben den T-Daten der KKA auch L-, L'- und Q-Daten erhoben werden. Die Anwendungsschwerpunkte liegen abgesehen von der Grundlagen- und anwendungsbezogenen Forschung vor allem in der Klinischen Kinderpsychologie und Pädagogischen Psychologie (z.B. im Kontext der remedialen Entwicklungsdiagnostik, der Frühförderung, der Schulreifediagnostik oder der Evaluation von Fördermaßnahmen).


Aufbau:
Die KKA ist als Durchstreichtest mit Zeitvorgaben konzipiert, der aus einem Testbogen besteht. Dieser umfasst neun Reihen, in denen sechs verschiedene Symbole (Windings) zufällig angeordnet sind. Jede Reihe besteht aus 25 Abbildungen mit jeweils vier Symbolen der sechs möglichen Symbole und einem visuellen Distraktor. Jedes der sechs Symbole kann als Zielsymbol für die Durchstreichaufgabe herangezogen werden. Somit liegen für die KKA insgesamt sechs Parallelformen vor. Die Handlungsanweisung für den Testleiter und die Instruktion sind auch in türkischer, russischer, englischer, portugiesischer und luxemburgischer Sprache vorhanden.


Grundlagen und Konstruktion:
Eine erste Version des Verfahrens wurde ad hoc im Rahmen einer Untersuchung zum Wiener Entwicklungstest (WET) konzipiert und sollte die während der Bearbeitung des WET entstehenden Aufmerksamkeitsbelastungen bei 3- bis 6-jährigen Kindern prüfen. Die Entwicklung der KKA war dabei der Erkenntnis geschuldet, dass für die Alterszielgruppe kein standardisiertes, normiertes und in Bezug auf das Layout und die Aufgabenstellung motivierendes modernes Paralleltestverfahren zur wiederholten Erfassung der kurzzeitigen selektiven Aufmerksamkeitsleistung verfügbar war. Die Testentwicklung erfolgte in Anlehnung an den Aufmerksamkeits-Belastungs-Test d2, wobei jedoch aus Gründen der Aktualität statt Buchstaben Symbole für die Durchstreichaufgabe verwendet wurden. Die Festlegung der Bearbeitungszeit (10 Sekunden) pro Zeile erfolgte zunächst, um neben dem quantitativen Kriterium der Leistungsmenge auch nach qualitativen Kriterien auswerten zu können. In einer Erprobung der KKA an 57 Drei- bis Sechsjährigen erwies sich jedoch das qualitative Maß der Auswertung (Anzahl der Verwechslungsfehler) als ungenügend und wurde daher in der endgültigen Version des Verfahrens weggelassen. Die im Rahmen umfangreicher Erprobungen des Verfahrens in vielfältigen Kontexten gewonnenen Erkenntnisse in Bezug auf die psychometrischen Qualitäten erforderten keine weitere Revision.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Kennwerte für die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) und die Paralleltestreliabilität der KKA sind als sehr hoch einzustufen (> = .90). Dabei zeigten sich weder in Bezug auf das Alter noch auf die Primärsprache signifikante Unterschiede in den Koeffizienten. Besonders der Befund zum Alter ist positiv im Sinne des Anspruchs eines Entwicklungstests zu werten. Die Paralleltestreliabilität wurde dreifach überprüft: Die summarische Bestimmung über alle sechs Paralleltestvarianten bestätigte die Paralleltestreliabilität für die gesamte Altersgruppe der 3- bis 8-Jährigen und auch getrennt für die spezifischen Altersgruppen. Eine getrennte Ermittlung der Reliabilität der sechs verschiedenen Parallelformen erbrachte hohe interne Konsistenzen. Die Testung aller möglichen 15 Kombinationen der sechs Parallelformen in kurzen Zweierserien an kleineren Stichproben (n zwischen 79 und 95) mit jeweils zwei verschiedenen Zielsymbolen können ebenfalls als Bestätigung der Paralleltestreliabilität aller sechs KKA-Varianten gewertet werden.
