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Baumtest nach Koch

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9001010
 

BT-K - Baumtest nach Koch (PSYNDEX Tests Review)

 

Tree Test (Koch)/zpid
Synonym(e): Baumzeichentest; Baumzeichenversuch

 Koch, K.
 (1949). Der Baumtest. Der Baumzeichenversuch als psychodiagnostisches Hilfsmittel. Bern: Huber.

Bibliotheksstandort: Testsammlung Psychologie Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek: PT 499 (9. Auflage 1997)
Preis: 36,95 Euro (Stand: 24.10.2015)

 Bezugsquelle: Testzentrale Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen ; E-Mail: testzentrale@hogrefe.de ; URL: info@testzentrale.de ; Stand: 1.11.2019.
Anmerkung: Das Testhandbuch ist 1997 in 10. Auflage erschienen.

 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Autor sah den Baumtest als Entwicklungstest, doch wurde dieses Verfahren auch zur Feststellung emotionaler Spätentwicklungen bei Kindern mit Verhaltensstörungen und Erziehungsschwierigkeiten eingesetzt. Er fand auch in der Persönlichkeitspsychologie, der Charakterologie, der Psychopathologie und als Verfahren zur Veranschaulichung von Krankheitsbildern in der Klinik Verwendung. Das Verfahren wurde außerdem im Forschungsbereich eingesetzt, z.B. beim Vergleich chronisch Schizophrener mit akut Schizophrenen, beim Vergleich verschiedener rheumatischer Erkrankungen, zur Untersuchung von Perseverationstendenzen bei Hirnverletzten, zu typischen Charaktereigenschaften bei Suizidenten, zum Einfluss des Fernsehens auf die produktive Phantasie des Kindes, in der Kulturanthropologie und bei anderen Fragen.


Aufbau:
Die einfachste Testinstruktion lautet nach Koch: "Zeichne einen Obstbaum!". Bei der Auswertung werden sowohl der Gesamteindruck als auch insgesamt 58 graphische Merkmale beschrieben. Diese Merkmale können je nach Autor und Untersuchung unterschiedlich sein. Sie werden wiederum charakterologischen Merkmalen zugeordnet.


Grundlagen und Konstruktion:
Emil Juncker hatte schon 1928 die Idee, die Baumzeichnung als diagnostisches Hilfsmittel in der Berufsberatung zu verwenden. 1949 übernahm Koch das Thema für eine diagnostisch relevante Zeichnung, was er aus der Kulturgeschichte des Baumes begründete.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Reliabilität kann aufgrund der Tatsache, dass bei verschiedenen Zeichnungen in zeitlichen Abständen verschiedene Ergebnisse erwartet werden, nicht sinnvoll bestimmt werden.
Validität: Angaben von Koch, wie der Zusammenhang Merkmal - Deutung, bzw. Interpretation zustande kommt, fehlen. In verschiedenen Studien zeigte sich nur ein geringer Zusammenhang zwischen verschiedenen Merkmalen der Zeichnung und (schwacher) Begabung, sowie Alkoholismus. Auch im differentialdiagnostischen Bereich sind die gefundenen Zusammenhänge als schwach einzustufen.
Normen: Es existieren für fast alle Merkmale in 2 641 Zeichnungen Häufigkeitstabellen. Normen im engeren Sinne liegen damit jedoch nicht vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Wie Sehringer (1983) deutlich macht, gibt es etwa seit 100 Jahren Bemühungen, Zeichnungen psychodiagnostisch zu erschließen und ihre Inhalte für psychologische Fragestellungen verwertbar zu machen. Von Koch wurde ab 1949 der Baum als Thema für eine diagnostisch relevante Zeichnung herangezogen. Koch begründet dies aus der Kulturgeschichte des Baumes; dieser sei ein Symbol für den Menschen, der Baum gelte als Sitz der Seele (Koch, 1986, S. 15). Nach Ave-Lallemant (1980, S. 9) kann "sich im 'Bild' des Baumes in Träumen und Zeichnungen die Eigenart des individuellen Selbst eines Menschen widerspiegeln". Dabei wird eine "möglichst individuelle und dabei tieflotende Diagnostik" angestrebt (S. 10).
Die hinter dem Verfahren stehende Persönlichkeitstheorie wird von Koch nicht explizit genannt, doch taucht insbesondere Jung als Repräsentant der geisteswissenschaftlichen Persönlichkeitspsychologie auf.
 

