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Test-CD für die auditiven Funktionen

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9003938
 

AUDIVA-CD - Test-CD für die auditiven Funktionen (PSYNDEX Tests Review)

 

AUDIVA Auditory Functions Test Audio-CD/zpid

 Minning, S., Rosenkötter, H. & Minning, U.
 (1998). Test-CD für die auditiven Funktionen [Audio-CD mit Kurzanleitung und 2 Testbögen]. Lörrach: AUDIVA.

ISBN: 3-933250-06-4 (Audio-CD mit Begleitmaterial)

 Bezugsquelle: AUDIVA GmbH, Behlenstraße 3, D-79400 Kandern-Holzen (URL: http://www.audiva.de/).
Anmerkung: Seit 2003 liegen neue Normwerte vor. Hefte, Testbögen und Beschreibungen wurden überarbeitet.

 Adresse(n): o Uwe Minning, Geschäftsführer Audiva, Hören und Bewegen, Behlenstraße 3, D-79400 Kandern-Holzen ; E-Mail: info@audiva.de ; URL: http://www.audiva.de/ueber-uns.html ; Stand: 11.06.2012
o Dipl.-Logopädin Sabine Minning, Behlenstraße 3, D-79400 Kandern-Holzen
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Mit der Test-CD fuer die auditiven Funktionen laesst sich die auditive Wahrnehmungsfaehigkeit von Kindern im Vorschul- und Grundschulalter testen. Ziel ist die genaue Lokalisation von Defiziten, um diese einer gezielten Foerderung, z.B. durch Hoertraining, zugaenglich zu machen.


Aufbau:
Das Testverfahren setzt sich aus mehreren Tests in verschiedenen Bereichen zusammen, die auch unabhaengig voneinander angewendet werden koennen. Der erste Bereich enthaelt sprachfreie Tests (Rhythmisch-musikalischer Bereich): (1) Melodie summen, (2) Tonfolgen erkennen, (3) Tonhoehen unterscheiden, (4) Konsonanz/Dissonanz unterscheiden und (5) Rhythmus erkennen. Der zweite Bereich umfasst "Verbale Silben Tests" mit dem (7) Mottier-Test und dem (8) Wahrnehmungs Trennschaerfe Test (WTT), der in drei verschiedenen Varianten durchgefuehrt wird. Diese Tests dienen der Erfassung der akustischen Kurzzeitspeicherung und der Lautdiskrimination. Im dritten Bereich besteht das Testmaterial im wesentlichen aus Worten ("Verbale Wort Tests"): (9) Dichotischer Hoertest (prueft die Auswertung von akustischen Signalen pro Ohr), (10) Zahlentest (Kurzzeitspeicherung im Zahlwortbereich), (11) Laute verbinden und (12) Woerter ergaenzen (Testung der hoeheren Verarbeitungszentren fuer sprachliche Leistungen im kortikalen Bereich). Zur Abklaerung des Langzeitgedaechtnisses dienen die Tests (13) Saetze nachsprechen und (14) Geschichte nacherzaehlen. (15) Hochtonverstehen ab 4000 Hz kann helfen, eine zentrale Hoerstoerung zu identifizieren. Zusaetzlich kann der (16) WTT Teil 4 vorgegeben werden.


Grundlagen und Konstruktion:
Dem Hoeren kommt in vielerlei Hinsicht eine hohe Bedeutung zu. So sind zahlreiche Symptome wie Sprach- und Sprechstoerungen (Dysgrammatismus, Dyslalie etc.) oder Lernschwierigkeiten u.a. auf Probleme der auditiven Funktionen zurueckzufuehren. Indem die zugrundeliegende Hoerschwaeche mit Hilfe der auf der AUDIVA-CD gesammelten Tests identifiziert wird, koennen effektive Trainingsmassnahmen wie z.B. Lateraltraining oder Hochtontraining eingeleitet werden. Bei der Zusammenstellung der Tests wurde auf bereits vorhandene Testverfahren zurueckgegriffen (z.B. Mottier-Test, Dichotischer Hoertest), andere Verfahren leicht abgewandelt (z.B. WTT-Test und die Tests "Laute verbinden" und "Woerter ergaenzen", die aehnlich im Psycholinguistischen Entwicklungstest verwendet werden). Andere Verfahren wurden augenscheinlich neu entwickelt oder deren Herkunft wird nicht angegeben.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilitaet: Keine Angaben.
Validitaet: Die verwendeten Testverfahren besitzen inhaltlich-logische Gueltigkeit.
Normen: Eine eigene Normierung wurde nicht durchgefuehrt. Vereinzelt werden fuer einige Tests unter Berufung auf andere Autoren Normen oder Richtwerte angegeben (Mottier-Test, Wahrnehmungs Trennschaerfe Test, Dichotischer Hoertest, Zahlentest monoton).