Validität: In Bezug auf die konvergente und divergente Validität weist die KKA erwartungsgemäß hohe Zusammenhänge mit anderen Konzentrationstests auf (FTF, d2, KLT und Pauli-Test) und statistisch bedeutsame Beziehungen mit Einschätzungen der Konzentrationsleistung durch Kindergarten-Erziehungskräfte und Primarschul-Lehrkräfte. Schwächere Zusammenhänge finden sich in Bezug auf Indikatoren der Sprachentwicklung und der allgemeinen Intelligenz. Das Befundmuster bestätigt jedoch den Anspruch, die kurzzeitige selektive Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung bei Vorschulkindern und Primaschulkindern hinreichend unabhängig von ihrem Sprachentwicklungsstand und ihrer Intelligenz zu erfassen. Im Kontext zahlreicher Querschnittsbefunde konnte die differenzielle Validität für die Altersgruppen der 3-, 4-, 5- sowie der 6-8-Jährigen bestätigt werden. Die Befunde werden durch zusätzliche Längsschnittuntersuchungen gestützt. Die Änderungssensitivität konnte in Bezug auf eine Reihe von Einflüssen bestätigt werden (z.B. Anwesenheit anderer Kinder, Lärm, Tageszeit, Teilnahme an umfangreichen diagnostischen Testungen).
Normen: Für das Verfahren liegen Normen vor (T-Werte und Prozentrangwerte), die anhand einer umfangreichen Stichprobe von N = 5.314 Kindern aus dem südwest- und südostdeutschen Raum sowie aus Luxemburg gewonnen wurden. Die Geschlechterverteilung in der Normstichprobe ist nahezu ausgewogen. Für die Gruppen der 3-, 4-, 5- sowie 6- bis 8-jährigen liegen getrennte Normen für Einzeltestungen vor, wobei jede der Kohorten über 800 Kinder umfasst und die Verteilung der Kinder nach ihrem Alter relativ ausgewogen ist. Auf die Erstellung spezifischer Normen für die Geschlechtergruppen, für Kinder mit verschiedenen Primarsprachen sowie monolinguale und bilinguale Kinder und für die Durchführung von Testserien wurde auf Grund der Befunde zur differenziellen Validität bzw. des hohen Aufwands verzichtet.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Bei der Kaseler-Konzentrations-Aufgabe für 3- bis 8-Jährige (KKA) handelt es sich um einen Leistungs- und Entwicklungstest zur Erfassung der kurzzeitigen selektiven Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung. Das Verfahren in Form eines Durchstreichtests eignet sich für eine Anwendung in den Bereichen der Klinischen Kinderpsychologie und -psychiatrie, der Pädagogischen Psychologie, der Frühdiagnostik und -förderung, der Schulpsychologie, der Erziehungsberatung, der Heimpsychologie und der Pädiatrie (Krampen, 2007, S. 38). Die Entstehung der KKA geht auf die Ad-hoc Entwicklung eines möglichst kurzen, ökonomischen Forschungsinstrumentes zur Abschätzung der kurzzeitigen Konzentrationsleistung bei Vorschulkindern im Rahmen einer Studie zurück, in der die Aufmerksamkeitsbelastung untersucht wurde, die durch die Testung von Kindern mit dem Wiener Entwicklungstest (WET; Kastner-Koller & Deimann, 1998, 2002) entsteht. Aus einer ersten Vorversion entstand im Zuge vielfältiger Anwendung, Erprobung (vor allem im universitären Kontext sowie in der Praxis der Klinischen Kinderpsychologie, der Pädiatrie und der Pädagogischen Psychologie), Überarbeitung und gütebezogener Untersuchungen das vorliegende Verfahren. In Bezug auf die Form eines Durchstreichtests diente der Aufmerksamkeits-Belastungs-Test d2 (Brickenkamp, 1962, 2002) als Vorbild. Im Unterschied zum d2 sind allerdings keine Buchstaben, sondern einfache Symbole zur Bearbeitung vorgegeben. Der Test erlaubt die Erfassung der Leistungsmenge, nicht jedoch der Leistungsqualität.
 