Testaufbau

Die einfachste Testinstruktion lautet nach Koch (1986, S. 23): "Zeichne einen Obstbaum!".
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung besteht in einer Beschreibung des Baumes, die sich am Gesamteindruck und bei Koch (1986) an insgesamt 58 graphischen Merkmalen ausrichtet. Die Merkmale können je nach Autor und Untersuchung unterschiedlich sein. Nach der Identifizierung der verschiedenen Merkmale erfolgt eine Zuordnung zu charakterologischen Merkmalen. Der Bezug zwischen den beiden Ebenen wird aber nicht erläutert.

Als "Auswirkungs- und Hinweissymptome" nennt Koch (1986, S. 41):
a) Störungen in der Verankerung des Baumes (wurzelförmig gestaltete Stammbasis; unverhältnismäßig lange, offene Wurzeln; angeklebte Wurzeln, Lötwurzeln, Strichwurzeln; Stammbasis geht direkt in Bodenlinie über; Stamm wie ein Stock in den Boden gesteckt; fehlende Grundlinie, Grundlinie erhöht);
b) Störungen der Stammgestaltung (Parallelstamm; Stamm nicht gestaltet, nur Stammkontur);
c) Störungen beim Abgang der Äste vom Stamm;
d) Störungen in der Kronengestaltung (viel zu große Krone im Verhältnis zum Stamm; unkoordinierte Äste bzw. Kronenelemente; überlange, im Raum herumflatternde Äste; plumpe, formlose Äste; Astenden ausgefranst, abgestumpft, blattartig; klobige Auftreibungen bzw. Verengungen im Astwerk; Krone nicht gestaltet).
Der Wittgenstein-Index setzt die Höhe des Baumes in Millimeter in Beziehung zum Alter des Zeichners (Koch, 1986, S. 45 ff.).

Städeli (1954) unterscheidet Kardinalsymptome und Hinweissymptome und beschreibt ihren Bezug zu neurotischen Störungen.
 

Auswertungshilfen

Zahlreiche Beispielzeichnungen und einige ausführlich dargestellte Beispielfälle bei Koch (1986) verdeutlichen Anliegen des Baumtests und Bewertung der Baumzeichnung. Eine Übersicht zeigt die Entwicklung der Baumzeichnung vom 3. bis zum 9. Lebensjahr.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung nimmt nicht viel Zeit in Anspruch.
 

Itembeispiele

Beispielzeichnungen können nicht wiedergegeben werden. Auszug aus den Bewertungskriterien:

"Die geritzte, borkige, raue, rissige Oberfläche (Rinde):
- Strich: spitzig, eckig, kantig, gerade, zackig: Empfindlichkeit; Verletzlichkeit; bissig, raubauzig; 'Haare an den Zähnen'; 'raue Schale'; struppig, ruppig, rau; bockig, stachelig; Beobachtungsgabe; eindrucksempfänglich; beeindruckbar; reagibel; sensibel; aufbrausend; heftig; cholerisch; kritisierend; nörgelnd
- Strich: kurvig, rund, bogenförmig: leichte Kontaktfähigkeit, Kontaktbedürfnis, Anpassungswilligkeit, gewinnend
- Fleckige Oberfläche: Traumen (viel durchgemacht); Unklarheit; Selbstbefleckung (Einzelbeobachtung); das Merkmal ist häufig als bloß dekoratives Element zu werten; flockige Oberfläche; morbid, 'unsauber'
- Linksschattierung: leicht träumerischer Einschlag, leicht introversive Neigung, mäßige Empfindlichkeit und Verwundbarkeit, Hemmungen, Äußerungsunlust; wenn steif: Mangel an Beweglichkeit, steif, unfrei, schulmäßig
- Rechtsschattierung: Kontaktfähigkeit, Anpassungswilligkeit
Im Allgemeinen wechseln Links- und Rechtsschattierung bei demselben Zeichner rasch. Das Merkmal hat wenig Konstanz, vor allem im Pubertätsalter nicht. Wo die Oberflächenbeschaffenheit keine einigermaßen klare Bilder gibt, wie etwa bei Übergängen von Rindenzeichnungen zur Dunkelfärbung, übe man Zurückhaltung im Deuten (...) Die Rindenzeichnungen sind ihrer Bedeutung nach ähnlich wie entsprechende Ausprägungen in der Natur, wo Erfahrung und Wissenschaft bestätigen, dass raue und zerklüftete Rinden den Blitz viel stärker anziehen als glatte, die bei Regen einen Blitzableiter durch das rasch geerdete Wasser bilden." (Koch, 1962, S. 135).
 