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Mit der Test-CD fuer die auditiven Funktionen (AUDIVA-CD; Minning, Rosenkoetter & Minning, 1998) koennen auditive Perzeptionsstoerungen insbesondere von Kindern im Vorschul- und Grundschulalter diagnostiziert werden. Hierzu wurden gebraeuchliche und neue Testverfahren zu einem Gesamttest gestaltet und kindgerecht aufgearbeitet. So wird z.B. der Mottier-Test (Welte, 1981; vgl. PSYNDEX Tests -Dok.-Nr. 2589), ein Test zur Pruefung der Lautdifferenzierungsfaehigkeit und auditiven Merkfaehigkeit, verwendet. Andere Tests wurden an schon veroeffentlichte Verfahren angelehnt, einige neu entwickelt.
Dem Hoeren kommt in vielerlei Hinsicht eine hohe Bedeutung zu, nicht nur bezueglich der von Musik ausgeloesten Emotionen oder Bewegungen, sondern auch hinsichtlich verschiedenster Auffaelligkeiten im Kindesalter. Von AUDIVA, dem Institut fuer Hoeren und Bewegen (1999, S. 4) werden zahlreiche Symptome auditiver Wahrnehmungsprobleme wie Sprach- und Sprechstoerungen (Dysgrammatismus, Dyslalie etc.), Lernschwierigkeiten, unrein singen etc. genannt. Indem die zugrundeliegende Hoerschwaeche mit Hilfe der auf der AUDIVA-CD gesammelten Tests identifiziert wird, koennen effektive Trainingsmassnahmen wie z.B. Lateraltraining, Hochtontraining etc. angewendet werden (S. 10-12). Einerseits sollen hierdurch die emotionalen Voraussetzungen und die Motivation verbessert werden, andererseits auch funktionelle Sprachaspekte gefoerdert werden. So soll z.B. bei Patienten mit Sprach- und Sprechstoerungen (insbesondere Sprachentwicklungsverzoegerung) die neuronale Aktivierung durch das Hoertraining die therapeutische Behandlungszeit angeblich erheblich verkuerzen und qualitativ verbessern.
 

