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Entwicklungstest der visuellen Gestaltbindung

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9000150
 

EVG - Entwicklungstest der visuellen Gestaltbindung (PSYNDEX Tests Review)

 

Developmental Test for Visual Gestalt Perception/zpid

 Lockowandt, O. & Holtmann, H. W.
 (1979). EVG. Entwicklungstest der visuellen Gestaltbindung. Bielefeld: Universität, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaften.

 Bezugsquelle: Eine bei Beltz geplante Publikation des Verfahrens ist nie erschienen.

 Adresse(n): o Prof. Dr. Oskar Lockowandt (1935-2000), Universität Bielefeld, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaften, Abteilung für Psychologie ; URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Lockowandt ; Stand: 28.11.2018
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Das Ziel des Entwicklungstests der visuellen Gestaltbindung (EVG) besteht darin, Schulleistungsversagen durch eine angemessene Prognostik derjenigen seelischen Strukturen, die die Bedingungen der Schulleistungen sind, vorzubeugen. Der EVG soll durch die Diagnose einer wichtigen Wahrnehmungsfunktion sowohl die Differenzierung klinisch definierter Gruppen, als aber auch ein tieferes Eindringen in die Verarbeitungsprozesse der Wahrnehmung eben dieser Gruppen ermöglichen. Außerdem sollte zu wissenschaftlichen Zwecken ein Instrument zur Diagnose einer wichtigen Wahrnehmungsfunktion - der Gestaltbindung/-entbindung - erstellt werden.


Aufbau:
Das Verfahren besteht aus 45 Bildtafeln, auf denen Tiere, Menschen, Gegenstände, Pflanzen, Landschaften sowie eine Stadtansicht abgebildet sind. Es umfasst drei Teile zu je 15 Aufgaben. Die Probanden sollen eine einfache Zielfigur innerhalb eines komplexen Bildes wiedererkennen und diese mit einem Stift umkreisen. Die Zielgruppe sind 4-, 5 und 6-jährige normale Kinder sowie in irgendeiner Weise belastete Kinder und Jugendliche. Der EVG wird sowohl qualitativ, als auch quantitativ ausgewertet: Bei der quantitativen Auswertung wird die Anzahl aller richtigen Lösungen ermittelt, für die qualitative Auswertung liegt eine Fehlertypologie vor, die zwischen sieben Fehlertypen unterscheidet.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Arbeit an dem EVG begann während eines Forschungsprojektes zur "Diagnostik der visuellen Wahrnehmungsentwicklung". Die Konstruktion orientiert sich an der klassischen Testtheorie.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Es liegen bisher noch keine Werte zur Reliabilität vor.
Validität: Zur Validität liegen Korrelationsstudien mit verschiedenen Verfahren vor: mit dem Mann-Zeichen-Test, dem FEW, dem Raven, dem Witkin-Test, dem Bender-Gestalt-Test etc. Die "Gestaltbindung" ist als Differenzierungsindex charakteristisch für verschiedene Kindergruppen. Die Anwendung des EVG führt ferner an einer Gruppe von "behinderten, hirngeschädigten, anfallskranken Kindern und Jugendlichen" zu wertvollen Erkenntnissen.
Normen: Vorläufige Normen werden zur Zeit entwickelt.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die Arbeit an der Konstruktion dieses Testverfahrens begann im Rahmen eines Forschungsprojekts zur "Diagnostik der visuellen Wahrnehmungsentwicklung". Dabei sollte zum einen neben den visuellen Wahrnehmungsfunktionen, die durch Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung (FEW; Lockowandt, 1974; PSYNDEX Tests-Nr. 9000187) erfasst werden können, zu wissenschaftlichen Zwecken ein Instrument zur Diagnose einer weiteren wichtigen Wahrnehmungsfunktion - der Gestaltbindung/-entbindung - zur Verfügung gestellt werden. Hier ist auf Witkins Differenzierungstheorie und auf Arbeiten aus seiner Arbeitsgruppe zum "Children's Embedded Figures Test" (CEFT) hinzuweisen. Da dieser Test ernste Mängel aufweist, wurde von einer Restandardisierung für deutsche Verhältnisse abgesehen.
Ein weiterer Grund liegt in der Zielsetzung, die Prophylaxe des Schulleistungsversagens durch eine angemessene Prognostik derjenigen seelischen Strukturen, die die Bedingungen der Schulleistungen sind, voranzutreiben.
Schließlich sollte ein klinisches Instrument geschaffen werden, das durch die Diagnose einer wichtigen Wahrnehmungsfunktion die Differenzierung klinisch definierter Gruppen wie aber auch ein tieferes Eindringen in die Verarbeitungsprozesse der Wahrnehmung eben dieser Gruppen ermöglichen sollte. Die Frage, bei welchen klinisch definierten und klassifizierten Gruppen sich der Test mit dem größten diagnostischen Wert einsetzen lässt, wurde nicht a priori bestimmt, sondern soll in einem heuristischen Prozess ermittelt werden.
 