Durchführung

 

Testformen

Das Verfahren kann als Einzel- oder Gruppentest eingesetzt werden. Matzner (1977, S. 1) verwendet die Abkürzung BZT (Baumzeichentest) bzw. BZV (Baumzeichenversuch). Bezüglich der Instruktion und der Bewertungskategorien liegen zahlreiche Varianten vor. So beschreiben Waser (1986) in Anschluss an Corboz und Gnos (1980) einen Dreibaumtest zur Beziehungsdiagnostik, Biermann und Kos-Robes (1986) eine Zeichentest-Batterie "Baum - Mensch - Verzauberte Familie" usw. Übersetzungen bzw. Varianten liegen in verschiedenen Sprachen vor (Bernet, 1971; Gaffuri, 1970; Stora, 1963; Welman, 1968).
 

Altersbereiche

Das Verfahren ist frühestens ab ca. 3 Jahren einsetzbar.
 

Durchführungszeit

Durchschnittlich ist mit 5-10 Minuten zu rechnen, wobei die Testdauer sehr variieren kann. Eine Zeitgrenze für die Bearbeitung ist nicht vorgesehen.
 

Material

Notwendig sind ein Papierbogen DIN A4, ein (weicher) Bleistift, eine glatte Unterlage und ein Radiergummi.
 

Instruktion

Eine schriftliche Instruktion liegt vor, es sind aber selbst bei Koch (1986, S. 123) verschiedene Varianten vorhanden (z.B. "Zeichne einen Obstbaum, du darfst das ganze Blatt benutzen!", "Zeichnen Sie bitte einen Obstbaum, so gut Sie es können" oder für den zweiten Baum: "Zeichne einen anderen Baum als den ersten, auf jeden Fall eine Astkrone", wenn zuerst eine Kugelkrone ohne Äste gezeichnet wurde).
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Testleiter muss mit dem Verfahren vertraut sein. Er sollte den Entstehungsprozess der Zeichnung genau beobachten, Äußerungen protokollieren sowie Radierungen festhalten. Die inhaltliche Interpretation setzt Einverständnis mit dem theoretischen Hintergrund und intensive Vertrautheit mit dem Verfahren voraus.
 

Testkonstruktion

Die Idee, die Baumzeichnung als diagnostisches Hilfsmittel zu verwenden, stammt von Emil Jucker, der ca. ab 1928 in der Berufsberatung im Kanton Zürich Bäume zeichnen ließ und sie intuitiv deutete (Koch, 1986, S. 22). Die erste Veröffentlichung durch Koch erschien 1949. Ihr folgten bald Neuauflagen (2., umgearbeitete Auflage 1954, 3.-8. Auflage 1957, 1962, 1967, 1972, 1976, 1986). In die statistischen Unterlagen von Koch gingen insgesamt 2641 Zeichnungen ein, darunter Arbeiten von 255 Kindergartenkindern (255 Zeichnungen), 582 Knaben der 1.-8. Primarklasse und 1.-3. Sekundarklasse (1184 Zeichnungen) sowie von 601 Mädchen des gleichen Alters (1202 Zeichnungen; siehe auch unter "Normierung"). Angegeben werden Häufigkeiten für einzelne Merkmale (Strichstamm, Strichast, Strichasteinschläge usw.), Größenverhältnisse (Verhältnis von Stammhöhe zu Kronenhöhe, Kronenbreite zur Kronenhöhe usw.).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Untersuchungen zum Ausmaß der Übereinstimmung von verschiedenen Auswertern liegen nicht vor.
 