Testaufbau

Das Testverfahren setzt sich aus mehreren Tests zusammen, die auch unabhaengig voneinander angewendet werden koennen. Zu allen Tests gibt es mehr oder weniger ausfuehrliche Testbeschreibungen mit zusaetzlichen Erlaeuterungen u.a. zu moeglichen Trainingsmassnahmen. Bei allen Tests werden die Antworten waehrend der Durchfuehrung auf einem Testbogen markiert bzw. bei Richtigkeit abgehakt. Zusaetzlich koennen Auffaelligkeiten notiert werden. Vier Testbereiche werden unterschieden:
(I) Sprachfreie Tests - Rhythmisch-musikalischer Bereich (auch fuer Vorschulalter)
(1) Melodie summen: Es werden acht Takte mit 1-10 Toenen auf dem Klavier vorgespielt, die nachgesummt werden sollen.
(2) Tonfolgen erkennen: Es wird eine Tonfolge von drei gleichlangen Toenen in unterschiedlicher Reihenfolge vorgespielt. Das Kind soll auf einer graphischen Darstellung von drei moeglichen Tonfolgen diejenige herausfinden, die dem Vorgespielten entspricht. Dieser Test ist nur bei Kindern anzuwenden, die die Begriffe hoch/tief kennen.
(3) Tonhoehen unterscheiden: Tonhoehenunterscheidung stellt eine wichtige Voraussetzung fuer die Lautdifferenzierung dar (AUDIVA, Institut fuer Hoeren und Bewegen, 1999, S. 7).
(3a) Es werden je zwei Toene vorgespielt. Durch Handzeichen soll das Kind anzeigen, ob der zweite Ton tiefer oder hoeher war als der erste Ton (20 Items).
(3b) Es werden je zwei Toene vorgespielt (identisch mit 3a). Das Kind soll sagen, welcher der beiden Toene der hoehere war (erster - zweiter). Dieser Test ist nur bei Kindern einzusetzen, die die Begriffe hoch-tief und erster-zweiter kennen.
(4) Konsonanz/Dissonanz unterscheiden: Es werden 20 Klavierklaenge vorgespielt. Durch Handzeichen soll das Kind angeben, ob es den Klang schoen findet oder nicht, durch Schulterzucken signalisieren, dass es das nicht weiss. Mit diesem Test soll die emotionale Komponente in der Wirkung von Klaengen beruehrt werden.
(5a) Rhythmus erkennen: Es werden zunaechst drei Rhythmen mit je drei Trommelschlaegen, anschliessend drei Rhythmen mit je vier Trommelschlaegen vorgegeben. Dem Kind wird ein Bild mit der Darstellung von drei moeglichen Rhythmusfolgen vorgelegt, von denen es die passende auszuwaehlen hat.
(5b) Rhythmus erkennen: Es werden acht Rhythmen mit je drei Trommelschlaegen vorgespielt. Dem Kind wird ein Bild mit der Darstellung von acht moeglichen Rhythmusfolgen vorgelegt, von denen es die jeweils passende auszuwaehlen hat. Bei Bedarf kann die Pausentaste des CD-Players gedrueckt werden, wenn das Kind aus zeitlichen Gruenden Muehe hat, das jeweilige Bild zu erkennen.
(6) Rhythmus kontinuierlich nachklopfen (Synchronitaet): Es wird die Faehigkeit zur Integration einfacher motorischer Muster erhoben. Hierzu wird ein gleichmaessiger Takt durch Trommelschlaege vorgegeben. Das Kind soll den in sechs Stufen schneller werdenden Takt mit den Zeigefingern mitklopfen.

(II) Verbale Silben Tests: Bei diesen Tests ist darauf zu achten, dass die Laute beim Kind alle vorhanden sind.
(7) Mottier-Test: Der Test dient der Erfassung der akustischen Kurzzeitspeicherung und der Lautdifferenzierung. In fuenf Bloecken werden je sechs zunehmend laenger werdende sinnfreie Woerter vorgesprochen. Diese sind vom Kind nachzusprechen.
(8) Wahrnehmungs Trennschaerfe Test (WTT): Mit dem WTT soll die Lautdiskrimination geprueft werden. Es ist Aufgabe des Kindes, sinnfreie Woerter nachzusprechen. Der Test besteht aus drei Teilen, die verschiedene Bedingungen und Schwierigkeitsgrade repraesentieren. In jedem Teil werden die Woerter zunaechst ohne Stoerungen vorgegeben, anschliessend in veraenderter Reihenfolge mit unterlegtem Rauschen. Bei jedem Teil kann beim rauschfreien Test spaetestens nach dem 8. Item auf den Track mit Maskierung umgeschaltet werden, sollte die rauschfreie Vorgabe zu einfach sein.
(8a) WTT Teil 1: Es werden 32 dreisilbige Woerter abwechselnd von links und von rechts zum Nachsprechen vorgesprochen. Im zweiten Durchgang werden diese mit einem Hintergrundgeraeusch unterlegt.
(8b) WTT Teil 2: Es werden 16 Items vorgegeben, die aus je zwei dreisilbigen sinnfreien Woertern bestehen. Die Items werden abwechselnd in jedes Ohr gesprochen. Im ersten Durchgang werden die Items ohne Rauschen, im zweiten Durchgang wiederum mit Rauschen vorgegeben.
(8c) WTT Teil 3: Es werden aehnlich wie im WTT-Teil 2 jeweils zwei Woerter vorgegeben, allerdings ins linke und rechte Ohr gleichzeitig verschiedene Woerter, und im zweiten Durchgang unter Zuschaltung des Hintergrundrauschens.
Der WTT kann auch bei erwachsenen Patienten (z.B. Aphasikern) eingesetzt werden, um herauszufinden, wie die Schreibleistung bei Worten vom linken oder rechten Ohr differiert. Aufgabe waere es dann, die vorgesprochenen Woerter aufzuschreiben statt nachzusprechen.