Testaufbau

Die Kaseler-Konzentrations-Aufgabe für 3- bis 8-Jährige besteht aus einem Übungsblatt und dem eigentlichen Testblatt. Auf dem querformatigen Testbogen sind neun Reihen mit Symbolen in Schwarz-weiß-Druck untereinander angeordnet. Die Symbole wurden den "Windings" (Microsoft Word(c) 2000) entnommen. Sie umfassen: (1) die Vorderseite eines Briefumschlages, (2) die Rückseite eines Briefumschlages, (3) ein aufgeschlagenes Buch, (4) eine (Wand-)Uhr, (5) eine Glocke und (6) eine geöffnete Hand. Die Anordnung der Symbole in den neun Reihen ist zufällig. Zur optischen Auflockerung und visuellen Strukturierung enthält jede der neun Reihen an zufälliger Stelle zusätzlich das Symbol einer schwarzen Bombe mit Zündschnur. Alle Symbole mit Ausnahme der Bombe sind potentielle Zielsymbole für die Aufgabe des Durchstreichens. Jede Reihe umfasst insgesamt jeweils vier der sechs möglichen Symbole und einmal den visuellen Distraktor Bombe, sodass jede Reihe 25 Symbole enthält und der gesamte Testbogen aus 225 Abbildungen besteht.
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung eines Testergebnisses erfolgt durch einfaches Auszählen der richtigen Treffer (korrekt durchgestrichene Symbole) pro Reihe und deren Addition zu einem Gesamtwert, dem Rohwert für die Leistungsmenge. Auf einem zusätzlich zur Verfügung stehenden Auswertungsbogen kann dieser Wert notiert werden und anhand einer Normtabelle in Prozentrangwerte und T-Werte transformiert werden. Zusätzlich schlägt der Autor vor, die Anzahl der Verwechslungsfehler (falsch durchgestrichene Symbole) auszuzählen und auf dem Auswertungsbogen zu vermerken. Neben der Einzelanwendung kann die KKA auch in Form einer Testserie zum Einsatz kommen. Hier werden nacheinander verschiedene Symbole als Durchstreichziele vorgegeben und es werden somit bis zu sechs Durchgänge ermöglicht. Für die Auswertung von Testserien mit der KKA bietet der Auswertungsbogen eine Tabelle, in der die Ergebnisse jedes Durchgangs (Rohwert für die Leistungsmenge, Prozentrang- und T-Werte sowie die Anzahl der Verwechslungsfehler) eingetragen werden können und auch eine graphische Darstellung des Verlaufs der T-Werte und der Menge an Verwechslungsfehlern möglich ist.
 

Auswertungshilfen

Im Lieferumfang des Testverfahrens ist ein Auswertungsbogen enthalten, der die Dokumentation der Ergebnisse sowohl für die Einzeltestung als auch für KKA-Testserien erlaubt.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung nimmt nur kurze Zeit - etwa 5 bis 10 Minuten - in Anspruch.
 

Itembeispiele

Die graphischen Darstellungen können nicht wiedergegeben werden.
 

Durchführung

 

Testformen

Mit den insgesamt sechs potenziellen Ziel-Symbolen für die Durchstreichaufgabe bietet das Verfahren sechs Parallelformen für Testwiederholungen. Eine Besonderheit liegt darin, dass die Testinstruktionen außer in Deutsch auch in türkischer, russischer, englischer, portugiesischer und luxemburgischer Sprache vorliegen. Somit kann die KKA auch bei Kindern mit einer anderen Primärsprache als der Deutschen angewendet werden.
 

Altersbereiche

Die KKA ist für den Einsatz ab einem Alter von 3 bis zu 8 Jahren bestimmt.
 

Durchführungszeit

Für die Bearbeitung des Testbogens sind feste Zeitumfänge vorgesehen. Jeweils 10 Sekunden stehen dem Kind für die Bearbeitung jeder der neun Symbolzeilen zur Verfügung. Somit ergibt sich eine Phase von 1:30 Minuten für die reine Bearbeitungszeit eines Testbogens. Die Durchführungszeit der KKA richtet sich nach der gewählten Anwendungsvariante: Bei der einmaligen Durchführung nimmt die KKA bei einer Zeitdauer von ca. 5 Minuten für Instruktion, Beispielübung und 1:30 für die Bearbeitung des Testbogens insgesamt ca. 6:30 Minuten in Anspruch. Bei Durchführung von Testserien verlängert sich die benötigte Zeit entsprechend der Anzahl der durchgeführten Testungen bis zu einer maximalen Dauer von ca. 16:30 Minuten bei der Bearbeitung von sechs Testbögen bzw. aller möglichen sechs Zielsymbole.
 