Reliabilität

Da jede Zeichnung etwas Einmaliges ist, bei verschiedenen Zeichnungen in zeitlichen Abständen entsprechend einer seelischen Entwicklung geradezu verschiedene Ergebnisse erwartet werden, ist die Reliabilität im Sinne der Klassischen Testtheorie nicht sinnvoll bestimmbar. Untersuchungen von Konttinen und Karila (1969) zum Einfluss der Simulation von Intro- und Extraversion sowie die Replikationsuntersuchung von Matzner (1977) an einem Alkoholikerkrankengut betreffen die Zuverlässigkeit nur am Rande.
 

Validität

Von Koch (1986) wird die Frage der Gültigkeit nur am Rande behandelt, so im Zusammenhang mit Baumzeichen-Hypnoseversuchen. Angaben, wie der Zusammenhang Merkmal - Deutung bzw. Interpretation zustande kommt, fehlen.

Nach den Untersuchungen von Bönner (1964) und Henning (1971) zeigen Strichstamm, Lötstamm oder Kugelbaum zusammen mit weiteren Merkmalen einen geringen Zusammenhang mit (schwacher) Begabung. Ähnlich zeigten sich bei Köhler (1969) in einer Untersuchung an 125 chronischen Alkoholikern keine wesentlichen Korrelationen mit dem HAWIE (Wechsler, 1964).

Von Menara (1962) wird der Baumtest als Diagnostikum für den seelischen Entwicklungsstand, nicht jedoch für depressive Stimmungslagen eingeordnet.

Im differentialdiagnostischen Bereich nennen Suchenwirth und Hauss (1963) positive Ergebnisse bei Epileptikern. Kontrovers sind die Ergebnisse bei Schizophrenen (Schneider, 1967). Steiner (1966) fand nur unbedeutende Zusammenhänge zu anderen Neurose-Gruppentests (Maudsley-Persönlichkeitsfragebogen; Eysenck, 1964; Maudsley Personality Inventory; Eysenck, 1959; Diapositiv-Z-Test; Zulliger, 1948). Matzner (1977) konnte keine alkoholismusspezifischen inhaltlichen Baummerkmale finden, nur drei Zeichenmerkmale und die metrisch erfassten Dimensionen trennen signifikant zwischen einer Alkoholiker- und einer Kontrollstichprobe.
Weitere Untersuchungen sind bei Sehringer (1983, S. 109 ff.) genannt.
 

Normierung

Für fast alle Merkmale existieren Häufigkeitstabellen für 2 641 Zeichnungen (Kinder von 6 bis 16 Jahren; Koch, 1986, S. 63 ff.). Zudem wurden 822 Arbeiten von Hilfsschülern, 56 Zeichnungen von Imbezilen, 598 Protokolle von angelernten Arbeitern und Arbeiterinnen und 66 Arbeiten von kaufmännischen Angestellten berücksichtigt. Normen im engeren Sinne liegen damit aber nicht vor. Koch sieht die Tabellen als vorläufige Hinweise. Häufigkeitsangaben finden sich auch bei anderen Autoren (z.B. Wedemann, 1954).
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die ursprüngliche Anwendung der Baumzeichnung erfolgte in der Berufsberatung. Koch (1986) sieht das Verfahren in erster Linie als Entwicklungstest und widmet diesem breiten Raum in seiner Darstellung (S. 49-76; siehe auch Nikolussi, 1986). Mattmüller (1973) schlägt den "Baumtest als Erziehungshilfe" vor. Das Verfahren wird häufig zur Feststellung von emotionalen Spätentwicklungen bei Kindern mit Verhaltensstörungen und Erziehungsschwierigkeiten eingesetzt. Arnold (1990) stellte die Wirksamkeit der therapeutischen Betreuung von verhaltensauffälligen Grundschulkindern unter anderem mit dem Baumtest fest. Weiterhin konnte der Baumtest als Hilfsmittel in der Persönlichkeitspsychologie bzw. der Charakterologie Verwendung finden. Oft wird der Baumtest auch in der Psychopathologie eingesetzt, so als Verfahren zur Veranschaulichung von Krankheitsbildern in der Klinik (Schober, 1977). Städeli (1954) überprüfte seine Eignung in der Pilotenselektion. Böger (1988) verwendet den Baumtest als diagnostisches Hilfsmittel bei geriatrischen Patienten.
Nicht zuletzt fand und findet das Verfahren im Forschungsbereich zahlreiche Anwendungen, z.B. beim Vergleich chronisch Schizophrener mit akut Schizophrenen (Benos, 1984), beim Vergleich verschiedener rheumatischer Erkrankungen (Stefanelli, 1981), zur Untersuchung von Perseverationstendenzen bei Hirnverletzten (Breidt, 1969), zu typischen Charaktereigenschaften bei Suizidenten (Ürlichs, 1969), zum Einfluss des Fernsehens auf die produktive Phantasie des Kindes (Grimm, 1970), in der Kulturanthropologie (Perfall, 1978) und bei anderen Fragen.
 