(III) Verbale Wort Tests
(9) Dichotischer Hoertest: Durch diesen Test soll festgestellt werden, ob der Patient beide Ohrsignale gleich gut auswertet. Es werden 25 zweisilbige Wortpaare gleichzeitig ueber Kopfhoerer praesentiert, wobei ein Wort links, das andere rechts zu hoeren ist. Aufgabe ist es, beide Woerter zu nennen. Dieser Test liegt in zwei Fassungen (eine fuer Kinder, die andere fuer Jugendliche und Erwachsene) vor, die sich durch die vorgegebenen Begriffe unterscheiden. Eine Testwiederholung sollte fruehestens nach sechs Wochen erfolgen.
(10) Zahlentests: Die Zahlentests werden zur Ueberpruefung der Kurzzeitspeicherung im Zahlwortbereich eingesetzt. Sie sollen nur eingesetzt werden, wenn das Kind die Zahlwoerter von 1-10 (vorzaehlen lassen) kennt.
(10a) Zahlentest monoton: Es werden dem Kind einzelne Ziffern in monotoner Sprechweise vorgesprochen, die es nachsprechen soll. Die Anzahl der Ziffern wird stufenweise erhoeht (insgesamt sieben Bloecke vier Zahlenfolgen, ansteigend von zwei Ziffern zu acht Ziffern).
(10b) Zahlentest betont: Dieser Test aehnelt dem vorhergehenden, allerdings werden die vier Bloecke (4, 6, 8 und 10 Ziffern) mit je vier Zahlenfolgen betont und gruppiert vorgesprochen, wodurch das Merken erleichtert wird.
Die beiden folgenden Tests (Laute verbinden, Woerter ergaenzen) pruefen insbesondere die hoeheren Verarbeitungszentren fuer sprachliche Leistungen im kortikalen Bereich. Falls die vorausgegangenen Tests bereits erhebliche Defizite aufgezeigt haben, muessen diese Tests nicht angewendet werden.
(11) Laute verbinden: Dieser Test ueberprueft die Synthese- und Integrationsfaehigkeit. Es werden 10 Woerter vorgesprochen, wobei in jedem Wort eine lange Pause eingebaut ist. Das Kind hat die Aufgabe, das gemeinte Wort richtig auszusprechen.
(12) Woerter ergaenzen: Mit diesem Test sollen Organisationsprozesse der Integration geprueft werden. Es werden 20 Woerter vorgesprochen, in denen jeweils mindestens ein Buchstabe fehlt. Das Kind soll das gesamte Wort richtig aussprechen.
(13) Saetze nachsprechen: Zur Ueberpruefung der Langzeitspeicherung soll das Kind Saetze, die aus einer zunehmenden Wortzahl bestehen, nachsprechen. Je nach Alter des Kindes werden mehr und laengere Saetze vorgesprochen.
(14) Geschichte nacherzaehlen: Dieser Test dient ebenfalls zur Abklaerung des Langzeitgedaechtnisses sowie zur Testung von Serialitaet und sprachlichem Ausdruck. Es wird dem Kind eine kurze Geschichte erzaehlt, die es so genau wie moeglich wiedergeben soll. Durch gezieltes Nachfragen zum Inhalt kann erkundet werden, was dem Kind noch im Gedaechtnis ist.
(15) Hochtonverstehen ab 4000 Hz: Dieser Test kann helfen, eine zentrale Hoerstoerung zu identifizieren. Es werden 15 Woerter vorgesprochen, bei denen Frequenzen unter 4000 Hz abgedaempft werden. Der Proband soll die Woerter nachsprechen.

(IV) Zusaetzliche Tests
(16) WTT Teil 4: Entsprechend dem WTT Teil 3 werden jeweils zwei sinnfreie Woerter dichotisch vorgegeben, allerdings mit dem Unterschied, dass eine Seite immer mit einem Vokalteil Vorsprung (genau 200 ms) beginnt. Das Kind hat die Woerter nachzusprechen.
 