Material

Die Testmappe enthält das Manual und je einen Satz Übungsblätter, Testbögen und Auswertungsbögen. Alle Bestandteile sind auch einzeln zu beziehen. Für die Durchführung ist zusätzlich nur Schreibgerät und eine Uhr mit Sekundenanzeige erforderlich.
 

Instruktion

Eine Besonderheit des Verfahrens liegt darin, dass das Manual neben den Anweisungen für die Durchführung und der Instruktion in Deutsch auch Varianten in türkischer, russischer, englischer, portugiesischer und luxemburgischer Sprache enthält. Alle Erläuterungen und Anweisungen, die der Testleiter in der Übungsphase und während der Durchführung der KKA geben soll, sind im Manual wortwörtlich vorgegeben. Die Instruktionen sind dabei sehr übersichtlich (z.B. durch Hervorhebungen) dargestellt.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Im Testmanual finden sich einige Angaben in Bezug auf Rahmenbedingungen der Testanwendung: Zum einen weist Krampen (2007, S. 38 f.) darauf hin, dass die KKA in einem ruhigen, störungsfreien Raum durchgeführt werden sollte, der dem Kind möglichst wenige Ablenkungsmöglichkeiten bietet. Zudem sind der Größe des Kindes entsprechende Möbel (Tisch und Stuhl) erforderlich. Weiterhin empfiehlt der Autor bis zur zweiten Klassenstufe die Durchführung der KKA im Einzelsetting. Der Testleiter sollte möglichst über Eck mit dem Kind am Tisch - bei Rechtshändern auf deren linker Seite und bei Linkshändern auf deren linker Seite - sitzen.
 