Bewertung

Bei Auswertung und Interpretation des Baumtests nach Koch ist ein so erheblicher Spielraum gegeben, dass die Ergebnisse notwendig unscharf sein müssen. Die Zuordnung von Merkmalen der Zeichnungen zu charakterologischen Eigenschaften erscheint weitgehend willkürlich oder folgt kaum nachvollziehbaren Zusammenhängen. Entsprechend dürftig sind die Ergebnisse von Validitätsstudien. Sicherlich drückt sich in einer Zeichnung ähnlich wie in der Handschrift die Individualität des Zeichners aus. Die daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind aber mit einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise kaum vereinbar, da das "ganzheitliche, organische Sehen" (Ave-Lallemant, 1980, S. 11) zu vielen Einflüssen und Fehlerquellen ausgesetzt ist.

Gemessen an den Kriterien der Testtheorie ist der Baumtest nach Koch als individualdiagnostisches Verfahren nicht verantwortbar einsetzbar. Allenfalls als ergänzendes bzw. illustrierendes Verfahren kann der Test sinnvoll herangezogen werden. Hinweise kann das Verfahren zur Analyse etwa des kindlichen Entwicklungsstandes liefern (vgl. den Groß-Rund-Baum, Ballonbäumchen und Strichlinge bei Vorschulkindern; Gabriel, 1978, 1979). Solche Erkenntnisse können aber auch mit besser überprüften Verfahren gewonnen werden. Matzner (1977, S. 109) und Suchenwirth (1965, S. 160) schlagen denn auch vor, auf die Bezeichnung Baum-"Test" zugunsten des weniger Voraussetzungen machenden Titels Baumzeichen-"Versuch" zu verzichten.

Für die weite Verbreitung des Baumtests dürfte eine gewisse Anschaulichkeit und spontane "Plausibilität" des Verfahrens verantwortlich sein, ebenso die leichte Durchführbarkeit ("es besteht ein ausgesprochener Bedarf nach einem so einfachen Verfahren, wie der Baumtest es darstellt"; Bönner, 1964, S. 216). Nach einer Umfrage von Schober (1977) an allen Erziehungsberatungsstellen der Bundesrepublik Deutschland stellte der Baumtest das in der Erziehungsberatung am häufigsten eingesetzte Verfahren dar. Im Vorwort zur dritten Auflage wendet sich Koch zwar dagegen, von dem Test mehr zu verlangen, "als er seiner Natur nach geben kann. Man soll doch nicht jede Frage mit einem Test allein beantworten wollen" (Koch 1986, S. 5). Andererseits ist die Versuchung für den testpsychologisch weniger Beschlagenen natürlich groß, in Kochs Handbuch wie in einem Kochbuch nachzuschlagen und einem Zeichnungsmerkmal eine psychische Eigenschaft zuzuordnen, ohne sich darüber weiter Gedanken zu machen.
 