Auswertungsmodus

Es wird pro Test die Anzahl der richtigen Antworten summiert. Bei den meisten Tests wird jede richtige Antwort als ein Punkt gewertet. Bei einigen Tests (z.B. Dichotischer Hoertest) werden auch halbe Punkte vergeben. Soweit notwendig, werden in der Beschreibung Beispiele zur Auswertung aufgefuehrt. Zusaetzlich wird oftmals angeregt, bei Fehlern die Art des Fehlers zu kennzeichnen. Z.B. kann beim Subtest "Melodie summen" durch Pfeile angedeutet werden, ob ein Ton zu hoch oder zu niedrig nachgesummt wurde. Der Test "Geschichte nacherzaehlen" wird qualitativ ausgewertet, indem auf Auffaelligkeiten geachtet wird. Richtlinien zur objektiven Auswertung gibt es hier nicht.
 

Auswertungshilfen

Auf dem Testbogen sind die richtigen Antworten vorgegeben, so dass zur Auswertung nur noch ein Zusammenzaehlen stattzufinden hat. Bei einigen Tests werden Richtwerte zur Interpretation der Ergebnisse angegeben.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung der gesamten Testbatterie duerfte ca. 15 Minuten erfordern.
 

Itembeispiele

Anmerkung: Angegeben werden Itembeispiele nur insoweit, als sie hier wiedergegeben werden koennen.
(7) Mottier-Test:
1. Block (Wort 1): rela
2. Block (Wort 1): kapeto
3. Block (Wort 1): pikatura
4. Block (Wort 1): katopinafe
5. Block (Wort 1): pekatorisema
(8) Wahrnehmungs Trennschaerfe Test (WTT)
Teil 1 (Item 1) AFI (links) - OTE (rechts)
maskiert (1) OTI (links) - EWO (rechts)
Teil 2 (Item 1) EFA OPI (links); maskiert: ITO UDI
(Item 2) AFO ETI (rechts); maskiert: AKI EDO
(9) Dichotischer Hoertest
Kinder (Item 1) Kirschbaum (links) - Eisbaer (rechts)
Jugendliche und Erwachsene (Item 1) Postamt (links) - Weisswein (rechts)
(10a) Zahlentest monoton
1. Block: 51, 76, 83, 42
(10b) Zahlentest betont:
1. Block: 83 71, 50 69, 73 28, 31 57
(11) Laute verbinden
Beispielitem: N-ase
(12) Woerter ergaenzen
Beispielitems: Zie-e (Ziege); Ei-en-ahn (Eisenbahn)
(13) Geschichte nacherzaehlen
"Es war einmal ein Junge. Er war krank..."
(14) Hochtonverstehen
(1) Sonne, (2) Tasse
 

Durchführung

 

Testformen

Das Verfahren ist als Einzeltest durchzufuehren.
 

Altersbereiche

Kinder im Vorschul- und Grundschulalter. Die Anwendung fuer Jugendliche und Erwachsene ist ebenfalls moeglich.
 

Durchführungszeit

Der gesamte Test erfordert mehrere Stunden.
 

Material

Die Audio-CD fuer die auditiven Funktionen (Minning et al., 1998) kann samt Begleitmaterial und Testboegen bezogen werden. Daneben ist ein CD-Player mit regelbarem Kopfhoereranschluss mit ohrumschliessenden Polstern sowie ein separater Kopfhoerer zum Mithoeren noetig. Dieser kann um den Hals gelegt werden, um sowohl die muendlichen Instruktionen per CD als auch die Antworten des Probanden zu hoeren. Der Kontrollkopfhoerer kann auch - wenn vorhanden - ueber Hoertrainingsgeraete betrieben werden. Als optimal wird der Kopfhoerer HD 265 linear empfohlen.
 

Instruktion

Die Instruktion erfolgt muendlich durch Ansagen auf der CD.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Die Testung kann durch paedagogisch geschultes Personal durchgefuehrt werden. Der Test sollte in einer ruhigen Atmosphaere und ohne Ablenkung auf anderen Sinnen durchgefuehrt werden. Stoerungen durch andere Personen sollen vermieden werden. Es sollten wegen der zu starken Aufmerksamkeitsbelastung nicht alle Subtests in einer Sitzung durchgefuehrt werden. Bei einzelnen Tests sind vor der Testdurchfuehrung intellektuelle Voraussetzungen des Probanden zu testen (z.B. Zaehlen von 1-10 etc.).
 