Testaufbau

Der EVG besteht aus 45 Bildtafeln, auf denen Tiere, Menschen, Gegenstände, Pflanzen und Landschaften sowie eine Stadtansicht mit wenigen Ausnahmen - im Vierfarbdruck abgebildet sind. Der Test umfasst drei Teile zu je 15 Aufgaben, von denen das erste Bild jeweils Übungsbeispiele der zu suchenden Figur enthält. Die Versuchspersonen müssen eine einfache Zielfigur (Herz, Fisch, Pilz) innerhalb eines komplexen Bildes wiedererkennen und mit einem Stift umreißen. Die Leistung des Kindes - die Auflösung der Gestaltbindung - ist abhängig von der Stärke der Einbindung der Zielfigur selbst und ferner von der Präsenz von Figuren, die der Zielfigur ähnlich sind (Distraktoren).
 

Auswertungsmodus

Der EVG wird qualitativ und quantitativ ausgewertet. Bei der quantitativen Auswertung wird die Anzahl aller richtigen Lösungen ermittelt. Für die qualitative Auswertung liegt eine Fehlertypologie vor, in der zwischen sieben Fehlertypen unterschieden wird: Teil- und Fremdlinien, Teilumriss, Falsches Areal, Raumlage, Besondere Phänomene, Perseveration und Versager. Sowohl die richtigen Lösungen wie auch die sieben Fehlertypen sind exakt definiert und anhand von mehreren Beispielen dargestellt.
 

Auswertungshilfen

Spezielle Auswertungshilfen existieren nicht.
 

Auswertungszeit

Die Auswertung des Verfahrens nimmt pro Proband ca. 10 Minuten in Anspruch.
 

Itembeispiele

Die Bildtafeln können hier nicht wiedergegeben werden.
 

Durchführung

 

Testformen

Der EVG kann als Gruppen- und Einzeltest durchgeführt werden. Bei jüngeren Kindern (4;0 - 4;11 Jahre) und bei klinischen Stichproben empfiehlt sich die Individualabnahme. Parallelformen liegen nicht vor.
 

Altersbereiche

Vorgesehene und zum Teil bereits erhobene Stichproben sind 4-, 5 und 6-jährige normale Kinder, sowie in irgendeiner Weise belastete Kinder: z.B. hirngeschädigte, anfallskranke und sich rehabilitierende Kinder und Jugendliche.
 

Durchführungszeit

Die durchschnittliche Anwendungszeit als Gruppen- wie als Einzeltest beträgt etwa eine Stunde. Die Testform ist für alle Populationen gleich.
 

Material

Neben dem Testheft (drei Teile zu 15 Aufgaben) sind zur Durchführung ein spezieller Faserschreiber (Lumocolor-Stift 317 permanent schwarz, Firma Städtler), eine Stoppuhr und ein Protokollbogen notwendig.
 

Instruktion

Die Testinstruktion wurde nach intensiven Versuchen möglichst kindgemäß gestaltet. Auch die Übungsbeispiele wurden so gewählt, dass sie nach Möglichkeit alle Schwierigkeiten enthalten, die in den drei Serien auftreten.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Der Versuchsleiter sollte Psychologe sein und über hinreichend Erfahrung mit klinischen Verfahren und im Umgang mit Kindern verfügen.
 