Testkonstruktion

Eine erste Version des Verfahrens wurde ursprünglich ad hoc im Rahmen einer Untersuchung zum damals neuen Wiener Entwicklungstest (WET; Kastner-Koller & Deimann, 1998, 2002) konzipiert und sollte die während der Bearbeitung des WET entstehenden Aufmerksamkeitsbelastungen bei 3- bis 6-jährigen Kindern prüfen. Die Entwicklung der KKA war dabei der Erkenntnis geschuldet, dass für die Alterszielgruppe kein standardisiertes, normiertes und in Bezug auf das Layout und die Aufgabenstellung motivierendes modernes Paralleltestverfahren zur wiederholten Erfassung der kurzzeitigen selektiven Aufmerksamkeitsleistung verfügbar war (Krampen, 2007, S. 28). Die Entwicklung der ersten Version der KKA wurde durch folgende Zielsetzungen geleitet: (1) Eignung für die gesamte Spanne des Vorschulalters, (2) hinreichende Altersgruppendifferenzierung als Entwicklungstest, (3) Bearbeitungsanreiz auch für ältere Vorschulkinder durch vielseitiges Bildmaterial, (4) modernes, zeitgemäßes Bildmaterial, (5) für Vorschulkinder bekanntes, leicht erkennbares Bildmaterial, (6) kurze Instruktion, wenig Einübungsaufwand, (7) Ökonomie der Testdurchführung, (8) Auswertbarkeit nach Leistungsmenge und Leistungsqualität und (9) Möglichkeit der Entwicklung von Paralleltestformen, die auch für Wiederholungsmessungen geeignet sind (Krampen, 2007, S. 28 f.). Die Testentwicklung erfolgte in Anlehnung an den d2 (Brickenkamp, 1962, 2002), wobei jedoch aus Gründen der Aktualität statt Buchstaben sechs Symbole ("Windings" aus Microsoft Word (c) 2000) als Zielsymbole für die Durchstreichaufgabe verwendet wurden. Die gewählten Symbole sollten einerseits im Lebensalltag von Vorschulkindern real oder als Abbildungen bekannt sein und auch schon von Dreijährigen identifiziert und benannt werden können. Zum anderen sollten sie in Form und Größe zueinander passen, sodass keines der Symbole - mit Ausnahme des Distraktors - a priori besonders hervorsticht. Die Größe der Symbole wurde in Anlehnung an die Darstellung der Äpfel und Birnen in den Frankfurter Tests für Fünfjährige - Konzentration (FTF-K; Raatz & Möhling, 1971) gewählt, um zu vermeiden, dass die KKA anstelle der selektiven Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung visuelle Differenzierungsleistung erfasst. Die Festlegung der Bearbeitungszeit (10 Sekunden) pro Zeile erfolgte zunächst, um neben dem quantitativen Kriterium der Leistungsmenge auch nach qualitativen Kriterien auswerten zu können. In einer Erprobung der KKA an 57 Drei- bis Sechsjährigen erwies sich jedoch das qualitative Maß der Auswertung (Anzahl der Verwechslungsfehler) mit rtt < .32 als ungenügend und wurde daher in der endgültigen Version des Verfahrens außen vor gelassen. Itemanalysen (mit den neun Symbolreihen des Testbogens als Items) bestätigten für die beiden in der Erprobung realisierten Parallelformen und Testzeitpunkte mittlere bis höhere Itemschwierigkeiten (.22 < p < .43). Für die interne Konsistenz der Skala als auch die Paralleltestreliabilität wurden psychometrisch sehr gute Werte ermittelt. Auch für die Validität erbrachte die erste Erprobung einige positive Befunde (z.B. hohe Korrelation mit dem FTF-K; statistisch signifikante Differenzierungsfähigkeit zwischen den Altersgruppen der Drei-, Vier- und Fünfjährigen). Nach dieser ersten Erprobung erfolgte ein Einsatz der KKA in vielfältigen Kontexten, zumeist im Zusammenhang mit der Anwendung anderer Entwicklungsdiagnostika. Dabei wurde der Altersbereich auf Kinder bis zu acht Jahren und mit einer anderen als der deutschen Primärsprache ausgeweitet. Die dabei anhand umfangreicher Datensätze gewonnenen Erkenntnisse in Bezug auf die psychometrischen Qualitäten des Verfahrens erforderten keine weitere Revision der KKA.
Im Manual werden ebenfalls Trennschärfekoeffizienten und Schwierigkeitsindizes der neun Zeilen (= Items) der Endform berichtet, die anhand einer Teilstichprobe (3- bis 6-Jährige) der Normstichprobe erhoben wurden. Alle Items liegen im mittleren bis leicht höheren Schwierigkeitsbereich (.29 < = p < = .44). Die Trennschärfekoeffizienten weisen auf eine ausgewogene Repräsentation aller neun Items in der KKA bei allen sechs Parallelformen hin (Krampen, 2007, S. 59).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Durchführungsobjektivität ist durch die wörtlich im Manual vorgegebene Instruktionsanweisung für den Testleiter gegeben. Dies wird auch anhand einer Untersuchung mit N = 916 Kindern belegt. Untersuchungen zur Auswertungsobjektivität während der Phase der Testentwicklung ergaben eine 100%-ige Übereinstimmung zwischen Erst- und Zweitauswertern, was im Sinne einer hohen Auswertungsobjektivität der KKA gewertet werden kann. Im Fall des Verdachts von Flüchtigkeitsfehlern beim Auszählen der richtig angekreuzten Symbole empfiehlt Krampen (2007, S. 56), einen zweiten Auswerter hinzuzuziehen. Auch die Interpretationsobjektivität kann - bei engem Bezug des Diagnostikers zu den Normwerten, den Vertrauensintervallen und kritischen Differenzen - als gegeben angesehen werden.
 