Testkonstruktion

Zu den meisten verwendeten Tests fehlen Angaben zur Konstruktion voellig (z.B. zu den sprachfreien Tests), bei anderen Tests lassen sich einige Informationen indirekt entnehmen. Der Mottier-Test (Welte, 1981, vgl. auch PSYNDEX Tests -Dok.-Nr. 2589) geht auf Grete Mottier zurueck, die der Frage nachgehen wollte, ob bei Lese- und Schreibstoerungen auch sprachliche Ausfaelle auftreten, um entsprechende Behandlungsmassnahmen einleiten zu koennen. Der Wahrnehmungs Trennschaerfe Test (WTT) orientiert sich augenscheinlich am WTT-Test von Warnke. Im Gegensatz zu Warnke werden jedoch keine Stimmen als Stoergeraeusch verwendet, weil einige Kinder deren Analyse den Silben vorzogen. Statt dessen wird ein inhaltsfreies hoerschwellengefiltertes weisses Rauschen zur Maskierung der sinnfreien Woerter benutzt (Minning et al., 1998, S. 5). Nachdem sich ergab, dass durch die rein dichotische Vorgabe im WTT Teil 3 eine zu starke Belastung fuer die Wahrnehmung entstand, wurde mit dem WTT Teil 4 ein teildichotischer Test entwickelt, in dem jeweils eine Seite mit einem Vorsprung von 200 ms beginnt (Minning et al., 1998, S. 7).
Der Dichotische Hoertest fuer Kinder und der Dichotische Hoertest fuer Erwachsene wurden von Neukomm (o.J.; vgl. PSYNDEX Tests -Dok.-Nr. 3660 und 3659) uebernommen. Im Gegensatz zu Dr. Uttenweiler wird der Test in einem Durchgang dichotisch durchgefuehrt und es werden nicht einleitend die Wortreihen erst links und dann rechts angeboten, um Lerneffekte auszuschliessen (Minning et al., 1998, S. 6).
Die Tests "Laute verbinden" und "Woerter ergaenzen" entsprechen in ihrer Aufgabenstellung den von Angermaier (1977) im Psycholingustischen Entwicklungstest (PET) verwendeten Tests (vgl. PSYNDEX Tests -Dok.-Nr. 0368).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Aufgrund der Durchfuehrung des Tests mittels Audio-CD kann die Durchfuehrungsobjektivitaet als gegeben angenommen werden. Allerdings wird dem Testleiter bei einigen Tests die Moeglichkeit eingeraeumt, die CD anzuhalten und dem Probanden laengere Antwortzeiten zu ermoeglichen. Ob dies der objektiven Durchfuehrung abtraeglich ist, ist offen. Die Auswertung ist objektiv, da bei fast allen Tests die richtigen Antworten eindeutig identifizierbar sind und genaue Richtlinien zur Auswertung vorliegen. Die Interpretationsobjektivitaet ist aufgrund fehlender Normen bei den meisten Tests nicht gegeben.
 

Reliabilität

Keine Angaben.
 

Validität

Angaben zur Validitaet fehlen. Den meisten Tests ist aber inhaltlich-logische Validitaet zuzusprechen.
 