Literatur

  • Arnold, S. (1990). Verhaltensbeobachtungen in der Grundschule mit besonderer Berücksichtigung aggressiver Tendenzen. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Wien, Grund- und Integrativwissenschaftliche Fakultät.
  • Ave-Lallemant, U. (1980). Baum-Tests. Mit einer Einführung in die symbolische und graphologische Interpretation (2. Auflage). Olten: Walter.
  • Benos, J. (1984). Psychopathometrische Querschnittsuntersuchung bei chronisch Schizophrenen im Alter. Fortschritte der Neurologie, Psychiatrie, 52, 223-236.
  • Bernet, A. (1971). Recherches sur le test de l'arbre. Revue de Psychologie Appliquee, 21, 101-122.
  • Biermann, G. & Kos-Robes, M. (1986). Die Zeichentest-Batterie Baum - Mensch -Verzauberte Familie. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 35, 214-222.
  • Böger, J. (1988). Der Baum- und Figurentest als Mittel der Hilfsdiagnostik bei geriatrischen Patienten. Zeitschrift für Gerontologie, 21, 232-236.
  • Bönner, K.H. (1964). Die Intelligenz im Baumtest. Schule und Psychologie, 11, 216-219.
  • Breidt, R. (1969). Perseveration und Hirnverletzung. Experimentalpsychologische Untersuchungen zur Wiederholungstendenz bei Hirnverletzten. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Tübingen.
  • Corboz, R.J. & Gnos, P.U. (1980). Der Dreibaumtest in der Volksschule. Acta Paedopsychiatrica, 46, 82-93.
  • Eysenck, H.J. (1959). Das "Maudsley Personality Inventory" (MPI). Göttingen: Hogrefe.
  • Eysenck, H.J. (1964). Maudsley-Persönlichkeitsfragebogen (2. verbesserte Auflage). Göttingen: Hogrefe.
  • Gabriel, H. (1978). Der Gross-Rund-Baum. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 27, 75-83.
  • Gabriel, H. (1979). Ballonbäumchen und Strichlinge. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 28, 137-148.
  • Gaffuri, G. (1970). Il reattivo dell'albero nella diagnosi di schizofrenia. Pisa.
  • Grimm, R. (1970). Der Einfluss des Fernsehens auf die produktive Phantasie des Kindes. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Salzburg.
  • Henning, H. (1971). Zur psychodiagnostischen Relevanz des Abzeichentests und des Baumtests bei der Differenzierung der Schwachsinnsgrade im Kindesalter. Psychiatrie, Neurologie und medizinische Psychologie, 23, 94-100.
  • Koch, K. (1986). Der Baumtest. Der Baumzeichenversuch als psychodiagnostisches Hilfsmittel (8. Auflage. 1. Auflage 1949). Bern: Huber.
  • Köhler, W. (1969). Aussagen der Baumzeichnung chronischer Alkoholiker. Zeitschrift für Experimentelle und Angewandte Psychologie, 16, 420-433.
  • Konttinen, R. & Karila, A. (1969). Intentional communication in the Tree Drawing Test. Scandinavian Journal of Psychology, 10, 129-136.
  • Mattmüller, F. (1973). Der Baumtest als Erziehungshilfe. Eine Anleitung für Eltern und Lehrer. Bern: Haupt.
  • Matzner, A. (1977). Der Baumtest (K. Koch) bei Alkoholikern. Zur Valenz des Baumzeichenversuchs als Psychodiagnostikum chronisch alkoholerkrankter Männer. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Innsbruck.
  • Menara, D. (1968). Zur Brauchbarkeit des Baumtests von K. Koch. Eine experimentelle Untersuchung. Unveröffentlichte Dissertation, Universität München.
  • Nikolussi, M. (1986). Zur Diagnose des Entwicklungsstandes von Kindergartenkindern. Eine empirische Untersuchung. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Innsbruck.
  • Perfall, C.A.v. (1978). Kultur und Persönlichkeit auf Ibiza. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Köln.
  • Schneider, H.J. (1967). Der Baumtest in der Psychiatrie. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Halle.
  • Schober, S. (1977). Einschätzung und Anwendung projektiver Verfahren in der heutigen klinisch-psychologischen Praxis. Diagnostica, 23, 364-372.
  • Sehringer, W. (1983). Zeichnen und Spielen als Instrumente der psychologischen Diagnostik. Heidelberg: Schindele.
  • Städeli, H. (1954). Der Baumtest nach Koch als Hilfsmittel bei der medizinisch-psychologischen Pilotenselektion und ähnlichen Verfahren. Universität Zürich, unveröffentlichte Dissertation.
  • Stefanelli, A.v. (1981). Testpsychologische Vergleichsuntersuchung zwischen Patienten mit Spondylitis ankylosans und Lumbalsyndrom. Ein Beitrag zur Psychosomatik in der Rheumatologie. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Innsbruck.
  • Steiner, W. (1966). Vergleichende Untersuchung mit Neurose-Gruppen-Tests. Zeitschrift für experimentelle und angewandte Psychologie, 13, 321-333.
  • Stora, R. (1963). Le test de dessin de l'arbre, principales methodes. Bulletin de Psychologie, 17, 253-264.
  • Suchenwirth, R. (1965). Psychopathologische Ergebnisse mit dem Baumtest nach Koch. Der Baumzeichentest in der Neuropsychiatrie. Confinia Psychiatrica, 8, 147-164.
  • Suchenwirth, R. & Hauss, K. (1963). Der Baumzeichentest (Koch) bei Anfallskranken. Zeitschrift für Psychotherapie und medizinische Psychologie, 13, 195-200.
  • Ürlichs, K. (1969). Testpsychologische Untersuchungen an geretteten Suizidanten. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Wien.
  • Waser, C.M. (1986). Der Dreibaumtest. Ein projektiver Zeichentest zur Beziehungsdiagnostik. Handanweisung. Eschborn: Fachbuchhandlung für Psychologie.
  • Wechsler, D. (1964). Die Messung der Intelligenz Erwachsener. Bern: Huber.
  • Wedemann, H. (1954). Der Baumtest bei Kindern und Jugendlichen auf den verschiedenen Altersstufen. Unveröffentlichte medizinische Dissertation, Universität Tübingen.
  • Welman, A.J. (1968). Brain tumor and tree-test. Deseases of the Nervous System, 29, 593-598.
  • Zulliger, H. (1948). Der Diapositiv-Z-Test. Bern: Huber.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Hammon, C.P. (2001). Die psychodiagnostische Baumzeichnung: Zugangswege zu einer systematischen Bildanalyse. Eschborn: Dietmar Klotz.
  • Zöllner, H.-M. (2004). Die Baumzeichnung als Spiegel der leidenden Seele. Würzburg: Königshausen & Neumann. (ISBN 3-8260-2717-5, 48,00 Euro; Rezensionen von Horst Haltenhof in Sozialpsychiatrische Informationen, 2005, 35 (4), S. 63, von R. Lempp in Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie, 2005, 156 (1), S. 44, von Ernst Plaum in Zeitschrift für Klinische Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, 2005, 53 (4), 385-388, von R. Tölle in Der Nervenarzt, 2005, 76 (1), S. 51, und von M. Wollschläger in Krankenhauspsychiatrie, 2005, 16 (3), S. 131).
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Koch, K. Le Test de l'Arbre: le diagnostic psychologique par le dessin de l'arbre. Lyon: E. Vitte. (französische Fassung; Bezug über Testzentrale der Schweizer Psychologen AG, Länggass-Strasse 84, CH-3000 Bern 9).
 