Reliabilität

Für die KKA liegen Angaben zur internen Konsistenz, zur Retestreliabilität, zur Paralleltestreliabilität, zur Reliabilität von Testserien sowie Itemkennwerte (Schwierigkeitsindizes und Trennschärfekoeffizienten) vor, die auf unterschiedlichen, überwiegend umfangreichen Stichproben der Erprobungsphase basieren.
Die Kennwerte für die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) und die Paralleltestreliabilität sind als sehr hoch einzustufen (bis Alpha = .98) und entsprechen dem Befundmuster zur Reliabilität ähnlicher Skalen für (ältere) Kinder, Jungendliche und Erwachsene (Krampen, 2007, S. 56). Weder in Bezug auf das Alter noch auf die Primärsprache zeigten sich signifikante Unterschiede in den Koeffizienten der internen Konsistenz und der Testwiederholungsreliabilität. Besonders der Befund zum Alter ist positiv im Sinne des Anspruchs eines Entwicklungstests zu werten. Die Paralleltestreliabilität wurde dreifach überprüft: Die summarische Bestimmung über alle sechs Paralleltestvarianten bestätigte die Paralleltestreliabilität für die gesamte Altersgruppe der 3- bis 8-Jährigen und auch getrennt für die spezifischen Altersgruppen. Eine getrennte Ermittlung der Reliabilität der sechs verschiedenen KKA-Parallelformen erbrachte hohe interne Konsistenzen. Die Testung aller möglichen 15 Kombinationen der sechs Parallelformen in kurzen Zweierserien an kleineren Stichproben (N zwischen 79 und 95) mit jeweils zwei verschiedenen Zielsymbolen können ebenfalls als Bestätigung der Paralleltestreliabilität aller sechs KKA-Varianten gewertet werden (Krampen, 2007, S. 57 f.). Für KKA-Testserien liegen Befunde zur internen Konsistenz vor, in die die Skalenwerte der einzelnen Parallelformen als Items eingingen. Die Höhe der internen Konsistenzen geht mit zunehmender Anzahl der durchgeführten Parallelformen leicht zurück, bleibt aber in einem für Testserien akzeptablen Bereich (Alpha = .78 bei einer Sechser-Testserie).
 

Validität

Im Testmanual werden Ergebnisse in Bezug auf die konvergente und diskriminante Validität, zur differenziellen Validität sowie zur Änderungssensitivität der KKA dargestellt. Für die diskriminante und konvergente Validität liegen umfangreiche Befunde über Zusammenhänge mit verschiedenen Maßen vor, die anschaulich im Manual dargestellt werden. Im Folgenden seien einige Ergebnisse exemplarisch wiedergegeben:
(1) Erwartungsgemäß hohe Zusammenhänge zeigten sich mit anderen Konzentrationstests (FTF, d2, KLT und Pauli-Test), insbesondere mit anderen Konzentrations-Durchstreichtests.
(2) Mit Maßen der Fremdeinschätzung von Konzentrationsleistungen finden sich statistisch bedeutsame Beziehungen bei Einschätzungen durch Kindergarten-Erziehungskräfte und Primarschul-Lehrkräfte, nicht jedoch für Eltern, was der Autor im Sinne geringerer entwicklungsdiagnostischer Fähigkeiten von Eltern für die eigenen Kinder wertet (Krampen, 2007, S. 59 ff.).
(3) Schwächere Zusammenhänge zeigen sich in Bezug auf Indikatoren der Sprachentwicklung und der allgemeinen Intelligenz. Das Befundmuster bestätigt laut Krampen (2007, S. 61) den Anspruch der KKA, "kurzzeitige selektive Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistungen bei Vorschulkindern und Primarschulkindern der ersten und zweiten Klasse hinreichend unabhängig von ihrem Sprachentwicklungsstand und ihrer Intelligenz zu erfassen".
In Bezug auf die differenzielle Validität des Verfahrens liegen Befunde aus einer Reihe von Subgruppenvergleichen vor (Geschlechtervergleich, klinische Gruppen und Vergleiche in Bezug auf die Primärsprache und den familiären Hintergrund). Hier sollen die Befunde zur Differenzierungsfähigkeit der KKA zwischen den verschiedenen Altersgruppen referiert werden, da diese für das Verfahren als bereichsspezifischen Entwicklungstest von entscheidender Bedeutung sind. Im Kontext zahlreicher Querschnittsbefunde konnte die differenzielle Validität für die Altersgruppen der 3-, 4-, 5-, und der 6-8-Jährigen bestätigt werden. Eine Differenzierung der KKA zwischen den Gruppen der 6-, 7-, und 8-Jährigen konnte nicht bestätigt werden, daher wurden diese Gruppen bei der Normierung zusammengefasst. Darüber hinaus liegen auch Längsschnittdaten vor, die durch die viermalige (im Abstand von jeweils einem Jahr) durchgeführte Testung von n = 156 Dreijährigen, n = 161 Vierjährigen und n = 154 Fünfjährigen gewonnen wurden. Für die ersten beiden Gruppen führten Varianzanalysen zu statistisch bedeutsamen Befunden zur Altersdifferenzierung. Für die dritte Kohorte ergab sich lediglich ein Unterschied zwischen dem Alter von fünf und dem von sechs bis acht Jahren. Zudem weisen die Längsschnittdaten auf eine relativ hohe positionale Stabilität der KKA-Ergebnisse hin (Krampen, 2007, S. 63).
Die Änderungssensitivität der KKA in Bezug auf die Abbildung externer Einflüsse wurde einerseits in Bezug auf die Effekte möglicher Belastungen (z.B. Anwesenheit anderer Kinder, Lärm, Tageszeit) und zum anderen in Hinblick auf die Effekte systematischer Fördermaßnahmen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Durchführung im Einzelsetting - auf Grund statistisch signifikanter schlechterer Leistungen bei Anwesenheit eines weiteren zuschauenden Kindes als sozialer Stressor - vorzuziehen ist. Weiterhin fanden sich signifikante Unterschiede der Testleistungen in Bezug auf die Tageszeit zwischen dem Vormittag und unmittelbarer Testung nach dem Mittagessen bei n = 120 Vorschulkindern. Auch konnten leichte, aber statistisch signifikante Effekte (Reduktion der Testleistung im KKA) durch die Teilnahme an einer zeitlich aufwändigeren psychodiagnostischen Testung (z.B. WET oder HAWIE) nachgewiesen werden. Die Änderungssensitivität für Effekte systematischer Fördermaßnahmen ist bislang nur exemplarisch untersucht worden. Erste Ergebnisse weisen auf eine Änderungssensitivität der KKA für Interventionen wie regelmäßiges Bilderbuchlesen mit dem Kind, regelmäßige Spiele (Regelspiele wie Mikado oder Memory) mit erwachsenem Spielpartner und die Vermittlung der Grundübungen des Autogenen Trainings hin. Erste positive Befunde liegen auch für das Marburger Konzentrationstraining für Kindergarten- und Vorschulkinder vor (MKT; Krowatschek, Albrecht & Krowatschek, 2004), die jedoch auf Grund der sehr geringen Stichprobengröße von n = 12 äußerst vorsichtig interpretiert werden sollten.
 