Normierung

Eine Normierung wurde nicht durchgefuehrt. Zur Erhebung von Normen werden die Anwender gebeten, Patientendaten zu sammeln und den Autoren zur Veroeffentlichung zur Verfuegung zu stellen. Hierzu sollen bestimmte Tests verbindlich durchgefuehrt werden und einige der Subtests an mindestens fuenf normalhoerenden und nicht fehlhoerigen (im Mottier unauffaelligen Kindern) durchgefuehrt werden (Minning et al., 1998, S. 2).
Fuer den Mottier-Test werden in Berufung auf Welte (1998) altersgetrennte Normen in Jahresabstaenden fuer Kinder von 5-12 Jahren angegeben, ausserdem eine Norm fuer ueber 12-jaehrige. Fuer den WTT wird auf Normen aus dem WTT-Test von Warnke (ohne Literaturangabe) verwiesen, allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass angesichts von veraendertem Testaufbau und -durchfuehrung (Stoergeraeusche aus Rauschen statt Stimmen) neue Werte erhoben werden muessten. Fuer den Dichotischen Hoertest werden Normen fuer Kinder (5-7 Jahre und 8 und aelter) nach Rosenkoetter (1998) angegeben, die die maximale Fehlerzahl normalen Hoerens angeben (Minning et al., 1998, S. 6). Beim Zahlentest (monoton) wird in Anlehnung an Kramer (ohne Literaturangabe) das Durchschnittsalter fuer die Laenge der Zahlenfolgen angegeben (z.B. ab 4 Jahre 3 Ziffern etc.; Minning et al., 1998, S. 8).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die Test-CD fuer die auditiven Funktionen umfasst verschiedene sprachfreie sowie verbale Silben- und verbale Worttests. Sie richtet sich primaer an Kinder im Vorschul- und Grundschulalter zur Ueberpruefung verschiedener Bereiche auditiver Wahrnehmung. Die Testbatterie kann zur Diagnose auditiver Wahrnehmungsprobleme herangezogen werden, die z.B. Symptomen wie dem Dysgrammatismus, der Lese-Rechtschreib-Schwaeche (LRS), der Schwerhoerigkeit und weiteren Problemen zugrundeliegen koennen (AUDIVA, Institut fuer Hoeren und Bewegen, 1999, S. 4). Sie kann im Rahmen der Logopaedie, Ergotherapie, Sprachheilpaedagogik oder auch in Sonder-/Foerderschulen sowie (kinder-)aerztlichen Praxen eingesetzt werden. Ziel ist die Abklaerung spezifischer Schwaechen, die anschliessend durch gezielte Trainingsmassnahmen aufzufangen sind. So kann z.B. bei multipler Dyslalie die Lautbildung durch die Einbeziehung von Hoertrainings erheblich verbessert werden, da der artikulatorische Regelkreislauf erleichtert wird (S. 14). Auch Verlaufsuntersuchungen zum Beispiel zur Therapieerfolgskontrolle sind mit den auf der AUDIVA-CD gespeicherten Tests moeglich.
 

Bewertung

Mit der AUDIVA-CD, die eine Vielzahl verschiedener Tests enthaelt, koennen auditive Perzeptionsstoerungen insbesondere bei juengeren Kindern diagnostiziert werden. Leider wird die Zusammenstellung der Tests nicht begruendet. So bleibt z.B. unklar, was genau mit den sprachfreien Tests geprueft wird bzw. welcher tiefere Sinn hinter diesen Tests steht. Zu keinem der Tests wird die Testkonstruktion erlaeutert, so dass der Anwender nicht beurteilen kann, ob und wenn ja welche theoretischen oder empirischen Grundlagen den Tests zugrunde liegen. Auch fehlen Angaben zu den Guetekriterien voellig, wenn auch den meisten Tests zumindest inhaltlich-logische Validitaet zugesprochen werden kann. Schwerwiegend ist ausserdem die fehlende Normierung der Tests, so dass keine Interpretationshilfen der Testergebnisse zur Verfuegung stehen. Zwar werden vereinzelt Normen angegeben, allerdings bleiben Details zu deren Erhebung (z.B. Jahr der Normierung, Stichprobencharakteristika) weitestgehend im Dunkeln. Ausserdem beziehen sich die Normen zum Teil - wie im Falle des WTT - auf ein in Aufbau und -durchfuehrung differierendes Testverfahren, so dass sie schon aus diesem Grunde nicht anwendbar sind. Eine Normierung soll im Nachhinein dadurch stattfinden, dass Testergebnisse an AUDIVA geschickt werden. Es ist Lauer (1999, S. 48) zuzustimmen, dass diese Vorgehensweise keine klar eingegrenzten Bedingungen gewaehrleisten kann, wie sie fuer eine Testnormierung zu fordern waeren. Weitere Maengel, wie z.B. fehlende oder unvollstaendige Literaturangaben, machen die AUDIVA-CD zu einem nur bedingt zu empfehlenden Instrument. Unabhaengig von der nicht nachgewiesenen wissenschaftlichen Fundiertheit der einzelnen Tests kann der Einsatz aufgrund der fehlenden Normierung nur erfahrenen Anwendern empfohlen werden, die mittels ihres Erfahrungsschatzes in der Lage sind, die Testergebnisse zu interpretieren.
 