Rezensionen

  • Rexilius, G. (1987). Baum-Test. In S. Grubitzsch & G. Rexilius, Testtheorie - Testpraxis. Voraussetzungen, Verfahren, Formen und Anwendungsmöglichkeiten psychologischer Tests im kritischen Überblick (28.-30. Tausend. rororo Sachbuch Nr. 7157. Kurzanalyse S. 265-268). Reinbek: Rowohlt.
  • Rexilius, G. (1999). Baum-Test. In S. Grubitzsch, Testtheorie - Testpraxis. Psychologische Tests und Prüfverfahren im kritischen Überblick (2. unveränderte Auflage der vollständig überarbeiteten und erweiterten Neuausgabe 1991. Kurzanalyse S. 540-543). Eschborn: Klotz.
 
 Wolfgang Zeltner (21.07.1987)
Manfred Eberwein (09.03.1994)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Projective Personality Measures; Drawing; Test Norms; Personality Traits; Developmental Psychology

Projektive Persönlichkeitstests; Zeichnen; Testnormen; Persönlichkeitsmerkmale; Entwicklungspsychologie

 weitere Schlagworte:

1949 (1. Auflage); 1986 (8. Auflage); 1997 (10. Auflage); Paper and Pencil Test; Wittgenstein-Index; Auswirkungs- und Hinweissymptome; ab 3 Jahre
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Klinische Psychodiagnostik; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Psychoanalytische Theorie
Projektive Zeichentests; Allgemeine Entwicklungstests
10.1; 1.2
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English, French, Italian
 Land: Switzerland
 Publikationsjahr: 1949
 Änderungsdatum: 200708
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2019 ZPID