Normierung

Für das Verfahren (KKA-Rohwerte) liegen Normen vor (T-Werte und Prozentrangwerte), die anhand einer umfassenden Stichprobe von N = 5.314 Kindern aus dem südwest- und südostdeutschen Raum sowie aus Luxemburg gewonnen wurden. Die Geschlechterverteilung in der Normstichprobe ist nahezu ausgewogen. Für die Gruppen der 3-, 4-, 5- sowie 6- bis 8-jährigen liegen getrennte Normen vor, wobei jede der Kohorten über 800 Kinder umfasst und die Verteilung der Kinder nach ihrem Alter relativ ausgewogen ist. Auf die Erstellung spezifischer Normen für die Geschlechtergruppen, für Kinder mit verschiedenen Primärsprachen sowie monolinguale und bilinguale Kinder wurde auf Grund der Befunde zur differenziellen Validität verzichtet. Die Normwerte beziehen sich auf Einzeltestungen. Auf Grund des enormen Aufwands wurde auf die Erstellung von Normen für Testserien verzichtet. Der Autor empfiehlt, im Falle der Durchführung von Testserien auf die altersgruppenspezifischen Normwerte für die Einzeldurchführung zurückzugreifen (Krampen, 2007, S. 72). Angaben zum Zeitpunkt der Datenerhebung für die Normierung sind im Manual nicht zu finden.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die KKA als ökonomisches Instrument zur Erfassung der kurzzeitigen, selektiven Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung bei Kindern der Vorschule und der ersten beiden Primarschulklassen kann - neben der Grundlagen- und der angewandten Forschung - in vielfältigen Kontexten eingesetzt werden. Die wesentlichen beiden Anwendungsschwerpunkte liegen in der Klinischen Kinderpsychologie und der Pädagogischen Psychologie. Hier kann die KKA als (1) Screeninginstrument, (2) zur remedialen Entwicklungsdiagnostik, (3) im Kontext der Frühdiagnostik und Frühförderung, (4) zur Schulreifediagnostik, (5) zur Evaluation von Förderungsmaßnahmen, (6) zur Kontrolle/zum Monitoring kritischer Entwicklungsverläufe, (7) zur ergänzenden differenzialdiagnostischen Abklärung sowie (8) ggf. auch als Instrument zur Korrektur fehlerhafter Einschätzungen von Eltern und Erziehungs-/Lehrkräften eingesetzt werden (Krampen, 2007, S. 37 f.). Krampen (ebd.) weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass die KKA möglichst ausschließlich im Rahmen einer multimethodalen Psychodiagnostik verwendet werden sollte. Für eine sorgfältige Diagnostik sollten die mit Hilfe der KKA ermittelbaren T-Daten stets um L-, L'- und Q-Daten ergänzt werden.
 