Literatur

  • Angermaier, M. (1977). Psycholinguistischer Entwicklungstest (2., korrigierte Auflage). Weinheim: Beltz.
  • AUDIVA, Institut fuer Hoeren und Bewegen. (1999). Therapiegrundlagen. Testverfahren zur Diagnose und Therapiemethoden zur Steigerung der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung. Loerrach: Audiva.
  • Minning, S., Rosenkoetter, H. & Minning, U. (1998). Test-CD fuer die auditiven Funktionen. Loerrach: Audiva.
  • Neukomm, E. (o.J.). Dichotischer Hoertest fuer Kinder (Audiokassette mit Kurzanleitung). Basel: Neukomm-Elektroakustik.
  • Neukomm, E. (o.J.). Dichotischer Hoertest fuer Erwachsene (Audiokassette mit Kurzanleitung). Basel: Neukomm-Elektroakustik.
  • Lauer, N. (1999). Audiva, Institut fuer Hoeren und Bewegen (Hrsg.), Test-CD fuer die auditiven Funktionen. Audio-CD mit Anleitung und Testboegen (Rezension). Forum Logopaedie, Heft 2, S. 48.
  • Rosenkoetter, H. (1998). Praktische Diagnostik der auditiven Wahrnehmung. In H. Rosenkoetter, S. Minning & U. Minning (Hrsg.), Auditive Wahrnehmung und Hoertraining - 2. Arbeitstagung, 11./12. Oktober 1997 (S. 24-35). Loerrach: AUDIVA.
  • Welte, V. (1981). Der Mottier-Test, ein Pruefmittel fuer die Lautdifferenzierungsfaehigkeit und die auditive Merkfaehigkeit. Sprache-Stimme-Gehoer, 5, 121-125.
  • Welte, V. (1998). Diagnostik der auditiven Perzeptionsstoerung in der Phoniatrie. In H. Rosenkoetter, S. Minning & U. Minning (Hrsg.), Auditive Wahrnehmung und Hoertraining - 2. Arbeitstagung, 11./12. Oktober 1997 (S. 13-23). Loerrach: AUDIVA.
 

Rezensionen

  • Lauer, N. (1999). Audiva, Institut für Hören und Bewegen (Hrsg.), Test-CD für die auditiven Funktionen. Audio-CD mit Anleitung und Testbögen. Forum Logopädie, Heft 2, S. 48.
 
 Jutta Wolff (01.02.2000)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Speech and Hearing Measures; Subtests; Test Norms; Psychophysical Measurement; Words (Phonetic Units); Audiology; Auditory Discrimination; Dichotic Stimulation; Ear Disorders; Hearing Disorders; Word Recognition

Sprech- und Hörtests; Untertests; Testnormen; Psychophysikalische Messung; Wörter; Audiologie; Auditive Diskrimination; Dichotische Stimulation; Ohrenkrankheiten; Hörstörungen; Worterkennen

 weitere Schlagworte:

1998; Logopädie; Sprachfreie Tests; Verbale Silben Tests; Verbale Wort Tests; Einzeltests: Mottier-Test; Dichotischer Hörtest für Kinder; Dichotischer Hörtest für Jugendliche und Erwachsene; Dichotischer Wahrnehmungstrennschärfetest mit Sinnlos-Silben; Wahrnehmungstrennschärfetest in 3 Schritten mit Sinnlos-Silben; Langzeitspeicherung: Sätze nachsprechen, Geschichte nacherzählen; Kurzzeitspeicherung: Nonsense-Silben; Zahlen nachsprechen; Laute verbinden; Wörter ergänzen; Hochtonverstehen (Wörter); Tonhöhenunterscheidung (Klavier); Tonfolgeerkennung (Klavier); Rhythmuserkennung; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2003
 Klassifikation:

Sensorisches und motorisches Testen; Auditive Wahrnehmung und Sprachwahrnehmung
Verfahren zur Erfassung des Hörvermögens
5.5
 Anwendungstyp: Remedial Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Other Test Materials (90; 95)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 1998
 Änderungsdatum: 200411
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2019 ZPID