Testkonstruktion

Die Arbeit an dem EVG begann während eines Forschungsprojektes zur "Diagnostik der visuellen Wahrnehmungsentwicklung". Die Konstruktion orientiert sich an der Klassischen Testtheorie. Itemkennwerte (Trennschärfekoeffizienten, Schwierigkeitsindizes etc.), Korrelationen und Dimensionsanalysen werden im Manual enthalten sein.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Objektivität bezüglich der Durchführung und Auswertung wird nach bisherigen Analysen vom Autor als "sehr hoch" bezeichnet.
 

Reliabilität

Werte zur Reliabilität liegen bisher noch nicht vor. Retestreliabilität und Konsistenz (Split-half) sollen aber in Kürze bearbeitet werden.
 

Validität

Zur Validität wurden bereits und werden noch umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Es liegen Korrelationsstudien mit unterschiedlichen bekannten Verfahren vor: mit dem Mann-Zeichen-Test, mit dem FEW, mit dem Raven, mit dem Witkin-Test, mit dem Bender-Gestalt-Test etc. Die im EVG geforderte Leistung ist in jedem Fall intelligenzabhängig (hier gedeutet im Sinne von Piagets Wahrnehmungsaktivität). Fest steht auch, dass die "Gestaltbindung" als Differenzierungsindex charakteristisch für verschiedene Kindergruppen ist, z.B. kann man im Sinne Kagans gut einen impulsiven von einem reflexiven Suchtypus unterscheiden. Ferner hat sich gezeigt, dass die Anwendung des EVG an einer Gruppe von "behinderten, hirngeschädigten, anfallskranken Kindern und Jugendlichen" zu wertvollen Erkenntnissen führte. Diese Arbeit an der Konstrukt- und kriterienbezogenen Validität soll fortgesetzt werden.
 

Normierung

Vorläufige Normen für N = 300 normale Kinder im Alter von 4;0 bis 5;11 werden zur Zeit entwickelt. Die Aufteilung erfolgt in Halbjahreseinheiten. Es werden Prozentränge und evtl. T-Werte berechnet.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Das Ziel des Entwicklungstests der visuellen Gestaltbindung (EVG) besteht darin, Schulleistungsversagen durch eine angemessene Prognostik derjenigen seelischen Strukturen, die die Bedingungen der Schulleistungen sind, vorzubeugen. Der EVG soll durch die Diagnose einer wichtigen Wahrnehmungsfunktion sowohl die Differenzierung klinisch definierter Gruppen, als aber auch ein tieferes Eindringen in die Verarbeitungsprozesse der Wahrnehmung eben dieser Gruppen ermöglichen. Außerdem sollte zu wissenschaftlichen Zwecken ein Instrument zur Diagnose einer wichtigen Wahrnehmungsfunktion - der Gestaltbindung/-entbindung - erstellt werden.
 

Bewertung

Die Bewertung wurde zurückgestellt, bis die Arbeiten an der Konstrukt- und kriterienbezogenen Validität abgeschlossen sind.
 

Literatur

  • Lockowandt, O. (1974). Frostigs Entwicklungstest der visuellen Wahrnehmung. Weinheim: Beltz.
  • Lockowandt, O. & Holtmann, H.W. (1979). EVG. Entwicklungstest der visuellen Gestaltbindung. Bielefeld: Universität, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaften.
 
 Friederike Schriever (21.07.1983)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Perceptual Measures; Test Norms; Pictorial Stimuli; Development; Visual Perception; Perceptual Style; Recognition (Learning)

Klassische Testtheorie; Wahrnehmungsmessverfahren; Testnormen; Bild-Stimuli; Entwicklung; Visuelle Wahrnehmung; Wahrnehmungsstil; Wiedererkennen (Lernen)

 weitere Schlagworte:

1979; Visuelle Gestaltbindung; Auflösung der Gestaltbindung; ab 4 Jahre; bis 6 Jahre; Fehlertypen: 1 Teil- und Fremdlinien, 2 Teilumriss, 3 Falsches Areal, 4 Raumlage, 5 Besondere Phänomene, 6 Perseveration, 7 Versager
 Klassifikation:

Entwicklungstests; Visuelle Wahrnehmung; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung
Spezielle Tests zur Entwicklung der Wahrnehmung; Allgemeine Wahrnehmungstests
1.4; 5.1
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis, Remedial Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Unpublished Paper (90; 921)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 1979
 Änderungsdatum: 201812
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