Bewertung

Mit der Kaseler-Konzentrations-Aufgabe für 3- bis 8-Jährige (KKA) liegt ein ökonomisches Verfahren zur Erfassung der kurzzeitigen, selektiven Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung von Vorschulkindern und Kindern der ersten beiden Klassen der Primarschule vor. Die KKA zeichnet sich insbesondere durch eine moderne, Gestaltung aus, indem aktuelle, zeitgemäße Symbole als Ziele für die Durchstreichaufgabe gewählt wurden. Eine weitere positiv zu wertende Besonderheit besteht darin, dass die Durchführungsanweisung für den Testleiter und die Instruktion neben dem Deutschen in weiteren Sprachen vorliegen. Hierdurch eröffnet sich die Möglichkeit für einen breiten Einsatz des Verfahrens in vielfältigen Kontexten. Wird der Empfehlung des Autors Folge geleistet und die Diagnostik auf die Erhebung der Leistungsmenge beschränkt, kann die KKA im Rahmen einer multidimensionalen Diagnostik, in der zusätzlich Q-, L- und L'-Daten erhoben werden, als ein valider, reliabler und vor allem ökonomischer und fairer diagnostischer Baustein eingestuft werden.
 

Literatur

  • Brickenkamp, R. (1962). Test d2. Aufmerksamkeits-Belastungs-Test. Göttingen: Hogrefe.
  • Brickenkamp, R. (2002). Test d2. Aufmerksamkeits-Belastungs-Test (9., vollständig überarbeitete und neunormierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Kastner-Koller, U. & Deimann, P. (1998). Der Wiener Entwicklungstest (WET). Ein allgemeines Entwicklungstestverfahren für Kinder von 3 bis 6 Jahren. Göttingen: Hogrefe.
  • Kastner-Koller, U. & Deimann, P. (2002). WET. Wiener Entwicklungstest. Ein Verfahren zur Erfassung des allgemeinen Entwicklungsstandes bei Kindern von 3 bis 6 Jahren (2., überarbeitete und neu normierte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Krampen, G. (2007). KKA. Kaseler-Konzentrations-Aufgabe für 3- bis 8-Jährige. Göttingen: Hogrefe.
  • Krowatschek, D., Albrecht, S. & Krowatschek, G. (2004). Marburger Konzentrationsstraining für Kindergarten- und Vorschulkinder (MKT). Göttingen: Hogrefe.
  • Raatz, U. & Möhling, R. (1971). Frankfurter Tests für Fünfjährige - Konzentration (FTF-K). Weinheim: Beltz.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Krampen, G. (2008). Kognitive Entwicklung bei 3- bis 8-Jährigen. Konzentrationsleistung und Übergang vom vor-operatorischen zum konkret-operatorischen Denken. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 40 (2), 79-86.
  • Krampen, G. (2009). Entwicklungsförderung bei Kindergartenkindern mit Konzentrationsschwächen: Vergleichende Untersuchungen unter Einbezug von Entspannungsverfahren. Entspannungsverfahren, 26 (26), 8-25.
 
 Meike Schnitger (15.01.2008)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Performance Tests; Test Norms; Pictorial Stimuli; Selective Attention; Concentration; Error Analysis

Klassische Testtheorie; Leistungstests; Testnormen; Bild-Stimuli; Selektive Aufmerksamkeit; Konzentration; Fehleranalyse

 weitere Schlagworte:

2007; Parallelformen; Durchstreichtests; ab 3 Jahre; bis 8 Jahre; Normierungs-/Untersuchungsjahr: keine Angaben
 Klassifikation:

Sensorisches und motorisches Testen; Aufmerksamkeit
Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Vigilanztests
4.3
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English, Luxemburgish, Portuguese, Russian, Turkish
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2007
 Änderungsdatum: 200910
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2019 ZPID